Regierungssprecher will von Boykott-Aufruf nichts wissen
„Die wollen uns kaputt machen“

Bundeskanzler Gerhard Schröder ist sauer auf die „Bild“-Zeitung, wirft ihr „Kampagnen-Journalismus gegen die SPD“ vor - und geht auf Konfrontationskurs: Die SPD-Fraktion mahnte er zur Vorsicht gegenüber Zeitungen der Axel Springer AG, was nicht nur von Fraktionsmitgliedern als Boykott-Aufruf verstanden wurde. Beobachter schließen nicht aus, dass Schröder bewusst ein Feindbild aufbauen will, um die eigenen Reihen zu schließen.

HB BERLIN. Nach Angaben aus der Fraktion sagte Schröder während der Sitzung am Dienstagabend: „Die wollen uns kaputt machen.“ Der Springer-Verlag betreibe „Kampagnen-Journalismus gegen die SPD“. Einzelne Abgeordnete hätten diese Haltung unterstützt, hieß es. Vor der SPD-Bundestagsfraktion habe Schröder am Mittwoch unter anderem den „Bild“-Artikel über seine Frau vom Dienstag („Wie hält die Kanzlergattin das nur aus?“) kritisiert, sagte Regierungssprecher Bela Anda.

Anda sagte am Mittwochabend, bei der „Bild“-Zeitung habe die Regierung „nicht den Hauch einer Chance auf eine differenzierte oder gar faire Berichterstattung“. Man müsse innerhalb des Springer-Verlages aber differenzieren. So verhalte sich die Zeitung „Bild am Sonntag“ objektiver.

Der Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Kai Diekmann, wies die Kritik am Abend zurück: „ „Ich habe kein Verständnis für die Kritik. Es ist nicht die Aufgabe von „Bild“ und anderen Medien, Politikern zu gefallen. Das hätte Béla Anda in seiner Zeit als „Bild“-Redakteur gelernt haben müssen.“ Auch die CDU/CSU ärgere sich zuweilen über kritische Berichterstattung von „Bild“. „Wir sind dort, wo wir hingehören: zwischen allen Stühlen“, sagte Diekmann. Schröders Ehefrau Doris Schröder-Köpf, früher selbst „Bild“-Journalistin, sei politisch aktiv und müsse sich an ihrem Anspruch, „politische Gattin“ zu sein, messen lassen. Vor dem Artikel habe die Redaktion mehrfach Kontakt mit ihr gehabt.

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