Stephanie zu Guttenberg
Wenn Sex alle Grenzen überschreitet

Stephanie zu Guttenberg polarisiert. Kaum eine Politikergattin ist so in der Öffentlichkeit unterwegs wie sie, heute startet ihre eigene TV-Sendung. Doch ihr Eitelkeit zu unterstellen, wäre unfair. Was sie umtreibt ist der Kampf gegen Kindesmissbrauch. Nun hat sie ein aufrüttelndes Buch geschrieben, in dem sie auch mit Kritik an der Regierung nicht geizt.
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DÜSSELDORF. In der U-Bahn ist es höllisch laut. Eine Schulklasse auf Ausflug. Zwei Dutzend Kinder, schätzungsweise neun Jahre alt. Zwei der Mädchen und ein Junge sind bereits sexuell belästigt worden - rein statistisch gesehen. Es sind diese Zahlen, die Stephanie zu Guttenberg alarmiert haben. Seit sechs Jahren setzt sich die Freifrau für sexuell missbrauchte Kinder ein. Eine Bekannte konnte sie damals für den Verein "Innocence in Danger" begeistern. Nun hat Stephanie zu Guttenberg gemeinsam mit der Journalistin Anne-Ev Ustorf ein Buch geschrieben. "Schaut nicht weg!" heißt es und passt in die Kategorie: Solche Bücher kann es nicht genug geben.

Aufrüttelnd, aber faktenreich und pragmatisch schildert Stephanie zu Guttenberg zunächst die Lage. Sie dramatisiert nicht, obwohl sie es sicherlich könnte. Denn viele Fälle hat sie aus nächster Nähe gesehen. Viele Dinge dürften die meisten Leser bisher nicht gewusst haben: Jedes vierte bis fünfte Mädchen, jeder neunte bis zwölfte Junge ist sexuell belästigt worden. Ein Massenphänomen. Und die Täter sind nur sehr selten die psychisch kranken Vergewaltiger, die man aus den Nachrichten kennt. "80 Prozent der Fälle finden im sozialen Nahraum statt", schreibt zu Guttenberg. Also bitte nicht mehr länger wegschauen.

In dem Buch steht nach der Bestandsaufnahme des Problems, worauf man achten muss. Früherkennung ist wichtig für Eltern, Lehrer und Verwandte. Wo gibt es Rat, wie ich ein Kind zum Sprechen bringe. Wie wird es den Schrecken wieder los? Um solche Fragen geht es Stephanie zu Guttenberg.

Mit dem Buch hat Stephanie zu Guttenberg wohl auch einen Ehekrach in Kauf genommen, auch wenn ihr Gatte Karl-Theodor mit der Thematik als Verteidigungsminister nicht viel zu tun hat. Aber ihre Kritik an der schwarz-gelben Regierung fällt vernichtend aus: Das Gesetz zu Sperrung von kinderpornografischen Seiten wurde nie umgesetzt. Vieles liege "im Argen". Dabei sei es "unendlich wichtig", dass die Politik endlich etwas "effektiv" gegen den Missbrauch von Kindern tue.

Dabei spielt die Pornografie im Internet eine große Rolle. 1,8 Mio. Kinder werden jährlich zur Prostitution oder Pornografie gezwungen. Das Web ist zum wichtigsten Vertriebskanal für die Industrie geworden. Die Wachstumsraten sind auch in Deutschland erschreckend, über 100 Prozent pro Jahr. 40 Prozent der dafür misshandelten Kinder sind zwischen drei und sechs Jahre alt. Die, die sich das anschauen, sind längst nicht alle pädophil veranlagt. Der Großteil der Nutzer ist berufstätig, überdurchschnittlich intelligent und lebt in Beziehungen. Wenn es aber beim Sexualleben mit dem Partner hakt, werden Kinderpornos zur Ersatzhandlung.

