Rentenreform
Arbeitsagentur warnt vor Kosten der Rente mit 63

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit Zusatzkosten in Milliardenhöhe wegen der Rente mit 63. Doch nicht nur die Beitragszahler, auch die Rentner selbst dürften für das Rentenpaket kräftig zur Kasse gebeten werden.
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BerlinDie Bundesagentur für Arbeit (BA) hat offenbar vor zusätzlichen Kosten in Milliardenhöhe gewarnt, sollte die Rente mit 63 unverändert Gesetz werden. BA-Chef Frank-Jürgen Weise habe dies bei einer Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages deutlich gemacht, berichtete Süddeutsche.de am Freitag. Hintergrund sei, dass Beschäftigte mit dem geplanten Gesetz bereits mit 61 Jahren ihre Arbeit aufgeben könnten, um die zwei folgenden Jahre Arbeitslosengeld I zu beziehen und danach mit 63 in Rente zu gehen. Für die abschlagsfreie Rente mit 63 dürfen Beschäftigte innerhalb von 45 Beitragsjahren maximal zwei Jahre lang Arbeitslosengeld I bezogen haben. Arbeitnehmer ab 58 Jahren haben wiederum nach vier Jahren ununterbrochener Erwerbstätigkeit einen Anspruch auf 24 Monate dieser Lohnersatzleistung.

BA-Chef Weise habe den Mitgliedern des Haushaltsausschusses drei Szenarien vorgerechnet, mit denen sich die Behörde auf das Problem vorbereite, hieß es in dem Bericht. Sollten fünf Prozent derjenigen, die Anspruch auf Rente mit 63 haben, bereits mit 61 ihre Jobs aufgeben, würden die Ausgaben für Arbeitslosengeld I um 190 Millionen Euro steigen. Machten 15 Prozent davon Gebrauch, lägen die Kosten bei etwa einer Milliarde Euro. Bei 25 Prozent wären es sogar 1,7 Milliarden Euro an zusätzliche Ausgaben.

Die Bundesregierung hatte Ende Januar grünes Licht für das Rentenpaket von Arbeitsministerin Andrea Nahles gegeben. Vorgesehen sind ab dem 1. Juli höhere Renten für Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden. Langjährige Arbeitnehmer mit 45 Beitragsjahren sollen mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen können und die Erwerbsminderungsrente wird verbessert. Außerhalb der Koalition stößt vor allem die Finanzierung der Vorhaben aus den Rücklagen der Rentenkasse auf Kritik.

Doch nicht nur die Beitragszahler, auch die Rentner selbst dürften für das Rentenpaket kräftig zur Kasse gebeten werden. Nach Berechnungen der Arbeitgeber werden die Rentensteigerungen bis 2030 insgesamt um rund 55 Milliarden Euro geringer ausfallen als nach geltendem Recht, wie die „Welt“ am Freitag berichtete. Die Rentner würden damit ein Drittel der Gesamtkosten von mehr als 160 Milliarden Euro der geplanten Leistungsverbesserungen für Mütter, langjährig Versicherte und Erwerbsgeminderte tragen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rentenreform: Arbeitsagentur warnt vor Kosten der Rente mit 63"

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  • @avobert: Hervorragender Beitrag. Selbstverständlich ist die Rentenpolitik durchaus planvoll. Das Volk soll nur nicht merken, dass dieses System längst vor die Wand gefahren ist. Die Beitragszahler werden nun um ihre rechtlich zustehende Beitragssenkung betrogen, damit mehr Geld in die Kasse kommt. Dass davon bei den Beitragszahlern auch mal was ankommt, darf bezweifelt werden.
    Ich konnte mich durch den Schritt in die Selbständigkeit aus diesem Betrugssystem glücklicherweise verabschieden. Allerdings war auch ich lange Angestellter und habe insges. 122 TEUR in dieses Betrugssystem eingezahlt. Nach dem aktuellen Stand der Dinge erhalte ich ab 67 monatlich 639,-EUR heraus. Der Break-Even dieser erzwungenen Fehlinvestition liegt ungefähr bei meinem 84. Geburtstag. Vielleicht sollte ich doch mit dem Rauchen aufhören.

  • "Doch nicht nur die Beitragszahler, auch die Rentner selbst dürften für das Rentenpaket kräftig zur Kasse gebeten werden. Nach Berechnungen der Arbeitgeber werden die Rentensteigerungen bis 2030 insgesamt um rund 55 Milliarden Euro geringer ausfallen als nach geltendem Recht, wie die „Welt“ am Freitag berichtete. Die Rentner würden damit ein Drittel der Gesamtkosten von mehr als 160 Milliarden Euro der geplanten Leistungsverbesserungen für Mütter, langjährig Versicherte und Erwerbsgeminderte tragen."

    Wenn dem so ist, dann weist die Rentenformel Fehler auf und muss rechtzeitig modifiziert werden. Die Rentenformel wurde bisher ständig geändert und ist kein Dogma.

  • Das Rentenkonzept der Koalition ist natürlich durchdacht - allerdings nach Regeln, die die Öffentlichkeit besser nicht erfahren sollte: Auf 45 Beitragsjahre kommen nur Menschen, die relativ niedrig qualifizierte Berufe ausüben, sonst hätten sie nicht so viele Beitragsjahre. Viele davon haben ihr Leben lang schwer körperlich gearbeitet.

    Der ganze Sinn der Übung ist, diese Leute aus dem staatlich subventionierten Sozialsystem wegzuloben. So kann man deren Lebensunterhalt aus einem Topf bezahlen, der nicht zum Bundeshaushalt gehört.

    Genau so fängt es doch schon an: Die Rente mit 63 soll von den Beitragszahlen der Rentenversicherung finanziert werden. Deshalb zahlen wir schon dieses Jahr höhere Rentenbeiträge. Um die weiteren Folgen dreht sich dieser Artikel.

    Also nix mit "Gerechtigkeit": Die Mütterrente für Kinder ab 1992 war als Ausgleich für die Absenkung des Rentenniveaus bei jüngeren Rentnerinnen gedacht. Die Ausweitung auf ältere Mütter hat also nichts mit "Gerechtigkeit" zu tun, sondern: siehe oben!

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