Sparpaket
Patienten müssen womöglich Medikamente umstellen

Als Folge des Arzneimittelsparpakets der Bundesregierung müssen sich etliche Patienten auf eine Umstellung ihrer Medikamente einrichten. Ärzte sollen laut Gesundheits-Staatssekretär Klaus Theo Schröder überzeugt werden, Kranke wo immer möglich mit günstigeren Mitteln zu versorgen.

HB BERLIN. Nach dem Arzneimittelsparpakets der Bundesregierung soll für häufige Krankheiten festgestellt werden, was die von Fachleuten empfohlene Arzneimittelversorgung im Schnitt pro Tag kostet. Daran müssten die Mediziner ihr Verordnungsverhalten ausrichten, so Schröder. Wird die Summe erheblich überschritten, werden die Ärzte finanziell zur Verantwortung gezogen.

Schröder nannte das Beispiel Bluthochdruck. Dieser könne mit den bewährten ACE-Hemmern behandelt werden, die seit 15 Jahren auf dem Markt seien, oder aber mit den neueren Sartanen. Diese seien drei Mal so teuer. Nach Studien brächten sie nur für 15 Prozent der Patienten Vorteile, die sie auch bekommen sollten. Tatsächlich würden sie aber viel häufiger eingesetzt, weil Ärzte dazu tendierten, generell neue Arzneien zu verschreiben. Dabei brächten diese nur in ganz spezifischen Fällen Verbesserungen für Patienten.

Schröder erinnerte daran, dass die Arzneimittelkosten mit einem erwarteten Plus von 16 Prozent oder 3,5 Milliarden Euro in diesem Jahr aus dem Ruder laufen. Dort, wo es ohne negative Folgen für Patienten möglich sei, müssten sie eingedämmt werden. Mit etwa 23,4 Milliarden Euro werde in diesem Jahr deutlich mehr für Arzneien ausgegeben als für alle ärztlichen Honorare zusammen.

Mit Blick auf mögliche Widerstände von Patienten, sich von einem vertrauten und verträglichen Medikament auf ein anderes umstellen zu lassen, riet Schröder den Ärzten zu eingehender Information. Beratung sei ohnehin das Wichtigste, um die Patienten zu überzeugen, ihre Tabletten auch wirklich zu nehmen.

Das Arzneimittelsparpaket war vergangene Woche in den Bundestag eingebracht worden. Es soll zum 1. April 2006 in Kraft treten und nächstes Jahr eine Ersparnis von insgesamt einer Milliarde Euro bringen. Vorgesehen ist unter anderem, die Arzneimittelpreise einzufrieren. Bei Nachahmerprodukten (Generika) sollen Nachlässe vorgeschrieben und Naturalrabatte verboten werden. Die Bonus-Malus-Regelung soll im Lauf des Jahres umgesetzt werden und wird wahrscheinlich erst 2007 greifen.

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