Spitzenkandidat gesucht
Töpfer gibt Berliner CDU einen Korb

Der neuerliche Tiefschlag bei der seit Monaten andauernden Suche nach konservativem Glanz in der Bundeshauptstadt kam nicht wirklich überraschend. Acht Monate vor der Abgeordnetenwahl sagt Klaus Töpfer seine Kandidatur ab.

BERLIN. Ingo Schmitt riss seine Berliner CDU mit wenigen dürren Zeilen aus ihren Träumen: „Klaus Töpfer wird nicht Spitzenkandidat bei der Abgeordnetenhauswahl“, teilte der Landeschef gestern mit. Eine Begründung gab es nicht. Dann flüchtete sich Schmitt in das nächste Dilemma: „Die Findungskommission wird bis Ende Januar einen neuen Kandidaten präsentieren, und zwar in enger Abstimmung mit der Bundespartei.“ Acht Monate vor der Landtagswahl wird es damit eng für die Hauptstadt-CDU.

Dabei kam der neuerliche Tiefschlag bei der seit Monaten andauernden Suche nach konservativem Glanz in der Bundeshauptstadt nicht wirklich überraschend. Der Chef der Uno-Umweltbehörde hatte bereits vergangene Woche über die österreichische Zeitung „Die Presse“ abgewinkt: „Ich war acht Jahre im Ministerium eines Bundeslandes und acht Jahre Bundesminister. Das reicht für ein Leben“, beschrieb der 67-jährige CDU-Politiker seinen Seelenzustand. Da war schon allen klar, dass da einer keine wirkliche Sehnsucht verspürte, an der Spitze der „vermachteten Kieztruppe ohne politische Botschaft“ zu stehen. Auch wenn diese Beschreibung der Partei nur von Berliner Zeitungskommentatoren stammt, die Umfrageergebnisse bestätigen die Prognose, dass es für die CDU sehr schwer sein dürfte, im Herbst den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit aus dem Amt zu werfen.

Die Berliner CDU war bei der letzten Wahl 2001 auf 23,8 Prozent gekommen. Derzeit liegt sie kaum besser. Die Regierungskoalition aus SPD und PDS überspringt dagegen locker die entscheidende 50-Prozent-Marke. Nur ein so bekanntes Gesicht wie das von Töpfer könne mit einer schlagkräftigen Truppe aus FDP und Grünen das Ruder herumwerfen, heißt es in der Partei. Einer wie damals Richard von Weizsäcker. Einer, der mit seinem guten Namen die Probleme der Diepgen-Hinterlassenschaft überdecken könnte, sehnen sich die Christdemokraten nach den Zeiten an der Macht zurück.

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