SPD-Höhenflug
„Mehr als ein Selbstbesäufnis unter Genossen“

Seit der Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat steigen die Umfragen für die SPD in ungeahnte Höhen. Das erstaunt selbst Werbeguru Frank Stauss, der es ablehnte, mit der SPD in den Wahlkampf zu ziehen.
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BerlinDas alles sei „absurd“ und eine „wahnsinnige Veränderung“, findet Werbeguru Frank Stauss. Noch Anfang des Jahres sei die Frage gewesen, wie düster die Bundestagswahl für die SPD ausgehe. Jetzt drehe sich plötzlich alles darum, wie stark die SPD werde. „Bei über 30 Prozent bist Du im Spiel um den ersten Platz“, meint der erfahrene SPD-Wahlkämpfer.

Tatsächlich fällt seit der Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat eine Umfrage für die SPD besser aus als die andere. Am Mittwoch etwa wurden Zahlen von Forsa bekannt, nach denen die SPD erstmals seit Ende 2012 wieder über 30 Prozent steigt.  So gewinnen die Sozialdemokraten im Vergleich zur Vorwoche weitere fünf Prozentpunkte, steigen von 26 auf 31 Prozent und verkürzen damit den Rückstand zur CDU/CSU auf drei Punkte. Die Union liegt jetzt nach der Forsa-Umfrage bei 34 Prozent. Ein Punkt weniger als in der Vorwoche. In einer Umfrage von Insa, die am Montag veröffentlich wurde, hatte die SPD die Union sogar überholt.

Frank Stauss, Mitinhaber der Kommunikationsagentur Butter und Bestsellerautor von „Höllenritt Wahlkampf“, wird die SPD zwar nicht im Rennen um das Kanzleramt begleiten. Ende letzten Jahres verkündete er, nicht zur Verfügung zu stehen. Dass hält den bekennenden Sozialdemokraten dennoch nicht davon ab, die Lage für die Partei kritisch zu analysieren.  

„Ich habe mir ernsthafte und große Sorgen um die SPD gemacht“, bekennt Stauss in einem Podcast für das Kampagnen-Blog „Zielgruppenfernes Verhalten“. Denn: „Ich habe es in der Konstellation vor Martin für möglich gehalten, dass sie in Existenznot gerät.“

„Vor Martin“, das meint die Zeit, bevor Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat und neuer Parteichef nominiert wurde. Die Zeit, in der die SPD in den Umfragen über Monate bleiern zwischen 20 und 23 Prozent lag. Das meint die Zeit unter SPD-Chef Sigmar Gabriel, der lange mit sich rang, ob er selbst die Kanzlerkandidatur übernehmen will.

Nun also „Zeit für Martin Schulz“, wie der SPD-Slogan lautet. Für Stauss ist da „Dynamik“ drin. Die SPD habe in der Regierung vieles umsetzen können, etwa den Mindestlohn, mehr Lohngerechtigkeit für Frauen und Männer oder eine Geschlechterquote für Aufsichtsräte. „Es fehlte aber der Repräsentant, der das auch glaubwürdig und nach vorne gerichtet vermitteln konnte“, meint Stauss. Martin Schulz erfülle die Sehnsucht nach einer starken Stimme, die für das moderne Deutschland spreche. „Bundeskanzlerin Merkel steht für eine gewisse Stabilität, aber auch Stagnation und Schulz für einen Aufbruch“, sagt der Stratege.

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Kommentare zu " SPD-Höhenflug: „Mehr als ein Selbstbesäufnis unter Genossen“"

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  • Ah da ist wohl ein SPD Bot unterwegs

  • Im Gegensatz zu Schulz haben Merkel und die Union abgewirtschaftet. Und im übrigen hatte die Union bis vorgestern noch gar keinen Kanzlerkandidaten gekürt (jetzt wurde Merkel zur Kanzlerkandidatin auf Obergrenzen-Abruf berufen!). Das scheinen manche Politiker (z.B. die unsägliche Frau Klöckner) und manche Medien ob ihres Furors bei ihrer Kritik über die einerseits angeblich quälend lange SPD-Kandidatenfindungsprozedur, andererseits über die angebliche Sturzgeburt ganz übersehen zu haben!
    Aus Sicht der fast sprachlosen Union: gemeines Drehbuch der SPD!
    Und im übrigen: nach der Wahl ist vor der Wahl:
    http://youtu.be/0zSclA_zqK4
    Viel Spaß beim Anhören!

    Nebenbei bemerkt: Die Medien scheinen nicht nur über den peinlichen Kanzlerkandidatenfindungsprozess der Union gütig hinweg zu sehen, sondern auch über die Prozesse der CSU-Spitzenkandidatenfindung für die Bundestagswahl sowie der Nachfolgeregelung von Seehofer in der CSU. Dagegen war das bei der SPD fast so friedlich und geräuschlos wie eine Papstwahl. Und noch dazu für 5 Führungspositionen auf einmal! Chapeau, SPD!
    Und da möge nochmal jemand behaupten, die Medien ständen mehrheitlich links. Das Gegenteil ist der Fall, wie auch diese Beispiele wieder zeigen!
    Übrigens: Gabriel ist zurückgetreten, um dem Land und der Partei zu dienen. Die letzten Rücktritte von CDU- bzw. CSU-Ministern (Guttenberg, Schavan, Friedrich, Haderthauer) erfolgten wegen Skandalen und/oder Verfehlungen. Wie dieser Prozess in der CSU aussieht, kann man derzeit am Bayern-Ei-Skandal ablesen!

    PS: Und was man so hört, wird die CSU Frau Merkel zur Kanzler-Kandidatin auf (Obergrenzen-)Abruf küren!
    Und wenn einzelne Medien und Wadl-Beißer von der Union jetzt erschrocken kritisieren, dass Schulz inhaltlich noch gar nicht viel zum Besten gegeben habe (außer heißer Luft: aufpassen, Herr Spahn, dass Ihnen nicht zu warm wird!): im Vergleich zur Kanzlerin war Schulz bisher auch inhaltlich furios!

  • Viele Kommentare hören sich an wie eine AfD/PEGIDA-Bot-Meldung. Möglicherweise stecken jedoch auch Kommentatoren dahinter, die sich aber geschickt nicht anmerken lassen, dass sie mindestens 12000 Schulstunden in ihrer Jugend über sich haben ergehen lassen und offensichtlich trotzdem nur nachplappern können, was andere ihnen vorplappern!

    "... Die Kommentare anderer Leute:
    teils Verschwörer der übelsten Sorte,
    teils dumpfbackige, hirnlose Beute
    einer versponnenen, verbohrten Kohorte...."

    http://youtu.be/sBom50KrkBk

    Viel Spaß beim Anhören.

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