Rekordtief bei der Arbeitslosigkeit
Nur noch 2,649 Millionen ohne Job

In Deutschland sind so wenige Menschen arbeitslos wie seit 1991 nicht mehr: Die Bundesagentur für Arbeit registrierte im Oktober weniger als 2,7 Millionen Arbeitslose. Doch eine Entwicklung trübt die Statistik.

BerlinAuf dem deutschen Arbeitsmarkt fällt am Donnerstag eine 24 Jahre alte Rekordmarke: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat am Donnerstagmorgen mitgeteilt, dass sie im Oktober erstmals seit November 1991 weniger als 2,7 Millionen Arbeitslose registriert. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Oktober um 59.000 auf 2,649 Millionen gesunken. Das sind 83.000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 Punkte auf 6,0 Prozent.

Die Bilanz für Oktober war allerdings auch die letzte Gelegenheit, diese Rekordmarken einzusammeln. Denn spätestens mit Beginn des Winters steigt die registrierte Arbeitslosigkeit – und im kommenden Jahr trübt nach Einschätzung der Experten die Flüchtlingszuwanderung die Statistik ein und führt zu steigender Arbeitslosigkeit.

Für den Arbeitsmarkt sind die Flüchtlinge die große Unbekannte. Derzeit weiß die BA noch nicht einmal, wie viele Flüchtlinge und Asylbewerber bereits unter den Arbeitsuchenden sind – geschweige denn, wie viele noch kommen. Eine Umstellung der Datenerfassung soll bis Mitte 2016 mehr Klarheit bringen.

Vergangene Woche hat die BA-Zentrale alle Arbeitsagenturen und Jobcenter angewiesen, künftig den Aufenthaltsstatus zu erfassen – und dies auch nachträglich für Arbeitsuchende aus Drittstaaten. Ab Juni 2016 soll dies mehr Transparenz ermöglichen.

Genaue Zahlen sind auch für Arbeitsministerin Andrea Nahles wichtig, die mit Finanzminister Wolfgang Schäuble noch um mehr Geld für die Flüchtlinge ringt. Eine Entscheidung soll nach der Steuerschätzung kommende Woche fallen. Die SPD-Politikerin veranschlagt für 2016 Mehrausgaben von etwa drei Milliarden Euro. Die Summe hängt aber auch davon ab, wie viele Flüchtlinge kommen und bleiben dürfen.

Sobald Asylbewerber ein Bleiberecht für drei Jahre erhalten, haben sie Anspruch auf Hartz IV und werden als arbeitsuchend registriert. Auf Grundlage der Schätzung des Innenministeriums, dass in diesem Jahr bis zu 800.000 Flüchtlinge registriert werden, ging das Arbeitsministerium im August von etwa 340.000 zusätzlichen Hartz-IV-Leistungsberechtigten im Jahr 2016 aus.

Obwohl die Flüchtlingszuwanderung seither drastisch zugenommen hat und täglich bis zu 10.000 Flüchtlinge kommen, hält man im Arbeitsministerium an diesen Berechnungen weiter fest.

Rückgang nur bei einheimischen Arbeitslosen

Sobald die Flüchtlinge als arbeitsuchend registriert sind, steigt das Arbeitskräfteangebot. „Das wird zu einer Erhöhung der Arbeitslosenquote führen", sagte der BHF-Analyst Stephan Rieke. „Aber das ist ein Effekt, der erst im Laufe des nächsten Jahres zu erwarten ist.“ Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit sei auf den ersten Blick zwar ein negatives Signal. Entscheidend sei aber die Entwicklung der Erwerbstätigkeit.

Das BA-Forschungsinstitut IAB schätzt, dass durch die Flüchtlinge das Arbeitskräfteangebot in diesem und im nächsten Jahr zusammen um knapp eine Million steigt. Davon dürften sich etwa 130.000 als Arbeitslose in der Statistik niederschlagen.

Da sich bei einheimischen Arbeitslosen der Rückgang fortsetze, werde die Erwerbslosigkeit 2016 im Jahresdurchschnitt um etwa 70.000 steigen. Weitaus stärker wird den Prognosen zufolge aber die Erwerbstätigkeit zulegen. Sie könnte mit fast 43,2 Millionen einen Rekordwert erreichen.

Die Flüchtlinge treffen auf einen Arbeitsmarkt, auf dem die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen so hoch ist wie nie. Der Stellenindex der BA als Indikator für die Jobangebote erreichte im Oktober mit 202 Punkten ein Allzeithoch.

In fast allen Branchen melden die Betriebe demnach einen höheren Personalbedarf als von einem Jahr. Arbeitsministerin Nahles hat allerdings schon im September vor übertriebenen Erwartungen an eine rasche Eingliederung von Flüchtlingen gewarnt. Nicht einmal jeder Zehnte bringe die Voraussetzungen mit, um direkt in eine Arbeit oder Ausbildung vermittelt zu werden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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