Seehofers Nachfolge
Ilse Aigner ist Bayerns Kronprinzessin

Markus Söder, Christine Haderthauer und Ilse Aigner wollen Horst Seehofer als Ministerpräsident beerben. Offiziell ist das Rennen offen. Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter ist aber sicher: Aigner macht's.
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DüsseldorfIm oberbayrischen Wildbad Kreuth startet die CSU ins Wahljahr. Eurokrise, Energiewende, die Arbeit der Nachrichtendienste und die Bekämpfung der Internetkriminalität – das sind die großen Themen der Jahresauftaktklausur. Ebenso heiß diskutiert die Partei, wer Ministerpräsidenten Horst Seehofer 2018 im Amt beerben könnte. Mehrere Kandidaten laufen sich warm: Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (47), die nach der Bundestagswahl Berlin in Richtung Heimat verlassen wird, Bayerns Finanzminister Markus Söder (45) und Münchens Sozialministerin Christine Haderthauer (49).

Als „Eiertanz“ bezeichnet der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter, emeritierter Professor an der Universität Passau und selbst CSU-Mitglied, die Nachfolgediskussion. Für ihn ist die Entscheidung längst gefallen. „Die Rückholung von Frau Aigner hat die Weichen gestellt“, sagt Oberreuter im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Dabei schien die bundespolitische Karriere von Ilse Aigner vorgezeichnet. 1998 zog sie als Abgeordnete in den Bundestag ein, seit Oktober 2008 leitet sie das Ministerium für Verbraucherschutz und Landwirtschaft. Damals übernahm sie das Amt von Horst Seehofer, der sich in München zum Bayerischen Ministerpräsidenten wählen ließ. Doch im September 2012 – ein Jahr vor der Landtagswahl – kündigte Aigner ihre Rückkehr nach Bayern an. Und brachte damit das innerparteiliche Machtgefüge ins Wanken.

Denn nun versperrt das politische Schwergewicht einem Mann den Weg, der sich selbst als naturgegebenen Seehofer-Nachfolger sieht: Markus Söder, Finanzminister in Bayern und bundesweit vor allem durch seine Attacken auf Griechenland in Erscheinung getreten: „An Athen muss ein Exempel statuiert werden, dass diese Eurozone auch Zähne zeigen kann.“

Mit diesem Politikstil machte sich Söder aber nicht nur Freunde. Auf der Weihnachtsfeier stutzte ihn Ministerpräsident Seehofer öffentlich zurecht. Söder sei von Ehrgeiz zerfressen, sagte Seehofer und fügte ein paar Tage später hinzu: „Als Partei- und Regierungschef muss ich ab und zu klare Worte finden. Danach ist es aber auch wieder gut.“ Er habe die Kritik geäußert, „weil ich Leistung und Loyalität als Voraussetzung für Erfolg fordere“. Politiker im obersten Rang müssten erstklassige Arbeit abliefern – und zwar nicht nur in der Sache, sondern auch als Persönlichkeit.

Heißt im Umkehrschluss: Seehofer ist der Meinung, Söder sei Charakterschwach.

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