Schäuble im Gespräch
„Für Europa gibt es keinen bequemen Weg“

Im Handelsblatt-Interview erklärt Bundesfinanzminister Schäuble, warum Sparen und Wachstum kein Widerspruch ist und wo es bei der Euro-Rettung hapert. An der Kandidatur für den Chefposten der Euro-Gruppe hält er fest.
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BerlinHerr Minister Schäuble, angeblich werden in der Druckerei De La Rue in den Niederlanden bereits griechische Drachmen gedruckt, um den Austritt Athens aus der Euro-Zone vorzubereiten. Der Börsenkurs dieses Druck-Unternehmens steigt seit Tagen. Können Sie diese Meldungen bestätigen?
Ihre Angeblichkeiten sind Unsinn. Ich habe nicht die geringste Absicht...

...eine Mauer zu bauen?

... mich auf derartige Spekulationen einzulassen.

Sie halten ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro-Verbund demnach nicht für ein realistisches Szenario, das wir womöglich in den nächsten Monaten erleben könnten?

Griechenland muss selbst entscheiden. Ich halte jedenfalls nichts davon, dass in einer schwierigen Lage an den Finanzmärkten und in Griechenland selbst neue Spekulationen in die Welt getragen werden. Außerdem sind die großen Weltuntergangsszenarien noch nie bestätigt worden.

Es gibt inzwischen zwei Arten von Prognosen, die nicht eingetreten sind. Die eine ist das von Ihnen zitierte Weltuntergangsszenario - und das andere ist Ihre Prognose, dass der Rettungsschirm EFSF den deutschen Steuerzahler nie mehr als 210 Milliarden Euro kosten wird.

Wieso? Der EFSF ist nie aufgestockt worden. Wir haben immer gesagt, dass der EFSF 440 Milliarden Euro Ausleihvolumen enthält, für die wir Garantien von 210 Euro Milliarden bereitstellen. Wir waren uns aber immer einig, dass dieser kurzfristige Rettungsschirm möglichst schnell durch eine dauerhafte Finanzinstitution ersetzt werden muss. Sie erinnern sich vielleicht, dass der deutsche Finanzminister schon frühzeitig gesagt hat, wir brauchen so etwas wie einen europäischen Währungsfonds. Damals haben alle erschreckt reagiert. Der ESM kommt dem nun sehr nahe.

Mit dem neu geschaffenen permanenten Rettungsschirm und den weiterlaufenden EFSF-Hilfen hat sich die Gesamthaftungssumme für den deutschen Steuerzahler nochmals deutlich erhöht - auf nunmehr 280 Milliarden Euro.

Wie eben gesagt: EFSF und ESM sind getrennte Veranstaltungen.

Warum tun Sie sich so schwer, der deutschen Öffentlichkeit zu sagen, dass die Gesamtsumme der Euro-Rettungspolitik immer höher geworden ist?

Diese Aussage wird auch nicht richtiger, wenn manche Medien immer wieder versuchen, diesen Eindruck zu erwecken.

Kommentare zu " Schäuble im Gespräch: „Für Europa gibt es keinen bequemen Weg“"

Alle Kommentare

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  • Ich kann das Gelalle von "Europa" nicht ertragen. Ich bin dafür, daß jeder, der (nach mir!) "Europa" sagt, fünfzig Peitschenhiebe auf die Fußsohlen bekommt und mit einem unbezahlten Praktikum in den CDUCSUSPDGRÜNLINKEFDP-Pöbelparteizentralen betraft wird.

  • 'abcdefg' sagt
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    Die Politik muss sich daher klar werden, ob sie eine politische Union will, oder nicht und sie muss vor allem beurteilen können, ob ihre Bürger das mittragen wollen, oder nicht. Ohne politische Union keine Zukunft des Euro.
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    Unsinn.

    Solange Währungen an den Goldstandard gebunden waren gab es jahrhundertelang eine internationale Währung. Dukaten, Florentiner etc. waren lediglich Denominationen des gleichen Wertträgers, so wie Euros und Cents.

    Funktioniert hat das auch ohne Weltregierung.

    Natürlich gab es da Blasen, Krisen und Staatsspleiten.

    Wie auch in Staaten mit ihrer eigenen Papierwährung - Großbritannien und Argentinien seien als Beispiel aus jüngerer Zeit erwähnt.

    ++++

    'abcdefg' sagt
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    Die Krise könnte längst beendet sein, wenn nicht zweitklassige und oft wenig integre Strategen statt echter Könner am Werk wären
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    Sollten Sie bei den "echten Könnern" an sich selbst denken? ;)

  • 'abcdefg' sagt
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    Es ist im Prinzip ganz einfach.
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    Das wünschen Sie sich vielleicht. Aber einfach genug für Sie ist es leider nicht.

    ++++

    'abcdefg' sagt
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    Die Krise wird so lange anhalten, wie der schon oft beschriebene Geburtsfehler des Euro besteht.
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    Welche "Krise" ?

    Portugal und Irland sind auf dem Weg der Besserung.

    Griechenland wird demnächst operativ entfernt.

    Italien und Spanien haben die Zinssätze die sie verdienen.

    Die müssen ihre Haushalte sanieren und Volkswirtschaften reformieren, wenn sie niedrigere haben wollen.

    Und was sollen diese "Geburtsfehler des Euro" sein?

    ++++

    'abcdefg' sagt
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    In einem Portfolio von 15 Euroländern werden niemals alle Staaten gleichzeitig die Konvergenzkriterien erfüllen.
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    Erstens sind es 17 und nicht 15. Und zweitens fehlt in jeder Schulklasse immer irgendeiner wegen Krankheit.

    Ohne daß daurch das Auseinanderbrechen des Klassenraums eingeläutet würde.

    ++++

    'abcdefg' sagt
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    Der Stabilitätspakt wirkt zukünftig krisenverschärfend, da ihn auch starke Länder wohl nur mit Problemen einhalten werden können udn die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit der gewählten Grenzen zu hinterfragen ist.
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    "Probleme" bei der Einhaltung der Schuldengrenzen gibt es nicht. Was es gibt sind Schmerzen, so wie bei einem Kater nach heftigem Alkoholgenuß.

    Was bei disziplinlosen Kandidaten zum Griff nach der Flasche führen kann.

    Oder, wenn Sie sich keinen Schnaps mehr leisten können, zu Betteltouren a la Samaras, Monti und Rajoy.

    Und die Schuldengrenzen haben sicher eine höhere "wirtschaftliche Sinnhaftigkeit" als grenzenlose Verschuldung.

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