Skeptische Basis
SPD: Flimmern in der Herzkammer

Die SPD will zurück an die Macht, und ihr Stammland an Rhein und Ruhr soll den Anfang bilden. Vergessen scheint die Schmach von 2005, mit Spannung blicken die Genossen auf den Testballon Europawahlen. Doch während sich die SPD-Führung in Optimismus übt, bleibt die Basis skeptisch.

DORTMUND. Ein sonniger Morgen im alten Dortmunder Arbeiterstadtteil Scharnhorst-Ost. Es ist Markt, viele Passanten sind unterwegs. Ideale Bedingungen für den Info-Stand des SPD-Ortsvereins. Es gibt Kaffee, Kugelschreiber und Schlüsselbänder. Einige Fußgänger bleiben stehen, auf ein Schwätzchen. Mittendrin: Bernhard Rapkay, Europaabgeordneter und Kandidat für die Europawahlen am 7. Juni. Er hat hier ein Heimspiel, mehr als zwanzig Jahre gehörte er dem SPD-Unterbezirksvorstand in Dortmund an. Für die Europawahl interessiert sich zwar kaum jemand, aber darauf komme es nicht an, sagt Rapkay: "Wir Sozialdemokraten kümmern uns und zeigen Präsenz, das ist wichtig."

Die Botschaft ist klar: Die SPD will zurück an die Macht, und ihr Stammland an Rhein und Ruhr soll den Anfang bilden. Hier in NRW sind fast ein Viertel aller SPD-Mitglieder zu Hause, hier schlägt immer noch das Herz der Sozialdemokratie. Vergessen scheint die Schmach von 2005, als nach fast vierzig Jahren die Regierungsverantwortung im Land an die CDU/FDP-Koalition überging. Stattdessen blicken die Genossen nun nach vorn. Denn in NRW steht viel auf dem Spiel: Europawahl, Kommunal- und Bundestagswahlen im Herbst, im Frühjahr 2010 dann die Landtagswahl. Doch während sich die SPD-Führung in Optimismus übt, bleibt die Basis skeptisch. Die Europawahl ist deshalb doppelt wichtig. Die Prognosen sagen der SPD zwar einen respektablen Stimmenzuwachs voraus, jedoch auf Basis des historisch schlechten Resultats von 2004 mit 21,5 Prozent. Die Wahl ist deshalb ein wichtiges psychologisches Signal. Geht es am 7. Juni schief, könnten die Träume schnell platzen.

Bernhard Rapkay kandidiert bereits zum vierten Mal für das EU-Parlament, er kennt die Bedeutung der Europawahl als Stimmungsbarometer für die SPD. Beispiel 1994: Nach zwölf Jahren schwarz-gelber Koalition im Bund standen die Chancen für einen Regierungswechsel gut. Die SPD hatte ein Umfragehoch, bei der Europawahl fiel das Ergebnis dann für die Partei aber überraschend schlecht aus. Die Stimmung ließ sich nicht mehr drehen, Kanzler Helmut Kohl regierte eine weitere Legislaturperiode.

Zufall oder Kausalität? In der Landesparteizentrale in Düsseldorf will man die Vergangenheit ruhen lassen. Generalsekretär Michael Groschek verweist auf den Läuterungsprozess, durch den die Partei nach der verlorenen Landtagswahl gegangen ist. "Nach fast vierzig Jahren gab es gewisse Abnutzungserscheinungen", räumt Groschek ein. Man habe aus Fehlern gelernt. Innerparteiliche Konflikte wurden reduziert. Das Profil sei jetzt klar auf sozialdemokratische Themen ausgerichtet: Bildung, Arbeit, sozialer Zusammenhalt, das Zusammenspiel von Wirtschaft, Ökologie und Innovation. Die Regierungspause habe der Partei sogar gut getan, sagt der Generalsekretär. So sieht Optimismus aus.

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