Selbstsicherer Kurt Beck
Buddha mit Benchmark

SPD-Chef Kurt Beck geht zufrieden in die Weihnachtszeit – zufrieden mit seiner Partei, aber auch sich selbst. Es wird immer deutlicher, dass die bevorstehenden Landtagswahlen die Koalitionspartner CDU/CSU und SPD wieder zu Konkurrenten machen. Beck stellt sich den Herausforderungen mit breiter Brust.

BERLIN. Man könnte die Botschaft in drei kurze Sätze packen. "Partei gut. Vorsitzender sehr gut. Frohe Feiertage!" Aber die Zeiten, in denen Franz Müntefering in der SPD den Ton angab, sind unwiederbringlich vorbei. So müssen sich die Zuhörer im Saal der Bundespressekonferenz 20 Minuten gedulden, bevor sie die erste Frage stellen können.

Kurt Beck redet viel. Er sagt: "Ich bin sehr zufrieden mit meiner SPD." Er spricht über Kinderschutz und Mindestlöhne, Bafög und die Bankenkrise, Managergehälter und Arbeitslosengeld. Umso mehr fällt auf, welche Themen er ausspart: Die Koalition streift er mit einem einzigen Nebensatz. Und Angela Merkel, die Kanzlerin der gemeinsamen Regierung, würdigt er freiwillig mit keiner Silbe.

Mag der Schnee draußen im wintergrauen Tiergarten auf sich warten lassen ? die Große Koalition liegt derzeit auf Eis. Schon Zeit und Ort von Becks Auftritt machen deutlich, dass sich Union und SPD angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in Hessen, Niedersachsen und Hamburg derzeit mehr als Gegner denn als Partner sehen. Mehrfach hatte der Verein der Hauptstadtkorrespondenten in jüngster Zeit im Kanzleramt nachgefragt, ob nicht die Regierungschefin traditionsgemäß vor der Weihnachtspause noch einmal Rede und Antwort stehen wolle. Doch Merkel fürchtete angesichts der Unruhe in ihrer eigenen Partei über eine als sozialdemokratisch empfundene Regierungspolitik offenbar, in die Defensive gedrängt zu werden. Erst Anfang Februar will sie in die Bundespressekonferenz kommen.

Kaum machte diese Nachricht die Runde, buchte Beck den Vorweihnachtstermin auf großer Bühne für seinen eigenen Auftritt. Unter diesen Umständen wird schon die bloße Präsenz des sichtlich wohlgelaunten Pfälzers zur Botschaft. "Ich habe meine Politik zu machen, und das hängt nicht von der Anwesenheit der Kanzlerin ab", stichelt er. Soll heißen: Während Merkel in der Welt herumdüst, ziehen die Sozialdemokraten "eine gerade Furche".

Die SPD, so Beck, sei gut aufgestellt, der Hamburger Parteitag habe "Zuversicht und Selbstsicherheit" verliehen. Dazu kommt das Gefühl, dass die Genossen bei Mindestlohn, Managergehältern und der Verlängerung des Arbeitslosengeldes wieder "nah bei den Menschen" sind, während die Union eher kopflos zwischen Anbiederung und Abgrenzung laviert. "Das Ziel, Benchmark zu sein, haben wir erreicht", triumphiert Beck. Wären da nicht die Umfragen, die seine Partei bei traurigen 30 Prozent taxieren, könnte man glatt an ein Wunder glauben.

Seite 1:

Buddha mit Benchmark

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%