Schweinegrippe
Streit um „Luxus-Impfstoff“ erfasst Schäuble

Die Kritik an den geplanten Politiker-Impfungen gegen die Schweinegrippe mit einem besonderen Wirkstoff reißt nicht ab. Der Sozialverband kritisierte, zweierlei Impfstoffe für Regierung und Bevölkerung zeuge von wenig Fingerspitzengefühl. Dabei ist längst noch nicht klar, wer wirklich Gebrauch macht von der Grippe-Impfung.
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HB MÜNCHEN/BERLIN. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will die Kritik an der unterschiedlichen Versorgung von Regierung und Bevölkerung mit Schweinegrippeimpfstoffen nicht gelten lassen. Aus welchen Gründen der eine Impfstoff so und der andere so bestellt worden sei, entziehe sich seiner Kenntnis, sagte Schäuble am Montag im Bayerischen Rundfunk. „Aber die Darstellung, dass hier eine Privilegierung von politischen Verantwortungsträgern vorgesehen sei, das ist nun wirklich jenseits jeder Realität. Ich weiß gar nicht, ob ich mich jemals impfen lassen werde.“

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Wolfgang Bosbach, stellte für seine Person klar, dass er sich nicht gegen Schweinegrippe impfen lassen werde. Er habe überhaupt kein Verständnis für die Diskussionen über bessere oder schlechtere Impfstoffe, sagte der CDU-Politiker im Fernsehsender n-tv. „Ich lasse mich nicht impfen, dann muss ich auch nicht die Frage beantworten, ob ich als Bundestagsabgeordneter einen Luxus-Impfstoff bekommen habe“, sagte er. Sichtlich verärgert über die neuerliche Debatte, fuhr er fort: „Es ist immer noch die Freiheit des einzelnen, sich impfen zu lassen.“ Er habe sich allerdings gegen die normale Grippe immunisieren lassen.

Mitglieder der Bundesregierung und der Bundesbehörden sowie Bundeswehrsoldaten sollen mit einem anderen Impfstoff gegen die Schweinegrippe geschützt werden als der Großteil der Bevölkerung. Das Innenministerium hatte dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ bestätigt, dass für die Regierung und nachgeordnete Bundesbehörden 200 000 Dosen eines Impfstoffs ohne sogenannte Wirkverstärker vom US-Hersteller Baxter International bestellt wurden. Dieser Impfstoff hat Experten zufolge weniger Nebenwirkungen, laut „Spiegel“ ist er allerdings weniger erprobt als das Konkurrenzprodukt vom Pharmahersteller GlaxoSmithKline. Von diesem Mittel sollen ab kommender Woche 50 Mio. Dosen in Deutschland bereitstehen.

Eine Sprecherin des Innenministeriums erläuterte der „Berliner Zeitung“, das zuständige Beschaffungsamt habe mit dem Hersteller Baxter schon vor vielen Monaten einen Vertrag abgeschlossen, den man einhalten müsse. Zum damaligen Zeitpunkt sei von möglichen Unterschieden der beiden Stoffe keine Rede gewesen.

Indes reist die Kritik an der geplanten Impfpraxis nicht ab. Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, sagte der „Bild“-Zeitung (Montagausgabe), zweierlei Impfstoffe für Regierung und Bevölkerung seien das falsche Signal. „Da verstärkt sich bei vielen Menschen der Eindruck, sie seien Patienten zweiter Klasse. Das zeugt von wenig Fingerspitzengefühl.“ Ähnlich äußerte sich die Grünen-Gesundheitsexpertin Biggi Bender: „Großes Risiko fürs Volk, kleines Risiko für die Regierung. Diese Art von Zweiklassenmedizin darf es in einer Demokratie nicht geben.“

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