SPD im Umfragerausch
Schulz massiert die sozialdemokratische Seele

In einer weiteren Umfrage zieht die SPD an der Union vorbei. Der Schulz-Effekt scheint nachhaltig, die Attacken der Union perlen an ihm ab. Und was macht der Kanzlerkandidat? Er rückt die SPD weiter nach links.
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BerlinDer Martin „rockt“, heißt es derzeit gerne im Sprech der Sozialdemokraten. Da dürfte auch der Auftritt von Martin Schulz an diesem Montag in der Stadthalle Bielefeld bei der SPD-Arbeitnehmerkonferenz keine Ausnahme sein. Dabei hat der nominierte Kanzlerkandidat ein leichtes Spiel: Die Herzen der Genossen fliegen ihm ohnehin zu. Aber auch so surft Schulz auf einer Welle des Erfolgs. Das legen zumindest die aktuellen Umfragewerte nahe.

Denn der Schulz-Effekt hält an. Nach Insa sieht nun ein zweites Meinungsforschungsinstitut die SPD vor der Union: Laut Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ stieg die SPD im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf 33 Prozent. Die CDU/CSU verlor einen Punkt und kam auf 32 Prozent. Erstmals seit einem Jahrzehnt bei Emnid wieder an der Union vorbeigezogen – die Laune der Parteistrategen im Willy-Brandt-Haus könnte nicht besser sein.

Und auch die SPD-Linke frohlockt: Ihr Projekt r2g (zweimal rot, einmal grün) bekommt ebenfalls Auftrieb. Denn laut Emnid-„Sonntagstrend“ käme die  Linkspartei auf acht Prozent, die Grünen kämen auf sieben Prozent. Dadurch hätte ein rot-rot-grünes Bündnis derzeit eine knappe Mehrheit. 

Tatsächlich hat die SPD seit der Nominierung von Schulz zum Kanzlerkandidaten in allen Umfragen deutlich zugelegt. Auch die Attacken des politischen Gegners scheinen abzuperlen. Zumindest wirkt es so, als habe die Union mit Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) dem Schulz-Hype nichts entgegenzusetzen.

Erst am Wochenende nahm Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einen neuerlichen Anlauf, um an Schulz‘ Image zu kratzen. Er glaube, dass die Schulz-Festspiele für die SPD in den Umfragen bald vorbei seien, gab er zu Protokoll. „Die Schau ist kurz, es muss schon ein bisschen Substanz kommen“, sagte Schäuble am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Die Union fürchte den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz nicht, nehme ihn aber ernst. Erst kürzlich hatte Schäuble Schulz Wahlkampfmethoden wie US-Präsident Donald Trump und „Dampfplauderei“ vorgeworfen.

Schulz wartet derweil mit Balsam für die sozialdemokratische Seele auf: Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will einem Bericht zufolge die Bezugsdauer für das Arbeitslosengeld I verlängern und damit in seinem Wahlprogramm Korrekturen an der Agenda 2010 in Angriff nehmen. Eine konkrete Dauer stehe allerdings noch nicht fest, berichtet die „Bild“-Zeitung. „Fehler zu machen ist nicht ehrenrührig. Wichtig ist: Wenn Fehler erkannt werden, müssen sie korrigiert werden“, sagte Schulz. Wenn man im Alter von 50 Jahren nach 15 Monaten Arbeitslosengeld I dann Hartz IV erhalte, gehe das an die Existenz.

Damit rückt Schulz die SPD nach links. Denn die Agenda 2010, die auf die Regierung des sozialdemokratischen Kanzlers Gerhard Schröder zurückgeht, ist noch unter vielen Sozialdemokraten verhasst. Hier nun Linderung zu versprechen, dürfte den Nerv vieler Genossen treffen. So ließen sich für den Wahlkampf neue Kräfte zu mobilisieren.

Der frühere Kommunalpolitiker und ehemalige EU-Parlamentspräsident Schulz soll im März auf einem Parteitag zum SPD-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten gewählt werden.

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  • Herr Tomas Maidan 20.02.2017, 15:39 Uhr

    viel Erfolg........

  • Nee, Herr Pier, viel Zeit haben wir eigentlich wirklich nicht. Zumindest nicht soviel wie Leute wie Sie, die stundenlang das Web vollspammen, und wie all die anderen Trump-, Putin- und Afd-Fans, die von morgens bis abends das Web vollmüllen mit "Merkel muss weg"-Geschreie.

  • Herr Tomas Maidan20.02.2017, 14:31 Uhr

    Wenn die Leute "die hart arbeiten" rot, links-grün oder dunkelrot wählen, brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn sie zu zukünftig noch weniger Zeit haben.
    "Mitbestimmen" werden Sie bei den oben genannten nichts und die ganzen "Ideen" und "Wohltaten" für sozial benachteiligte, die "noch nicht so lange hier leben", wollen bezahlt sein.

    Und bezahlen werden wie üblich die, die "hart arbeiten"...........

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