Rücktrittsforderungen
Wulff bekommt erstmals Gegenwind aus der Wirtschaft

Das ewige Hin und Her in der Wulff-Affäre sorgt nicht nur in der Politik für Unmut. Inzwischen reagieren auch Wirtschaftsvertreter erbost. Zwei Verbände in Niedersachsen machen nun Front gegen den Bundespräsidenten.
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BerlinWirtschaftsvertreter aus Niedersachsen haben den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff gefordert. Der Bundespräsident habe seine Glaubwürdigkeit eingebüßt, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Jürgen Abraham, am Freitag dem NDR.

„Ihm fehlt die Autorität, ihm fehlt jetzt das, was moralische Instanz darstellt, das ist seine Kraft, eine moralische Instanz zu sein, ein Notar des deutschen Volkes zu sein und das kann er nicht mehr sein“, fügte der Unternehmer aus Seevetal (Kreis Harburg) hinzu.

Auch andere Wirtschaftsvertreter aus Wulffs Heimatbundesland äußerten sich ähnlich. „Für mich ist Christian Wulff als Bundespräsident nicht mehr tragbar, er hat seine Glaubwürdigkeit verwirkt“, sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Nordost-Niedersachsen, Heiko Westermann, im NDR.

Zuvor hatte sich Wulff nach scharfer Kritik von vielen Seiten dem Druck gebeugt und erklärt, dass er nun doch zusätzliche Informationen in seiner Kreditaffäre veröffentlichen wolle. In der kommenden Woche werden seine Anwälte weitere Journalistenanfragen und die Antworten darauf publik machen. Neue Vorwürfe wegen eines Urlaubsflugs wiesen Wulffs Anwälte zurück. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte noch einmal ihre Unterstützung.

Gernot Lehr, der Anwalt des Bundespräsidenten, teilte am Freitag mit, Wulff habe den Auftrag zur Veröffentlichung weiterer Anfragen zu Einzelheiten der Affäre erteilt. Damit solle die als zu knapp kritisierte sechsseitige Stellungnahme ergänzt werden, die nach dem Fernsehinterview Wulffs am 4. Januar erfolgte. Voraussetzung sei, dass die Medien die Veröffentlichung freigegeben haben und keine Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Die Publikation werde „in der kommenden Woche schnellstmöglich erfolgen“, betonte Lehr.

Wulff steht wegen eines Privatkredits für sein Eigenheim, kostenloser Urlaube bei Freunden aus der Wirtschaft und seines Umgangs mit den Medien seit einem Monat in der Kritik. Zuletzt konzentrierten sich die Vorwürfe darauf, dass Wulff Anfang Januar in seinem Fernsehinterview Transparenz angekündigt und gesagt hatte: „Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger jedes Detail zu diesen Abläufen sehen und bewertet sehen, auch rechtlich.“

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  • Danke Handelsblatt! Endlich mal wieder eine objektive und gute Berichterstattung über das Thema Wulff. Spiegel Online und die Bild Zeitung kann man dieser Tage ja kaum noch lesen so selektiv und verzerrt wie die ihre Berichterstattung darlegen, das ist schon erbärmlich. Daher bin ich froh hier einen objektiven und informativen Bericht zu finden, vielen Dank!

  • Mediengerichtshof oder investigativer Journalismus?

    ... und wieder wird ein Scheibchen eines vermeintlich skandalösen Verhaltens von
    rückhaltlos aufklärender Journalisten diverser Medienhäuser, in einer beispiellosen
    konzertierten Aktion, in Umlauf gebracht. Zielgerichtet und durchschaubar, um
    Volkes Stimmung weiter zu bedienen. Dabei handelt es sich gewiss nicht um eine neue
    "Watergate-Affäre", sondern lediglich um einen "Sturm im Wasserglas".
    Verkehrte Welt oder armselige Journaille?

  • "Sagt Mutter, `s ist Uwe!"
    ... sollten meine Parteifreunde aus Mangel an Stehvermögen Gefallen daran finden, den König zu köpfen oder die Fahne zu wechseln,
    weil es gerade Opportun erscheint, dann will ich nicht länger euer Weggefährte sein. An diese Stelle wäre das politische Fundament
    meiner wertkonservativen Geisteshaltung in den Grundfesten erschüttert. "Sagt Mutter, `s ist Uwe!" (Nis Randers - von Otto Ernst, 1862- 1926)

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