Schmiergeldsystem
Pfahls, Schreiber und die "dämlichen" Tarnkonten

Ex-Staatssekretär Holger Pfahls hat im Prozess gegen den Politikersohn Max Strauß die Ermittlungen der Augsburger Staatsanwalt über das Schmiergeldsystem des Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber weitgehend bestätigt. Der Lobbyist habe zahlreiche Personen mit Schwarzgeld versorgt, sich bei der Namenswahl von Tarnkonten allerdings „dämlich“ vorgegangen.

HB AUGSBURG. Schreiber persönlich habe ihm gegenüber eingeräumt, eine ganze Reihe von Persönlichkeiten auf geheimen Lohnlisten geführt zu haben, bekräftigte der ehemalige Verteidigungsstaatssekretär Pfahls am Mittwoch als Zeuge vor dem Augsburger Landgericht sein früheres Geständnis. „Du würdest dich wundern, für wen ich alles etwas halte“, habe Schreiber einmal zu ihm gesagt.

Er selbst habe von dem Lobbyisten 3,8 Millionen Mark zugedacht bekommen und davon 873 000 in bar erhalten. „Ich wusste, dass das Geld für mich bei ihm auf einem Konto in der Schweiz lag“, sagte Pfahls. Schreiber habe ihm erklärt: „Du bist nur ein kleiner Fisch“, bestätigte der ehemalige CSU-Politiker eine frühere Aussage: „Ich wusste nicht, ob sich das auf meine Funktion bezog oder auf den Geldbetrag.“

Pfahls gilt im Strauß-Prozess als Kronzeuge der Staatsanwaltschaft. Sie wirft Max Strauß vor, von Schreiber über dessen Tarnkonto „Maxwell“ etwa 2,7 Millionen Euro an Provisionen erhalten und nicht versteuert zu haben. Pfahls bestätigte, dass Schreiber bei der Namenswahl seiner Tarnkonten sehr simpel vorgegangen sei. Den Namen des für ihn angelegten Tarnkontos „Holgart“ habe er jedoch erst 1997 aus den Ermittlungsakten erfahren: „Dieser Name hat mich fast zur Verzweiflung getrieben, weil er so dämlich gewählt war, dass mir das Konto einfach zuzurechnen war.“

Der Ex-Staatssekretär nannte es erneut eine schweren Fehler, das Geld von Schreiber angenommen zu haben, nachdem es ihm der Lobbyist mehrfach aufgedrängt habe. Pfahls erklärte, er habe den nach Kanada geflüchteten Geschäftsmann damals als einen angenehmen Menschen erlebt, in dessen Gegenwart man sich wohl gefühlt habe. „Er war ein Landsknechttyp“, sagte Pfahls. „Er spürt wie andere Menschen denken und fühlen.“ Andererseits bekämpfe Schreiber Widersacher, die er hasse, bis zur Selbstvernichtung.

Pfahls betonte, dass er für Schreibers Geld nichts getan habe, was nicht ohnehin seine Aufgabe als Rüstungsstaatssekretär gewesen wäre. Schreiber habe sich jedoch - etwa beim umstrittenen Export von 36 Fuchs-Panzern nach Saudi-Arabien Anfang der neunziger Jahre - vermutlich „doppelt und dreifach“ absichern wollen, dass es im Ministerium nicht zu Verzögerungen bei Rüstungsgeschäften komme.

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