Schwarzgeldkonten
Vom Volkssport zum Problem

Während früher das Schwarzgeldkonto in Österreich oder Luxemburg in manchem Golf-Club fast als Grundvoraussetzung für die Mitgliedschaft galt, ist es in letzter Zeit merklich still um das Thema geworden. Doch ist Steuerhinterziehung nach den ganzen Hiobsbotschaften der letzten Zeit wirklich out? Jein. Geändert hat sich auf jeden Fall das Verhältnis zwischen Chancen und Risiko.

DÜSSELDORF. Spätestens seit dem Ende der Steueramnestie im März 2005 plagt so manchen Steuersünder der Zweifel, ob er nicht besonders schlau, sondern vielleicht besonders dumm war, der preiswerten Einladung Hans Eichels zurück in die Legalität nicht gefolgt zu sein. Denn seitdem reißen die Hiobsbotschaften für Steuersünder nicht ab: Daten-CDs aus Liechtenstein aufgetaucht, BGH verlangt Haftstrafen bei schwerer Steuerhinterziehung, Schweizer Großbank liefert Kunden an die US-Finanzbehörde aus, Bundesregierung plant "Gesetz zur Bekämpfung schädlicher Steuerpraktiken und der Steuerhinterziehung". Und nun will auch die OECD - wieder mal - Steueroasen austrocknen.

Doch ist Steuerhinterziehung wirklich out? Jein. Geändert hat sich auf jeden Fall das Verhältnis zwischen Chancen und Risiko. Während Kapitalerträge vor zwei Jahrzehnten in Deutschland noch mit 56 Prozent besteuert wurden, sind heute nur noch 25 Prozent Steuer fällig - das macht das Hinterziehen weniger attraktiv. Zugleich ist das Risiko aufzufliegen in den vergangenen Jahren zweifelsfrei gestiegen. Wie groß es ist, hängt von einer Reihe von Faktoren ab:

Geldtransfer: Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung werden die internationalen Finanzströme mittlerweile gründlich überwacht. Jede Überweisung hinterlässt Spuren, die letztlich auch beim Finanzamt landen können. Außerdem gibt es Bargeldkontrollen, die der Zoll in der Nähe der einschlägigen Grenzübergänge durchführen kann. Wer mehr als 10 000 Euro bei sich hat und Herkunft und Verwendungszweck des Geldes nicht glaubhaft darlegen kann, muss mit einer Kontrollmitteilung rechnen. Ganz gleich wie groß die Stichproben auch sind, ein Großteil der Reisenden bleibt unbehelligt - besonders zur Urlaubszeit.

Belege: Wer ordentlich den gesamten Schriftverkehr abheftet, kann leicht in Erklärungsnot geraten, falls doch mal die Steuerfahndung vor der Tür steht. Wer aber alles leugnet und bei wem die Fahnder nichts finden, an dem beißt sich der Fiskus die Zähne aus - selbst wenn der eigene Name auf einer Daten-CD auftaucht.

Faktor Zeit: Wer heute Geld in eine Fluchtburg verschiebt, der sollte wissen, dass der Fiskus zehn Jahre lang sein Geld einfordern kann - zuzüglich Strafen und Zinsen. Zu einer Risikobewertung gehört daher auch eine Einschätzung darüber, wie lange eine Steueroase noch sicher ist.

Enttäuschte (Geschäfts-)Partner: Sie stellen wohl das größte Risiko dar. Anonyme Hinweise sind nicht selten eine wichtige Quelle, heißt es in der Finanzverwaltung.

Und was kann ein reuiger Sünder tun, der sein Geld bereits im Ausland hat und dem die Lage nun zu brenzlig wird? Die saubere Variante ist die Selbstanzeige. Dann geht man zwar straffrei aus, doch dank Zinsen und Säumniszuschlägen bleibt von dem Schwarzgeld meist kaum noch etwas übrig. Die billige Variante funktioniert mit einer Kapitallebensversicherung. Sobald das Geld dort eingezahlt ist, gilt es als sauber. Und da die Verträge meist mindestens zwölf Jahre laufen, in denen keine Erträge fließen und damit nichts passiert, was den Fiskus interessiert, ist man am Ende der Laufzeit alle Sorgen los - wenn nichts schiefgeht.

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