Regierungskoalition in Thüringen
Wer hat Angst vor dem roten Schreckgespenst?

Wer vor einer linken Regierung in Thüringen warnt, der verkennt, dass Deutschland bereits Erfahrungen mit linken Landesregierungen gemacht hat. Dabei zeigt sich: So schlecht haben rot-rote Bündnisse gar nicht regiert.
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BerlinRund 25 Jahre nach dem Mauerfall und dem Ende der SED könnten in Thüringen SPD und Grüne Bodo Ramelow als erstem linken Ministerpräsidenten ins Amt verhelfen. Obwohl es auch eine knappe Mehrheit für eine schwarz-rote Koalition gäbe. Aber der SPD-Landesvorstand hat den Thüringer Mitgliedern, die das letzte Wort haben, Rot-Rot-Grün empfohlen. Entsprechend groß ist die Aufregung.

Der Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer, ist fassungslos, CDU-Generalsekretär Peter Tauber spricht von einem schlechten Tag für Thüringen. Zwar hatte CDU-Chefin Angela Merkel erklärt, die Landesverbände der Parteien bestimmten über die Koalitionen in ihrem Land. So wie es die CDU in Hessen im Dezember tat, als sie ein Bündnis mit den Grünen einging.

Doch die CDU fühlt sich vom Berliner Koalitionspartner und Thüringer Wahlverlierer SPD ausgebootet – nach, wie sie es sieht, 24 Jahren erfolgreicher Arbeit in Thüringen und einem Wählerauftrag für Christine Lieberknecht.

So zählte etwa der CDU-Generalsekretär Peter Tauber mit Blick auf Arbeitsplätze, Haushalt und Wirtschaftswachstum zunächst die Erfolge der bisherigen Großen Koalition in Thüringen auf, um dann die Warnung auszugeben. „Dies alles gefährdet die Thüringer SPD mit ihrer Entscheidung.“

Solche Horrorvisionen wurden auch schon in der Vergangenheit beschworen, als sich rot-rote Koalitionen bildeten – in Mecklenburg-Vorpommern (1998 bis 2006), in Berlin (2002 bis 2011) und in Brandenburg (seit 2009). Besonders drastisch fielen die Reaktionen aus, als klar war, die Hauptstadt wird künftig von einem Linksbündnis regiert.

Union und FDP prangerten das Wiedererstarken des Kommunismus mitten in Deutschland an - Berlin in einer Reihe mit Peking, Havanna und Pjöngjang. Die SPD wurde als Steigbügelhalter für die erneute Machtübernahme der einstigen SED-Genossen geschmäht. Vom Verrat an den Mauertoten war die Rede.

Vier Jahre später beruhigten sich die Gemüter wieder. Weil Rot-Rot in Berlin bundesweit als Normalität akzeptiert worden war. Aber auch, weil viele einsehen mussten, dass auch eine linke Regierung regieren kann, ohne dass gleich der Weltuntergang droht. Wie bei andersfarbigen Landesregierungen gibt es Licht und Schatten – und manchmal sogar mehr Licht als Schatten, wie der folgende Überblick zeigt.

Kommentare zu " Regierungskoalition in Thüringen: Wer hat Angst vor dem roten Schreckgespenst?"

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  • "Rot-Rotes Schreckgespenst"

    Eine so komplizierte Regierung mit nur einer Stimme Mehrheit hält wahrscheinlich ohnehin nicht lange.

    Also: abwarten und sich über andere Dinge aufregen.

  • So schlecht haben rot-rote Bündnisse gar nicht regiert.

    Also was solls , schlechter geht kaum noch .

  • So schlecht haben rot-rote Bündnisse gar nicht regiert.

    Was solls, schlechter geht kaum noch .

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