Royale Hochzeit
Von Mythos und Magie

Millionen Menschen auf der ganzen Welt starren gebannt auf die Bildschirme, wenn die britischen Royals sich Ende April das Ja-Wort geben.Warum eigentlich?
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BerlinAuf Angela Merkel entfallen 14 Millionen Einträge bei Google, auf Kate Middleton mehr als doppelt so viele. Aber das ist Kleingeld im Vergleich zu den Zahlen, die am 29. April dräuen, wenn Kate ihrem William das Ja-Wort gibt. Drei Milliarden werden weltweit an den Bildschirmen zuschauen, glaubt die "Sun". Der "Telegraph" sagt der ohnehin schwer geprüften britischen Wirtschaft fünf Milliarden Pfund Einbußen voraus, weil Britannien in der Vermählungswoche blaumachen werde.

Woher dieser planetarische Rausch? Wozu überhaupt die Windsor-Monarchie im Zeitalter der Demokratie, wo nicht die Herkunft die Zukunft zu bestimmen habe, sondern Können und Leistung? Die beste Antwort gibt Simon Jenkins, Autor der "Short History of England": "Die Franzosen haben ihrem König 1793 den Kopf abgehackt, dann mit 16 Verfassungen zwei Jahrhunderte lang versucht, es besser zu machen." Mit Robespierre und Marschall Pétain. Die Deutschen haben es nach den Hohenzollern mit der Weimarer, der Bonner, Pankower und Berliner Republik probiert. Aber wenn hier ein Staatsoberhaupt sein Kind vermählt, guckt kaum einer hin. 

Warum dann der Milliardenauftrieb für Kate & William? Eine Elisabeth I., die das britische Imperium begründete, oder eine Viktoria, die es zum Höhepunkt seiner Macht führte, wird Kate nicht sein. William muss angesichts der biblischen Lebenserwartung der Windsors noch lange warten, bis die zweite Elisabeth und dann sein Vater Charles ihren Thron im Himmel besteigen. 

Wir schauen aus zwei Gründen hin. Einmal: Je mehr Traditionen und Rituale aus unserem Leben verschwinden - siehe die Jeans in der Oper, das Uni-Diplom in der Post -, desto kostbarer wird das Althergebrachte. Je egalitärer die Gesellschaft, desto stärker faszinieren Prunk und Pomp. 

Allein Westminster Abbey, wo seit dem 11. Jahrhundert alle 38 englischen Monarchen gekrönt worden sind, lässt sich als "Standesamt" nirgendwo auf der Welt duplizieren. Die rot berockte Leibgarde zu Pferde stammt aus dem Jahr 1660. Anderswo, etwa im Kreml, wird nur nachgestellt - und das sieht entsprechend operettenhaft aus.

Zum Zweiten: Das Erbprinzip ist das genaue Gegenteil der Auswahl nach Leistung oder Kuhhandel. Der Historiker Vernon Bogdanor schreibt in "Monarchy and the Constitution": Die Erbnachfolge "beantwortet jenseits aller Streitereien die kritische Frage, wer denn das Staatsoberhaupt sein solle; diese Position wird dem politischen Machtkampf entzogen". Keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, wie Horst Köhler ins Bellevue gehoben wurde - oder jeder Bundespräsident vor ihm. 

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