Steinbach-Nachfolger
Fabritius neuer Vertriebenen-Chef

Fast 99 Prozent: Mit einem Spitzenergebnis wählen die Vertriebenen ihren bisherigen Vize Fabritius zum Nachfolger von Erika Steinbach. Beide sind überzeugt, dass der Bund der Vertriebenen (BdV) auch fast 70 Jahre nach Kriegsende eine Zukunft hat.
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BerlinDer CSU-Politiker Bernd Fabritius ist neuer Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV). Bei der BdV-Bundesversammlung in Berlin erhielt der bisherige Vizepräsident am Freitag 144 Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Der 49-Jährige tritt die Nachfolge von Erika Steinbach an, die sich nach 16 Jahren an der Spitze des BdV zurückzog. Er hatte keinen Gegenkandidaten.

Mit Fabritius übernimmt erstmals ein nach dem Zweiten Weltkrieg geborenes Mitglied den Vorsitz des Dachverbandes. Dieser versteht sich als die Interessenvertretung der Vertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler in Deutschland. Der 1965 geborene Rumäniendeutsche sagte, dass er sich durchaus zur „Erlebnisgeneration“ zähle. Es sei „ein bisschen Normalität“, dass auch ein Aussiedler an der Spitze des BdV stehen könne.

Fabritius will sich künftig noch stärker um die Belange der im Osten Europas verbliebenen deutschen Minderheiten kümmern. Er will auch das angespannte Verhältnis des Verbandes zu Polen verbessern. „Voraussetzung ist die ehrliche und kritische Betrachtung der jeweils eigenen Geschichte“, sagte Fabritius. Er würdigte in dem Zusammenhang die Ansprache des polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski im Deutschen Bundestag im September.

Steinbach sagte, der Verband habe in den letzten Jahren große Erfolge erzielt. Sie nannte dabei die Schaffung der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Diese richtet im Deutschlandhaus in Berlin ein Dokumentationszentrum mit Dauerausstellung zu Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert ein. Ein Eröffnungsdatum steht noch nicht fest.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten mehr als zwölf Millionen Deutsche ihre Heimat in den damaligen deutschen Provinzen östlich von Oder und Neiße sowie in anderen Ländern Ostmitteleuropas verlassen müssen. Später kamen noch vier Millionen Aussiedler in die Bundesrepublik.

Steinbach und Fabritius gaben sich überzeugt, dass der BdV mit dem Pflege des kulturellen Erbes, der Betreuung der deutschen Minderheiten und dem „Brückenbau“ zu den Nachbarländern große Zukunftsaufgaben hat. „Der BdV ist, sehr zum Leidwesen mancher Gegner, nicht ausgestorben“, sagte Steinbach. „Es wird auch nach mir viele BdV-Präsidenten geben“, sagte Fabritius.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • „...auch fast 70 Jahre nach Kriegsende eine Zukunft hat.“

    Richtig, solange das den Vertriebenen im Namen der sog. Alliierten angetane Unrecht immer wieder unter den Teppich gekehrt wird. Diese Vertreibung begann nicht 1945, sondern nahm nach dem Versailler Diktat 1919 seinen Anfang. Solange sich die Regierungen der Vertreiberstaaten nicht zu dem von ihnen begangenen Unrecht bekennen, hat der BdV eine Aufgabe zu erfüllen.
    Frau Steinbach sei an dieser Stelle für ihren Einsatz für alle Vertriebenen, nicht nur den deutschen, gedankt.

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