Schwache Nachkriegsjahrgänge
Rentenversicherung ist überraschend robust

Die Rentenversicherung rechnet trotz Wirtschaftskrise in diesem Jahr noch mit einen ausgeglichenen Finanzergebnis. Grund ist nicht allein die überraschend robuste Entwicklung bei den Beitragseinnahmen, sondern auch die sinkende Zahl der Neurentner.

BERLIN. Die Rentenversicherung rechnet trotz Wirtschaftskrise in diesem Jahr noch mit einen ausgeglichenen Finanzergebnis. Grund ist nicht allein die überraschend robuste Entwicklung bei den Beitragseinnahmen; so wuchsen die Pflichtbeiträge auf das Arbeitseinkommen bis Juli im Vergleich zum Vorjahr mit rund einem Prozent fünfmal so stark wie von der Bundesregierung noch im Frühjahr erwartet.

Auch bei den Ausgaben zeichnet sich Entlastung ab: Weil derzeit vor allem die geburtenschwachen Nachkriegsjahrgänge in Rente gehen und zudem immer mehr Versicherte den Rentenbeginn hinauszögern, um Abschläge zu vermeiden, sinkt die Zahl der Neurenten. Während im Jahr 2000 noch fast 1,5 Millionen Rentenanträge bei der Rentenversicherung eingingen, waren es im vergangenen Jahr nur 1,25 Millionen. Dieser Trend wird sich nach Einschätzung der Rentenversicherung auch zunächst fortsetzen. Sie erwartet deshalb, dass die Rentenausgaben in diesem Jahr um rund eine halbe Milliarde unter den bisherigen Schätzungen bleiben werden. Dadurch können die Mindereinnahmen, die die Rentenversicherung im weiteren Jahresverlauf erwartet, voll ausgeglichen werden.

Diese kleine Pause bei der demografischen Entwicklung wird allerdings nicht von Dauer sein. Spätestens wenn ab etwa 2020 die sogenannten „Baby-Boomer“ in Rente gehen, werden die Rentenausgaben stark in die Höhe schießen. Zudem hat der Rentnerknick wegen der weiter steigenden Lebenserwartung bislang nicht dazu geführt, dass auch die Zahl der Rentner sinkt. Sie steigt allerdings seit 2005 mit einem Plus von rund 100 000 pro Jahr deutlich langsamer als noch zu Anfang des Jahrtausends. Während die Zahl der Rentner zwischen 2000 und 2004 noch um vier Prozent zunahm, wuchs sie seither nur um 1,5 Prozent.

Entwarnung für die Rentenfinanzen bedeutet dies freilich nicht. Zwar geht die Rentenversicherung davon aus, dass sie in diesem Jahr trotz rückläufiger Einnahmen im zweiten Halbjahr ihre Reserven noch nicht angreifen muss. Mit 16,2 Mrd. Euro oder 0,98 Monatsausgaben sollen sie sogar um rund 100 000 Euro höher ausfallen als noch im Frühjahr erwartet.

Doch 2010 muss die Rentenversicherung die im Konjunkturabschwung aufgebauten Rücklagen wegen des erwarteten Anstiegs der Arbeitslosenzahlen auf bis zu 4,6 Millionen erstmals angreifen. Dieser Negativtrend wird sich nach der mittelfristigen Planung der Rentenversicherung auch 2011 fortsetzen, sofern die Arbeitslosigkeit wie bislang von der Bundesregierung erwartet nur langsam zurückgeht. Die Rücklagen könnten daher bis Ende 2001 auf 11,2 Mrd. oder 0,66 Monatsausgaben sinken. Erst nach 2011 erwartet die Rentenversicherung wieder Überschüsse und einen langsamen Aufbau der Rücklage auf 15,4 Mrd. Euro oder 0,89 Monatsausgaben im Jahr 2013.

Damit ist die noch im Rentenbericht der Bundesregierung im vergangenen Herbst geäußerte Erwartung, der Rentenbeitrag könne 2012 vorübergehend von 19,9 auf 19,2 Prozent gesenkt werden, Makulatur. Eine Senkung der Beitragslast ist laut Gesetz nämlich erst dann möglich, wenn die Rücklagen der Rentenkasse 1,5 Monatsausgaben betragen.

Bei der Rentenversicherung ist man aber trotzdem erleichtert, dass die Rentenversicherung aller Voraussicht nach ohne größere Dellen über die Wirtschaftskrise kommen wird. „Es zeigt sich, dass es keinen Grund zur Panik gibt,“ heißt es in einer Vorlage des Chefs der Rentenversicherung, Herbert Rische, für die jüngste Vorstandssitzung der Rentenversicherung, die dem Handelsblatt vorliegt. Insbesondere werde sich die nächste Bundesregierung im Herbst 2009 keine Sorgen über steigende Rentenbeiträge machen müssen. „Das beruhigt, weil wir sonst neue Kürzungsdebatten gehabt hätten.“

Bei der Arbeitslosenversicherung und dem Gesundheitsfonds sieht die Lage freilich weit weniger rosig aus. Dort drohen infolge der Wirtschaftskrise Defizite in insgesamt zweistelliger Milliardenhöhe.

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