Rente
Frührentner sollen mehr hinzuverdienen dürfen

Knapp jeder zweite Arbeitnehmer geht vorzeitig und mit finanziellen Einbußen in Rente. Doch bei Zuverdiensten gelten starre Regeln. Dies will CDA-Chef Laumann ändern und die Zuverdienst-Grenzen für Frührentner aufheben.
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BerlinFrührentner sollen nach Vorstellungen von CDU und FDP mehr hinzuverdienen dürfen, ohne dass ihnen die Rente gekürzt wird. So könnten Abschläge bei der Rentenzahlung ausgeglichen werden, sagte der Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann (CDU), der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Donnerstag. FDP-Rentenexperte Heinrich Kolb begrüßte die Äußerungen als Unterstützung dafür, „das Zögern aufseiten unseres Koalitionspartners nun zu beenden“. Die FDP sei seit Jahren für die Aufhebung aller Rentner-Zuverdienstgrenzen.

Ab Erreichen des gesetzlichen Rentenalters (derzeit 65 Jahre) kann jeder uneingeschränkt hinzuverdienen, ohne dass die Rente deswegen gekürzt wird. Bei vorzeitigem Rentenbezug gelten indes starre Grenzen: Bis zu 400 Euro Zuverdienst im Monat bleiben ohne Abzüge. Wer dagegen 401 bis 996 Euro verdient, bekommt nur zwei Drittel seiner Rente. Bei höheren Zuverdiensten gibt es nur die halbe oder nur ein Drittel der Rente.

Eine Aufweichung der Grenzen plant Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Sie hat eine Kombi-Rente ins Gespräch gebracht, die sich bis zur Höhe des zuletzt erzielten Brutto-Einkommens aus beliebigen Anteilen von Rente und Zuverdienst zusammensetzt. Einen Gesetzentwurf will die CDU-Politikerin im Frühjahr vorlegen. Dieser soll auch ihr Vorhaben einer Zuschuss-Rente und Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente beinhalten.

Laumann: Anteil der Frührentner wird wieder sinken
Mittlerweile geht fast jeder Zweite vorzeitig und mit finanziellen Einbußen in die Altersrente. Die Daten der Rentenversicherung lassen aber offen, ob sie die Abschläge freiwillig zugunsten eines früheren Rentenbezugs in Kauf nehmen oder ob sie dies angesichts geringer Beschäftigungschancen tun. Nimmt man die Erwerbsminderungsrentner hinzu, nahmen 2010 bereits 58 Prozent aller Neurentner Abschläge in Kauf. Der Anstieg der vergangenen Jahre geht vor allem auf eine deutlich höhere Zahl von Frauen mit Rentenabschlägen zurück.

Laumann äußerte sich optimistisch, dass der Anteil der Frührentner wieder sinken werde, da es der Wirtschaft zunehmend an Fachkräften mangele. „Die Leute werden in den Unternehmen gebraucht“, betonte er. In vielen Branchen müssten jedoch „noch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die Arbeitnehmer bis zur regulären Rente arbeiten können“.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn sich jeder seine Rente selber bilden und verwalten dürfte, dann würden sich sicherlich die neoliberalen Ungeister freuen. Die Lohnnebenkosten würden sinken, die Löhne selbst aber nicht steigen. Und wenn ein Versicherungskonzern pleite geht (weil er die Gewinne der Aktionäre nicht mehr bedienen kann) dann ist das ganze für die Rente eingezahlte Geld weg - dann gibt es keine Rente. Dies geschah in den USA in den letzten Jahren mehrfach.
    Und während für die Zockerei der Banken unbegrenzt Geld zur Verfügung gestellt wird, für die Rente der Bürger gibt es nichts.

    Die Staatliche Rente ist die einzig sichere Alternative, auch wenn das zur Zeit uncool klingt. Der Staat muß dort einen Teil mit einzahlen, und schon langt es. Die Beamten bekommen ihre gesamte Pension vom Staat.
    Zur Zeit ist es aber so, daß alles Geld vom Staat in die Taschen der Reichen fließt - die Besitzverteilung zeigt es. Wenn hier gegengesteuert wird - und daran führt (vorausgesetzt die Bürger wehren sich endlich mal) kein Weg vorbei. Und dann reicht auch die Rente wieder.

  • Eines ist klar: Egal wem man sein Geld anvertraut, - es kann veruntreut werden. Das betrifft auch die Rentenbeiträge die man von seinem versteuerten Verdiensten zwangsweise an den Staat abliefern musste. Was heisst "Staat", die Politiker haben es als Jongliermasse benutzt um sich Stimmen zu kaufen, über Wahlversprechen. So erhalten allein aus diesem Topf viele Menschen Auszahlungen die dort nichts oder kaum was eingezahlt haben. Natürlich reicht dadurch der Topfinhalt kaum noch für die freudig-fleißigen und langjährigen Einzahler. Zuerst wurde angeordnet, daß die bereits versteuerten Gelder nochmals versteuert werden, nämlich bei der Auszahlung. Trotzdem werden die Quoten so niedrig, daß man hinzuverdienen muß. Und um Proteststürmen die Spitzenböen zu nehmen, wird das Hinzuverdienen nun 'erlaubt'. Ach wie edel ist doch der Staat!

    In dem theoretischen Fall, daß jeder seine Rücklagen für das Alter selber bilden und verwalten dürfte, wären die Renten doppelt oder dreifach so hoch. Aber wer hat das schon nachgerechnet?

    Erhöhte erlaubte Hinzuverdienste wären in einem ganz anderen Fall viel wichtiger: H4-Empfänger dürfen 100 Euro monatlich hinzuverdienen, - was darüber hinausgeht wird zu 80% abgezwackt! Und diese praktisch unüberwindbare Hürde schafft eine solide Wahlklientel an H4-Empfängern für die Politiker. Schande über die deutschen Politiker! Aber irgendwie auch logisch: schließlich stammt auch diese Regelung von einen Freund Schröders/SPD, der sich seine Nutten von einem größeren Betrieb in Schröders politischer Heimat bezahlen ließ.

  • Was bedeutet dürfen? Frührentner müssen, auf Anweisung der Politiker, dazu verdienen!

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