Schulden- und Bankenkrise
Ackermann im Kreuzfeuer der Politik

Banken in der Krise - und wieder begleichen Steuerzahler die Zeche? Der Widerstand dagegen eint Politiker unterschiedlicher Fraktionen. Im Kreuzfeuer ihrer Kritik steht vor allem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.
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BerlinAngesichts einer neuen Bankenkrise werden die Rufe nach einer grundlegenden Neuordnung der Branche lauter. SPD-Chef Sigmar Gabriel spricht sich für eine Trennung von Investmentbanking und Geschäftsbanken aus. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir fordert eine Schuldenbremse für Banken und eine Verkleinerung der Institute.

Die Banken müssten wieder „zu Dienern der Realwirtschaft“ werden, sagte Gabriel dem Nachrichten-Magazin „Spiegel“. „Jeder Mittelständler, der einen Kredit braucht, wird morgen in Schwierigkeiten kommen, wenn eine Bank pleitezugehen droht, weil sie sich im Investmentbanking verzockt hat.“

Gabriel weiter: „Ich möchte, dass beim Geschäftsfeld des Investmentbankings ein ganz großes Schild an der Tür steht mit der Aufschrift „Hier endet die Staatshaftung“. Er habe überhaupt nichts dagegen, dass Leute mit ihrem Geld spekulierten. „Aber wenn die Zockerei schiefgeht, sollten die Spekulanten mit ihrem Geld dafür haften und nicht unschuldige Dritte“, sagte Gabriel. „Was wir derzeit haben, ist ein Verlustsozialismus. Was schiefgeht, trägt die Allgemeinheit, und was gutgeht, wird privatisiert.“

Für grundlegende Änderungen im Bankensystem tritt auch Özdemir ein. „Der Finanzmarkt muss schlichtweg unaufgeregter werden, und dazu gehört, dass Banken nicht mehr ,too big too fail' sein dürfen“, sagte er der „Rheinischen Post“. Die systemrelevanten Banken hätten Anreize, noch mehr Risiken einzugehen, da im Notfall der Staat mit Steuergeld einspringe. „Diese Logik muss durchbrochen werden. Das heißt, je größer eine Bank, desto höher muss auch das Eigenkapital sein, damit mögliche Verluste von der Bank selbst aufgefangen werden können. Wir brauchen eine Schuldenbremse für Banken.“

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Deutsche Banken wehren sich heftig

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  • @ petra: „Gleiches Beispiel USA. Dort wurden die Banken per Gesetz (!) angewiesen, auch "kleinen Leuten" Darlehen für Häuser zu geben. Was konnten die Banken dafür, wenn diese Menschen das Geld nicht zurückzahlen konnten? Sie waren zur Kreditvergabe verpflichtet!"

    Es ist schon lustig zu erleben, welche Lügen und Halbwahrheiten hier durchs Forum geistern. Hier zu Petras Märchenstunde:

    Bekanntlich ist die Deutsche Bank freiwillig in die USA gegangen, um sich freiwillig als ausländische Bank per Gesetz (!) anweisen zu lassen, jahrelang unfreiwillig von dem lukrativen Kreditvergabe-Geschäft zu profitieren. Tut einem richtig leid, was Ackermann so alles freiwillig mitmachen musste. Er hat endlich seinen Ruhestand verdient, der arme Kerl! Hahaha!

  • Könnten Sie bitte mal den Beleg für die These vom "Zwang zum Ankauf von Staatsanleihen" erbringen? Merci im voraus.

  • Also ich verstehe nicht, wie jemand jetzt so tun kann, als ob die Banken nichts damit zu tun haben. Dass sie nicht alleine schuld sind, OK, aber sie sind ein wesentlicher Spieler in diesem Debakel.
    Rhetorisch gesehen ist die Rede von Ackermann nicht schlecht. Er macht ein Yesset am Anfang, das heisst, er greift den Draht und die Sorgen der Normalos auf, wo ihm jeder zustimmt und dann strickt er seine eigenen Interessen im zweiten Teil dran. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zuhörer bei dem zweiten Teil dann auch ja sagen, wird dadurch erhöht. Somit sollte man es als das sehen, was es ist. Nur ein weiterer Manipulationsversuch zur Durchsetzung eigener Interessen mit erprobten rhetorischen Mitteln.

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