Roland Koch
Auf ganz großer Flamme

Hessens Ministerpräsident Roland Koch musste zuletzt einige Rückschläge verkraften: Auf Bundesebene war der bissige Politiker plötzlich nicht mehr gefragt und in der hessischen Heimat droht ihm Die Linke in die Suppe zu spucken. Doch Koch wäre nicht Koch, würde er nicht zum Gegenangriff übergehen – und serviert dabei alles andere als leichte Kost.

BERLIN. Der Himmel lächelt provinzialisch blau über dem osthessischen Städtchen Schlüchtern. Allein über Roland Kochs Gesicht ziehen düstere Wolken. Eine plüschige Schar junger Freizeit-Demonstranten spielt im Idyll der Fachwerkkulisse Protestgesellschaft. „Koch gib den Löffel ab!“ und „Du kannst gar nicht kochen!“ haben sie in Schwarz und Blau auf Pappe gepinselt. Die unliebsam johlende Wirklichkeit bricht unversehens in die perfekte Inszenierung der Jubelvisite des hessischen Ministerpräsidenten ein. Während die Kids längst schon gelangweilt per Handy Papis „Corsa“ für die Tour zum nächsten Baggersee ordern, eilt der Ministerpräsident Hessens weiter übel gelaunt auf schwarzen Turnschuhen durch die Kulisse. Denn die nächste „mediterrane Nudelpfanne“ will von ihm zum x-ten Mal mit viel Schmackes, Pfeffer und Paprika angerichtet werden. Bevor der Koch aber die Pasta zur Speisung der 100 hungrigen Senioren mischt, kann er es sich nicht verkneifen, die unbotmäßigen Kritiker gönnerhaft zu demütigen. „Wir kochen hier genug. Auch für die Schreier fällt etwas ab.“

Hessens Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Roland Koch ging bis Ende vergangener Woche nur über die Dörfer. Tatsächlich aber will er den Spöttern trotzen, „Merkels Vasall“, so die Häme der Hessen-FDP, habe in der Bundespolitik nichts mehr zu melden. In Wahrheit will er sich im Kampf gegen die in Hessen kandidierende „Linke“ neue bundespolitische Meriten verdienen. Denn die Republik soll erkennen: Die angebliche Zähmung des Widerspenstigen ist misslungen: Roland Koch ist wieder der Drachentöter. Und der Drache heißt Oskar Lafontaine.

Auf seiner „Koch-Tour“ tingelte er eisern durch die Gemarkungen seines Landes zwischen Aua und Zwergen und versprach allen: „Koch kocht!“ Das Versprechen ist neckisches Spiel, bei dem allein der doppelte Boden interessant ist. Denn Koch will nicht nur die Roten von der SPD in seinem Wahlkampf bis zum 27. Januar 2008 einkochen. Er selber kocht insgeheim über.

Seit 1999 regierend und seit 2003 mit absoluter Mehrheit herrschend, bläst dem erfolgsverwöhnten Ausnahmetalent der deutschen Politik der Wind ins Gesicht. Urplötzlich war es im Sommer vorbei in der hessischen Staatskanzlei mit der Gemütlichkeit. Da grollten ihm bundesweit vernehmbar die Demoskopengötter und ließen mit viel Getöse die Umfrage-Blitze ins CDU-Gebälk fahren: absolute Mehrheit futsch und auch mit der FDP keine bürgerliche Mehrheit mehr! CDU: 40 Prozent, FDP: 7 Prozent. Der Rest? Links! Und Koch? Ade! So läppisch der Grund für Kochs schlechte Laune im Osthessischen ist, so stehen auch die johlenden Kids doch für den abermaligen ungeplanten, wenngleich schüchternen Einbruch der störenden Realität in die schöne CDU-Show, die eigentlich „statt der politischen Verbiesterung auch mal Fröhlichkeit“ verbreiten will. So verheißt Koch auf seiner Goodwill-Tour auch in eigener Sache ein neues, fröhliches Gesicht.

Prompt zieht der gewiefte Zahlenjongleur Koch dem Lamento der schlechten Umfragezahlen ein Gesicht und schnell die spitze Replik aus seinem Köcher: „Fragen Sie doch mal Ihre Freunde und Nachbarn. Die wissen noch nicht einmal, dass in einem halben Jahr gewählt wird.“ Was soll also diese Demoskopie unter lauter Ahnungslosen?

Hessens Ministerpräsident hätte den fragwürdigen Alarm der Sommerloch-Demoskopie einfach mit einem lauten „Kaffeesatzkram!“ wegwischen können. Doch mit diesem unwirschen Wort streift schon ein anderer von Umfragen Geplagter durch die Flur, SPD-Chef Kurt Beck. Ihm werden viel üblere Prognosen serviert: 24 Prozent nur sollen für ihn bei der Bundestagswahl abfallen!

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