Rechtsterrorismus
Auch 2016 mehr als 900 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte

Fast drei Angriffe pro Tag: Auch in diesem Jahr waren die Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte besonders zahlreich. Im Vergleich zu 2014 hat sich die Zahl der Angriffe nahezu verfünffacht.
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BerlinAuch im zu Ende gehenden Jahr hat es wieder mehr als 900 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Bis zum 27. Dezember seien bundesweit 921 solcher Attacken registriert worden, berichtete die „Welt“ (Donnerstagsausgabe) unter Berufung auf Angaben des Bundeskriminalamts (BKA). In 857 Fällen gab es demnach einen rechtsradikalen Hintergrund.

Im Gesamtjahr 2015 hatte das BKA 1031 Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte verzeichnet. Davon wurde 923 ein rechtsradikaler Hintergrund zugeordnet. Die Angaben lassen sich nur bedingt vergleichen, da sich die Zahlen für 2016 noch durch nachträgliche Registrierungen erhöhen dürften.

Von den für 2016 erfassten Straftaten handelte es sich in 152 Fällen um Gewaltdelikte. Darunter waren dem Bericht zufolge 66 Brandstiftungen. Gegen drei Männer, die in der Nacht zum 13. Dezember Molotowcocktails auf das umzäunte Gelände eines Asylbewerberheims im sächsischen Bautzen geworfen haben sollen, wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Mittwoch Haftbefehl erlassen.

Insgesamt lag die Zahl der Attacken gegen Flüchtlinge in den Jahren 2015 und 2016 jeweils um ein Vielfaches über dem Stand von 2014. Damals waren 199 Angriffe registriert worden, davon 177 mit rechtsextremem Hintergrund.

Von einer „erschreckend hohen Zahl“ sprach mit Blick auf die aktuellen Angaben SPD-Fraktionsvize Eva Högl. „Da besteht Handlungsbedarf“, sagte sie der „Welt“.

Die Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic gab CSU-Chef Horst Seehofer eine Mitschuld an den Straftaten. Wer wie Seehofer etwa nach dem Weihnachtsmarkt-Anschlag von Berlin "gleich wieder mit dem Finger auf Flüchtlinge zeigt, gibt den Nazi-Attentätern doch gleich Stichworte an die Hand".

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rechtsterrorismus: Auch 2016 mehr als 900 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte"

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  • Ich sehe hier nur einen Kommentar, der eine Falschbehauptung darstellt und dabei in gewisser Weise auch hetzerisch ist.

    Im Übrigen vermisse ich einen Gipfel der Berufspolitiker, der zum Gegenstand hat, endlich die Altlasten in rechtsfreien Räumen der Großstädte wirksam zu beseitigen.

  • ...
    Ich habe versucht, meine diesbezüglichen Erfahrungen in meinem Song "Der Tastaturrevoluzzer" zu verarbeiten.

    "... Die Kommentare anderer Leute:
    teils Verschwörer der übelsten Sorte,
    teils dumpfbackige, hirnlose Beute
    einer versponnenen, verbohrten Kohorte...."

    http://youtu.be/sBom50KrkBk

    Viel Spaß beim Anhören.

  • Ich bin erstaunt, welche Hetz-Kommentare das Handelsblatt hier zuläßt!
    Jetzt habe ich mich 3 Jahre in sozialen Medien wie Facebook etc. und in Foren diverser klassischer (Zeitungs-)Medien getummelt und fleißig ausgewählte Themen aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Philosophie kommentiert. Ich muß feststellen, dass diese Medien zur seriösen Diskussion derartiger Themen ungeeignet sind. Selbst viele Medien schließen ihre Foren z.B. bei Flüchtlingsthemen. Viele "Kommentare" lassen mich fragen, was deren Verfasser denn aus den mindestens 12000 Schulstunden in ihrer Jugend mitgenommen haben. Das trifft insbesondere auch auf die Kommentare zu diesem Artikel zu!
    Zu viele der Teilnehmer basteln sich ihre eigene Wahrheit zusammen, akzeptieren keine abweichende Meinung und bringen das auch noch unflätig und häufig beleidigend in primitiven Jargons und Denkmustern zum Ausdruck. Wir wissen, dass mittlerweile rd. 20% unserer Bevölkerung (im Osten mehr, im Westen weniger) dem Gedankengut von AFD und PEGIDA folgen. Viele wehren sich, in die rechte Ecke gestellt zu werden ("man wird doch noch mal sagen dürfen", oder: "man wird doch noch mal singen dürfen"). Aber in diesem Fall mache ich es mir auch mal so einfach wie diese "besorgten Bürger":
    Wer rassistische Parolen absondert, ist verdammt noch mal ein Rassist! Und wer populistisch gegen Flüchtlinge und Andersgläubige hetzt, befördert Ausländerfeindlichkeit und ist für solche abstoßenden Bilder wie z.B. kürzlich wieder in Sachsen auch mit verantwortlich! Dort hetzen selbsternannte Retter des christlichen Abendlandes unbehelligt gegen Flüchtlinge und treten damit die christlich-abendländische Kultur mit Füßen (offensichtlich sind sie intellektuell nicht in der Lage, diesen Widerspruch zu erkennen!). So weit ist es mit unserer Gesellschaft gekommen! Geschichte wiederholt sich. Man möchte heulen.
    Und die - angeblichen - Lügenmedien machen das alles beflissen mit und befördern das damit noch!
    Ich habe versucht, ...

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