Sozialdemokraten
Der letzte Unternehmer in der SPD-Fraktion

Pragmatismus macht einsam: Wie Klaas Hübner, der einzige Unternehmer der SPD-Fraktion, gegen den Linksruck seiner Partei ankämpft – zum Beispiel auf einer Spargel-Fahrt.

BERLIN. Unter Deck der "La Paloma" warten schon die Kellner mit ihren Tabletts und bieten Wasser, Wein und Bier an. Draußen über dem Wannsee tobt ein Unwetter, drinnen geht Klaas Hübner von einem SPD-Promi zum nächsten und plauscht angeregt. "Bespaßen" nennt Hübner das.

Ein bisschen Spaß kann die SPD derzeit wirklich gut gebrauchen.

Als Sprecher des Seeheimer Kreises, der Konservativen in der SPD-Bundestagsfraktion, ist Hübner Gastgeber der jährlichen Spargelfahrt, zu der die "La Paloma" gestern Abend in See stach. Wenn das Boot ablegt, um bis in die Nacht über den Wannsee zu schippern, wird Hübner hinab in den Festsaal steigen, sich neben Finanzminister Peer Steinbrück setzen und bei Spargel, Schinken und Kartoffeln beraten, wie es in den kommenden Wochen und Monaten weitergeht mit der SPD.

Mit seiner SPD. Einer SPD, die der Marktwirtschaft treu bleibt, die stolz ist auf die "Agenda 2010", die nicht jedes Problem mit Steuererhöhungen und sozialen Wohltaten zu lösen versucht. Nur droht Hübners SPD im Wahljahr immer kleiner zu werden.

Also braucht es eine Spargel-Offensive. Am Bootseingang steht Johannes Kahrs, der andere Sprecher der Seeheimer. Limousinen fahren vor, SPD-Minister steigen aus, der Parteivorsitzende Franz Müntefering - und der Ehrengast, Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, sogar Gesine Schwan.

Wer keinen Schirm hat, ist im Nu tropfnass. Die Seeheimer begrüßen diesmal auch unbekannte Gesichter besonders herzlich: Genossen, die zum ersten Mal für den Bundestag kandidieren. Es gilt, die Pragmatiker in der Partei zu stärken, ehe sie gänzlich ausgestorben sind.

Bei der Bundestagswahl im September könnten sich die Machtverhältnisse in der SPD-Fraktion erheblich verschieben. Renommierte Wirtschaftspolitiker wie Rainer Wend und Ditmar Staffelt treten nicht mehr an, dafür aber jede Menge Gewerkschafter.

Also haben die Seeheimer all jene auf ihren Spargeldampfer geladen, die zum Bollwerk gegen die linken Ideologen in den eigenen Reihen passen könnten. Ein Seeheimer zu sein, das bedeutet konservativen Pragmatismus und Regierungstreue; sozial sein, aber nicht ideologisch. Meinen es die Wähler gut mit der SPD, könnten die Seeheimer im Herbst sogar ganz große Sieger werden: mit Steinmeier als Kanzler und Steinbrück als Finanzminister - und womöglich Klaas Hübner als Minister.

So ein Amt jedenfalls trauen ihm viele in der SPD zu. Hübner gehört inzwischen zu den Mächtigen in der SPD-Bundestagsfraktion. Erst seit 2002 sitzt er im Bundestag und mauserte sich dennoch schon zum stellvertretenden Fraktionschef. Als SPD-Kandidat Steinmeier im Januar sein Konjunkturpaket gegen die Wirtschaftskrise vorschlug, hatte Hübner im Vorfeld neben der Reform der Kfz-Steuer vor allem die in der Partei gefeierte Abwrackprämie vorbereitet.

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