Schröders Reaktion auf „Pegida“
Altkanzler fordert „Aufstand der Anständigen“

Ignorieren oder attackieren? Die Politik rätselt über den richtigen Umgang mit dem Anti-Islam-Bündnis „Pegida“. Während die einen den Dialog mit den Mitläufern suchen wollen, fordern andere endlich eine klare Kante.
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BerlinSie wollen wieder auf die Straße gehen, auch an diesem Montag, ab 18.30 Uhr. In Dresden versammelt sich das Anti-Isalm-Bündnis, das sich den Namen „Pegida“, Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, gegeben hat. Die Veranstalter laden zu einem „gemeinsamen Weihnachtsliedersingen“ vor der Semperoper ein. Die „Pegida“-Gegner schließen sich dem „Bündnis Nazifrei“ an. Landesbischof Jochen Bohl lädt zu einem Friedensgebet in die Kreuzkirche.

Ignorieren oder attackieren? Politiker rätseln über den richtigen Umgang mit „Pegida“. Während die einen den Dialog suchen wollen mit den gemäßigten, frustrierten Mitläufern, fordern andere eine klare Kante. So ruft SPD-Altkanzler Gerhard Schröder in der Auseinandersetzung mit der anti-islamischen „Pegida“-Bewegung zu einem „Aufstand der Anständigen“ auf. Unter diesem Schlagwort hatte der damalige Kanzler nach einem Brandanschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge im Jahr 2000 zum Protest gegen Rechts aufgerufen.

„In Berlin haben damals 200.000 Menschen gegen Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus protestiert, und selbstverständlich sind Bundespräsident und Bundeskanzler vorneweg marschiert. So eine öffentliche Reaktion brauchen wir auch jetzt“, sagte Schröder nun im Gespräch mit dem Magazin „Couragiert“. Es sei großartig, dass so viele Menschen in Dresden und anderswo „gegen diesen kruden Haufen, der sich „Pegida“ nennt, auf die Straße gehen“. Aber diese Bürger bräuchten mehr Unterstützung.

Auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat Forderungen nach einem Dialog mit dem nichtextremistischen Teil der „Pegida“-Demonstranten zurückgewiesen. Er halte nichts von „so einer weinerlichen Haltung im Umgang mit „Pegida““, sagte er im RBB-Sender Radio eins. „Klartext ist angesagt und nicht dieses Gesülze, was ich da zum Teil höre von manchen Kollegen von mir.“ Er verstehe, wenn jemand seine Sorgen zum Ausdruck bringen wolle. „Aber man hat schon auch die Aufgabe zu schauen, welche Parolen neben einem gerufen werden und was auf den Plakaten steht, neben denen man läuft“, sagte Özdemir.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hält Gespräche mit den Anführern der islamkritischen „Pegida“-Bewegung ebenfalls für unsinnig. „Mit Rassisten in Nadelstreifen haben wir nicht zu reden“, sagte Ramelow am Montag beim Besuch eines Flüchtlingsheims in Suhl. Allerdings sei es richtig, das Gespräch mit den Teilnehmern zu suchen, die befürchteten, dass Flüchtlinge ihnen Arbeitsplätze wegnehmen könnten. Ihnen müsse man erklären, dass solche Ängste unbegründet seien, sagte Ramelow. „Und die Sorgen der Flüchtlinge muss man genauso ernst nehmen.“

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  • Herr Schröder und anständig? Mit einer der größten Lügen. Er hat vorsätzlich die Kinderarbeit per Gesetz in Deutschland aus Kinderhass eingeführt! Er hat absichtlich die Armut in Deutschland gefördert und gewollt! Dies ist anständig? Vielleicht nur für die SPD!! Für mich menschenverachtend.

  • Wo konkret?

  • Die Zauderin Merkel und der Schönredner Gauck sind gefordert, diesen "Abendlandverteidigern" eine argumentativ klare Antwort zu geben. Dem von Gazprom korumpierten und Maschmeyer-Freund Schröder fehlt die charakterliche Kompetenz dafür.

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