Sozialdebatte
Junge Deutsche plagen Zukunftsängste

SPD-Chef Beck hat mit der Unterschichten-Debatte offenbar den Nerv der Deutschen getroffen. Angesichts der sozialen und wirtschaftlichen Lage sehen die meisten Bundesbürger laut einer Umfrage eine zunehmende Verarmung im Land. Vor allem junge Menschen fürchten, sozial abzurutschen.

HB BERLIN. In der am Dienstag vom Nachrichtensender N24 veröffentlichten Emnid-Erhebung gaben 91 Prozent der Befragten an, dass nach ihrem persönlichen Eindruck immer mehr Menschen von Armut bedroht oder gar bereits verarmt seien. Die Angst, selber zu verarmen, ist danach bei den jüngeren Bürgern bis 29 Jahre mit 60 Prozent deutlich ausgeprägter als bei den Älteren.

Bei den über 50-Jährigen fürchten nur 33 Prozent, dass ihnen ein Leben in Armut drohen könnte. 84 Prozent der 1000 Befragten sehen es als eine Aufgabe des Staates an, die Kluft zwischen Arm und Reich durch Gesetze und Steuern zu verringern. 52 Prozent sprechen sich für mehr Investitionen in Bildung aus, 45 Prozent finden, der Staat sollte mehr Geld für Sozialausgaben bereitstellen.

Die von SPD-Chef Kurt Beck angestoßene Debatte über Familien, die wegen Armut und Arbeitslosigkeit über Generationen hinweg von Bildung und Gesellschaft abgekoppelt seien, hatte durch eine Studie für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung neue Nahrung erhalten. Laut der Erhebung gehören rund 6,5 Millionen Menschen - acht Prozent der Bevölkerung - zur Unterschicht.

In der Debatte wies der Kinderschutzbund auf das Risiko für Heranwachsende hin. Verwahrloste Kinder lebten zu 99 Prozent in armen Familien, sagte Verbandspräsident Heinz Hilgers am Dienstag. Die hitzige Debatte über zunehmende Armut wird auch den Bundestag beschäftigten: Auf Antrag der Linksfraktion und der Grünen setzte das Parlament für Donnerstag eine aktuelle Stunde an.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil meinte, es gehe nicht nur um Geldmangel im Einzelfall, sondern vor allen Dingen um „eine Armut an Bildung, Teilhabe und Perspektive“. Kinder in Deutschland müssten in punkto Gesundheit und Bildung früher und individueller gefördert werden, verlangte er im Sender n-tv. Kindergärten müssten nach Heils Meinung beitragsfrei werden, und die Ganztagsschulen gehörten ausgebaut. Menschen, die hart arbeiten, sollten von ihrem Arbeitseinkommen leben können, deshalb seien Mindestlöhne notwendig.

Weiter sagte Heil, wenn man über Armut rede, dürfe man über Reichtum nicht schweigen. „Wir müssen feststellen, dass unsere Gesellschaft in der Gefahr ist auseinanderzubrechen, wenn wir zulassen, dass es einem Drittel sehr gut geht, die Mitte der Gesellschaft Angst hat vor sozialem Abstieg und ein Drittel der Gesellschaft abgehängt ist.“

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