Rede von Christian Lindner
„Lassen uns Selbstachtung niemals mehr nehmen“

Mit einer kämpferischen Rede impft Parteichef Christian Lindner den FDP-Mitgliedern ein wenig Selbstbewusstsein ein. Er macht Steuersenkungen wieder zu einem FDP-Kernthema – und bezieht Stellung zu Pegida und AfD.
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StuttgartFür die Redner gibt es kein Pult. Wie Alleinunterhalter stehen die Hauptdarsteller der FDP auf der Bühne. Nah an den Zuhörern, ohne Stütze. Einer, der die freie Rede wie kein Zweiter beherrscht in der FDP ist der Parteichef höchstselbst. Und so präsentiert sich Christian Lindner beim traditionellen Dreikönigstreffen der Liberalen in guter Form.

Er nutzt die rund 60 Minuten, die ihm in der Stuttgarter Oper bleiben, um den rund 1400 FDP-Mitgliedern ein wenig Selbstbewusstsein einzuimpfen. Für einen Stimmungswechsel – das weiß er selbst – braucht es messbare Erfolge. Wahlerfolge. Doch seit der Pleite bei der Bundestagswahl mit dem Ausscheiden aus Regierung und Parlament geht es für die FDP nur abwärts. Die nächste Chance bietet die Hamburger Bürgerschaftswahl.

Deshalb arbeitet sich Lindner auch nicht an der Großen Koalition und der Sozialdemokratisierung der deutschen Bundespolitik ab. Solidaritätszuschlag oder Rentenpolitik – diesen Themen widmet er nur wenige Minuten. Statt die anderen zu attackieren, für ihre Arbeit zu kritisieren, rückt er lieber die eigene Partei ins Zentrum seiner Rede. Sein Credo: Die FDP, so Lindner, mache den einzelnen groß, nicht den Staat.

Er geht aber auch auf die tiefe Krise der Liberalen ein. Auch er selbst habe in der früheren schwarz-gelben Regierung Fehler gemacht, sagt er. Die FDP habe ohne aufzumucken hingenommen, dass die Union die liberalen Steuersenkungspläne einkassiert habe. So etwas dürfe nie wieder passieren: „Die Selbstachtung lassen sich Freie Demokraten niemals mehr nehmen“. Zeichen des Umschwungs und der neuen Dynamik soll ein neues Logo sein.

Außerdem will Lindner Steuersenkungen wieder zu einem Kernthema seiner Politik machen. Das ist bemerkenswert, da die Liberalen auch wegen ihrer gebrochenen Steuerversprechen von 2009 („Mehr Netto vom Brutto“) bei der Bundestagswahl 2013 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert waren. Lindner: Seit die FDP aus dem Bundestag raus sei, sei dort die Steuerpolitik komplett vom Radar verschwunden.

Der Plan von Union und SPD, heimliche Steuererhöhungen durch die kalte Progression ab 2017 zu mildern, sei nur ein fauler Kompromiss. Dabei müsse dringend etwas gegen eine „Verstaatlichung der Gehaltserhöhungen der Menschen“ getan werden, so Lindner. Es lohne sich weiter und sei faszinierend, jeden Tag für ein gerechteres Steuersystem zu arbeiten. Lindners Vorgänger, Philipp Rösler, hatte vor drei Jahren an Dreikönig das Steuerthema für die FDP als Leitmotiv für beerdigt erklärt.

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  • Man muss nur wenig Selbstachtung haben, dann fällt es "Gegner" relativ schwer, auch diese zu nehmen.

    Spaß beiseite!

    Es liegt doch nicht an dem Parteiprogramm der FDP. Es liegt doch nur an dem Personal, dass auf diesen Lockruf fliegt. Weil die Partei sich nicht dagegen gewehrt hat, ist sie unterwandert und taumelt so ohnmächtig durch die Lande.

    Die FDP muss völlig untergehen, damit sie wieder auferstehen kann.

    Sind wir doch ehrlich. Die FDP gehört zu unserem freiheitlichen Denken.

    Wenn wir aber an die FDP denken, dann denken wir an Herrn Genscher und Frau Hamm-Brücher. Zum Überleben reicht das aber nicht.

    Das die FDP derart abgestraft wird, liegt m.E. nicht an deren Parteiprogramm sondern vielmehr an den "Schweinereien", die sich ihre Repräsentanten erlaubt haben. Das war einfach zuviel. Es gehört zu den demokratischen Mitteln, solchen Parteien den Strafzettel aufzuteilen. Und es gehört zu den demokratischen Mitteln, dass Parteien solche "Strafzettel" annehmen und begleichen.

    Der Untergang dieser FDP geht in Ordnung.

    Oder glauben Sie etwa, dass der Strafzettel gegen die SPD aus der Amtszeit von Gerhard Schröder (Hartz IV, Agenda 2010, Riester-Rente, Prostitutiongeschäft) schon bezahlt sei? Gewiss, es war nicht Schröder allein, es waren noch mehr aus der damaligen SPD beteiligt und die GRÜNEN waren auch nicht schuldlos.

    Die Politiker, gleich welcher Partei, wären gut beraten sich die Weihnachtsansprache des Papstes täglich anzuhören. Es war keine Ansprache für den Klerus allein. Man darf wohl ohne Übertreibung festhalten, dass diese Ansprache von jedem "Führer" gehalten werden kann, der mehr als 1.000 "Anhängern" hat.

    Sind wir ehrlich. Bei den Menschen ist es wie in der Natur im allgemeinen: Am Trog fressen die größten Schweine immer zuerst.

    Der Unterschied, um den Bogen zur FDP wieder herzustellen, liegt jedoch darin, dass die Demokratie es schafft (die Kleinen es schaffen), den großen "..." den großen Trog wegzusperren.

  • wenn die FDP sich niemals mehr die Selbstachtung nehmen lassen will, muß die diese ausversehen wieder gefunden haben.

  • Ein Lindner macht noch keine neue FDP. Die Rede unterhaltsam aber mit Widersprüchen. Gegen Pegida sein und die ROT/GRÜN/SCHWARZE,LINKE Willkommenskultur für rückkehrende Kopfabschneider ablehnen, dass will der Einheitsbrei nicht hören.

    Da wird man schnell zum Nazi und Antiislamist. Aber nicht Lindner . Er ist einfach zu brav, wo die FDP einen Beisser braucht , der Sätze sagt wo selbst die Medien Haltung annehmen.

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