Rüttgers & Co
Retter-Syndrom erfasst Opel-Länder

Um ihre Opel-Werke zu retten, gebärden sich die vier Ministerpräsidenten der Opel-Länder als Helfer des bedrohten Autobauers. Einer von ihnen hat mehr zu verlieren als nur eine Fabrik: Jürgen Rüttgers. Für den Ministerpräsidenten von NRW geht es im Opel-Poker um seine Wiederwahl im Mai 2010.

RÜSSELSHEIM/BERLIN/BOCHUM. Unten vor dem Bürofenster verwandelt sich das Nachtschwarz über Werkstor 1 in Grau. Vor einer halben Stunde ist Rainer Einenkel mit seinem silbernen Insignia aufs Gelände gefahren. Es ist kurz vor acht, eine der wenigen ruhigen Minuten seit Dienstagabend, sein Handy schweigt. Er hat die Nachrichten des Morgens durchkämmt. Er will wissen, wie es weitergeht. – Ob.

„So“, sagt Einenkel, faltet die Hände und lässt sie auf einen grauen Besprechungstisch in einem grauen Büro sinken. Der hohe Gast kann kommen. Der CDU-Politiker. Der Retterdarsteller. Sie sind nun Verbündete, die IG Metall und die CDU, sie wollen Opel retten. Noch mal. Endlich. Rainer Einenkel, der Betriebsratschef im Werk Bochum, und Jürgen Rüttgers, der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, der Arbeiterpräsident der CDU.

Am Mittag, kurz nach halb zwei, steigt Jürgen Rüttgers an Tor 1 aus seiner Limousine. Er hat eine halbe Stunde Verspätung. Um 14 Uhr wird er vor Opel-Mitarbeitern sprechen.

Es ist der Tag des Protests. In Bochum, Rüsselsheim, Eisenach, Kaiserslautern, den vier Opel-Werken.

Ein paar Stunden zuvor ist Roland Koch in Rüsselsheim aufgetreten. Seine Kulisse ist die Backsteinfassade des Opel-Hauptportals. Firmengründer Adam Opel blickt von seinem Podest herab auf eine wütende Menge aus 10 000 Opelanern.

Koch lässt seine Stimme röhren: „Wir wollen, dass Opel weiter existiert“, ruft er. „Wir werden neu ringen müssen mit dem Ziel, die Arbeitsplätze zu erhalten.“ Hessens Ministerpräsident ist da, er hält den Opelanern die Hand. Versprechen macht er keine. Koch, der politische Anspitzer, mahnt, die Messer wegzustecken: „Wir können uns nicht davon einholen lassen, dass wir sauer sind.“

Soll heißen: Der Kampf um Opel, er geht wieder von vorne los.

In Eisenach sagt Christine Lieberknecht etwas Ähnliches und in Kaiserslautern Kurt Beck. Vier Ministerpräsidenten, eine Retterpose. Sie haben einen Pakt: Nur ein Konzept, das alle Standorte erhält, tragen sie mit.

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