SPD
Becks Rätsel

Die Taktiererei um das Spitzenpersonal überlagert nicht einmal mehr die tiefen Gegensätze der Parteiflügel, aus denen sich die wachsende Stärke der Linkspartei speist. Die Lage der SPD ist tatsächlich so schlecht, wie sie sich in allen Umfragen spiegelt. Beck, den Landesvater aus der pfälzischen Provinz, verbindet wenig mit dem weltläufigen Außenminister. In der Partei will Beck der aus rot-grüner Regierungszeit tief verunsicherten Linken immer weiter entgegenkommen. Die ungeliebten Agenda-Reformen erklärt er für beendet. Steinmeier ist einer der Architekten genau dieser Reformen. Und er will sie weiterentwickeln, anstatt sie aufzuweichen wie beim Arbeitslosengeld I oder der Altersteilzeit.

Aber ein auf Steinmeier zugeschnittenes Wahlprogramm würde die SPD-Linke erneut frustrieren und die Flügelkämpfe in aller Schärfe aufleben lassen. Ein Programm, das zu sehr die Handschrift Becks trägt, würde wiederum Steinmeier Glaubwürdigkeit kosten. Wahlkampf - das kann der nicht, war allenthalben in den vergangenen Wochen über den Noch-nicht-Kandidaten in der Partei zu hören. Mobbing - das kann die SPD wirklich.

Im Gegensatz zu 1998, als SPD-Chef Oskar Lafontaine und Kanzlerkandidat Schröder antraten, besteht das Tandem für 2009 nicht aus zwei ehrgeizigen Konkurrenten, die unbedingt an die Spitze streben. So wird zur größten Sorge der SPD, dass im Wahlkampf womöglich weder Beck noch Steinmeier ausreichend fest an ihren Stühlen kleben. Psychologisch erklärt dies, warum für Sozialdemokraten Becks Rücktrittsdrohung keine sein darf: Bedrohliches wird verdrängt.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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