Serie: Mehrwertsteuer-Erhöhung
Aufschwung überlebt höhere Steuer

Pünktlich zur Jahreswende steigt der Regelsatz der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent. Welche Auswirkungen hat die Erhöhung auf die deutsche Wirtschaft? Das Handelsblatt beleuchtet in einer Serie alle Facetten.

DÜSSELDORF. Mehr bezahlen für einen Herrenhaarschnitt? Fehlanzeige. Für Normalbenzin? Im Gegenteil. „Die Preise steigen bislang insgesamt nicht stärker als sonst“, sagt Timm Behrmann, der seit Juni für das Statistische Bundesamt beobachtet, wie sich die Preise von 46 häufig gekauften Gütern und Dienstleistungen entwickeln. Grund ist, dass pünktlich zur Jahreswende der Regelsatz der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent steigt.

Zwar gibt es in Behrmanns Preismonitor auch Ausreißer nach oben, zum Beispiel bei Damenjeans und Zahnpasta. „Dass diese Produkte teurer geworden sind, muss aber nicht mit der anstehenden Steuererhöhung zusammenhängen“, so Behrmann.

Frühzeitige Preiserhöhungen hin, mögliche Preisschocks im Januar her: Ob Vorzieheffekte die Wirtschaftsentwicklung am Jahresende 2006 stärken und Anfang 2007 schwächen oder nicht, sei letztlich nebensächlich, sagt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. „Das wäre nur eine Umbuchung.“

Entscheidend ist, dass die lang angekündigte Steuererhöhung der Konjunktur wohl nur einen Dämpfer versetzen wird. Glaubt man der Mehrheit der Ökonomen, dann ist der Aufschwung so robust, dass die deutsche Wirtschaft die Belastung gut wegstecken kann und weit weniger Schaden nehmen wird, als zunächst prognostiziert.

Die Optimisten argumentieren mit selbststärkenden Kräften des Aufschwungs. Das heißt: Behält die Konjunktur ihre derzeit hohe Taktzahl bei, dann sinkt die Arbeitslosigkeit weiter – und die Gruppe derjenigen wächst, die mehr Geld zum Ausgeben in der Tasche haben. Für diese These sprechen vor allem die Unternehmer selbst. Der wichtigste deutsche Stimmungsindikator, der Geschäftsklima-Index des Münchener Ifo-Institutes, kletterte Mitte Dezember auf ein Rekordhoch.

Die monatlich befragten 7 000 Unternehmern beurteilten nicht nur die aktuelle Lage besser als zuvor, sie blickten auch zuversichtlicher in die Zukunft – obwohl sich einige so genannte harte Daten wie die Auftragslage der Industrie zuletzt verschlechtert haben. Doch die Unternehmen erwarteten offenbar nur eine kurzfristige Delle, argumentiert Scheuerle. Deswegen würden sie ihre mittel- bis langfristigen Entscheidungen über Investitionen und Arbeitsplätze nicht ändern. Denn ein Stop-and-Go in der Fertigung würde sie teurer zu stehen kommen als eine vorübergehende Produktion auf Halde.

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