Röttgen-Posten
BDI-Chef Thumann auf Tauchstation

Der offene Brief der Ex-BDI-Präsidenten Michael Rogowski und Hans-Olaf Henkel an ihren Nachfolger Jürgen Thumann hat eine pikante Vorgeschichte: Beide haben zunächst im Verborgenen auf Thumann eingewirkt, eine Doppelrolle des designierten BDI-Hauptgeschäftsführers Norbert Röttgen zu vereiteln. Doch Thumann zeigte nur die kalte Schulter. Inzwischen fordert auch Ex-Verfassungsrichter Mahrenholz von Röttgen die Rückgabe des Bundestagsmandats.

HB BERLIN. Rogowski sagte dem Berliner „Tagesspiegel“, er habe Thumann vor einigen Wochen einen Brief geschrieben und ebenso wie Ex-Präsident Hans-Olaf Henkel auch persönlich auf das Problem angesprochen. „Es gab keine Reaktion“, sagte Rogowski. „Jetzt haben wir einen Eklat, aber Henkel und ich meinen, dass die Sache sehr bedeutsam ist.“ Er sei für Gespräche mit Thumann weiterhin offen. „Von mir aus ist das Tischtuch nicht zerschnitten.“

Thumann reagierte auf die Kritik nicht, sondern schickte seinen Sprecher Thomas Hüne vor, der verkündete: „Herr Thumann reagiert nicht auf offene Briefe“, sagte BDI-Sprecher dem Tagesspiegel. Dass die beiden Ex-Präsidenten nun gemeinsam aufträten, sei unerheblich, da sie sich bereits getrennt öffentlich geäußert hätten. „Die Gefechtslage hat sich nicht geändert.“

Inzwischen hat auch der frühere Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Ernst Gottfried Mahrenholz, Röttgen aufgefordert, sein Bundestagsmandat sofort zurückzugeben: "Das Grundgesetz verpflichtet ihn dazu nicht. Aber Herr Röttgen kann nicht mehr glaubhaft nach außen vertreten, dass er unabhängig ist", sagte Mahrenholz dem Handelsblatt. Röttgen solle deshalb nach dem Motto verfahren „Meide allen bösen Schein“. "Man kann nicht zwei Herren dienen", sagte Mahrenholz.

Der frühere Bundesverfassungsrichter warnte Röttgen, das in der Öffentlichkeit schon schwache Bild von Politikern nicht noch weiter zu beschädigen. "Das kann Röttgen nicht vor sich so hinschwelen lassen."

Röttgen, derzeit Abgeordneter und parlamentarischer Geschäftsführer der Union im Bundestag, soll zum Jahreswechsel Hauptgeschäftsführer des BDI werden. Sein Bundestagsmandat will er behalten. Rogowski und Henkel fordern Thumann in einem am Mittwoch veröffentlichten offenen Brief auf, Röttgen zum Verzicht zu bewegen, um „unlösbare Interessenskonflikte“ zu verhindern. Gleichzeitig versichern die beiden früheren Wirtschaftsfunktionäre, sie begrüßten Röttgens Wahl zum BDI-Hauptgeschäftsführer zum 1. Januar 2007.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder nahm Röttgen in Schutz. „Bei der Wahl von Norbert Röttgen zum Hauptgeschäftsführer sind die Bedingungen vom BDI formuliert worden“, sagte der CDU-Politiker. „Man hat Norbert Röttgen zugesagt, dass er sein Mandat bis zum Ende der Legislaturperiode fortführen kann. Deswegen habe ich für die Kritik, die jetzt aus dem BDI kommt, kein Verständnis.“

Röttgen war nach seiner Wahl von der CSU und der Opposition aufgefordert worden, auf sein Bundestagsmandat zu verzichten. Dem entgegnete der CDU-Politiker, er werde bis zum Ablauf der Wahlperiode 2009 Abgeordneter bleiben, weil er sich seinem Wahlkreis verpflichtet fühle. Dies habe Röttgen auch Thumann gesagt, hieß es in BDI-Kreisen.





» Der offene Brief der Ex-BDI-Präsidenten im Wortlaut





Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%