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  • Der "Sonntagsspaziergang" von Spitzweg ist die Steilvorlage für unsere Zeit. Der Mangel an öffentlichen Sex bewirkte reichlichen Kindersegen und machte die Nation stark.
    Heute könnte man meinen, die biedermeier-Familie kommt aus Anatolien.
    Also: Verbannt den Sex aus der Öffentlichkeit, denn mit der Kürze des Rocksaumes sinkt die Sitte und Deutschland schafft sich ab.

  • Die Jagt auf Kinderschänder, in chatrooms? Warum die Augen vor der Realität verschließen?

    Am 24. Januar 1996 sendet das ZDF in „Kennzeichen D“ den beitrag des freien, investigativen Journalisten Heinz Fassbender aus Köln, nach intensiven Recherchen über den skandalösen Umgang von Angestellten der Leipziger Stadtverwaltung und offiziellen beratern der Stadt.

    berichten zufolge machten sich etwa in Leipzig Amtsträger nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes erpressbar, weil sie Anfang der 90er Jahre in einem bordell verkehrten, in dem minderjährige Mädchen zur Prostitution gezwungen wurden.

    Enthüllungen über die organisierte Kriminalität politisch vernetzter banden im Grenzbereich zu Polen und der Tschechischen Republik führen in berliner Regierungskreise. betroffen ist das Ministerium des ehemaligen bürgermeisters von Leipzig, Wolfgang Tiefensee (SPD). Auch Teile der Staatsregierung in Dresden (bundesland Sachsen) sind verwickelt. Die Kriminellen schleusten Kinder und Jugendliche aus den östlichen Nachbarstaaten nach Deutschland und stellten sie ihren politischen Gönnern in bordellen zur Verfügung. Polizeiliche Ermittler wurden kaltgestellt oder in die Taten einbezogen. Die systematisierte Kinderprostitution vollzog sich unter den Augen von Staatsanwälten und Pressevertretern, heißt es in berichten des deutschen inlandsgeheimdienstes (Verfassungsschutz). Das Geschäft auf Gegenseitigkeit diente der Deckung illegaler immobilientransaktionen aus dem Gesellschaftsfonds der früheren DDR sowie der Vertuschung schwerer Kapitalverbrechen.

    Nach neuesten informationen wurden unter anderem "'Zigeuner-Kinder' im Alter zwischen acht und zehn Jahren aus Tschechien nach Sachsen" verschleppt "und danach sexuell missbraucht." Die Anlieferung von "Frischfleisch", heißt es in dieser Quelle, sei von einem Staatsanwalt gedeckt worden. Dem kriminellen Netz, das auf diese Weise andere Straftaten ermöglichte, gehör(t)en deutsche Politiker, deren Pressegespielinnen, Rechtsanwälte sowie weitere Vertreter der oberen Gesellschaftsschichten an.

    Tatorte sind unter anderem Dresden, Leipzig und Chemnitz. Die Organisatoren der zu "Sexparties" verniedlichten Zwangsveranstaltungen waren demnach "höchste Verantwortliche der Stadtverwaltung Leipzig".

    (...)"Danach sollen im Vogtland um Plauen und Zwickau weitere rund 100 Personen ins Visier der Ermittler geraten sein. Zur Hälfte sollen sie den bereichen Polizei und Justiz angehören.

    Monatelang wurden die belastenden Akten vernichtet, Zeugen im U-Ausschuss bedroht und dann festgestellt, dass alle Anschuldigungen haltlos sind. De Maiziere hat auch hier ganze Arbeit geleistet.

  • ich finde, man sollte Stefanie zu Guttenberg unterstützen. ihre Stimme hat vielleicht mehr Gewicht als alle bisherigen.
    Sie kann hier vielleicht auch von der beleibheit ihres Mannes profitieren und auch sie selber kommt sehr kompetent an
    Dass diese Seiten im internet gesperrt gehören, ist für mich selbstverständlich. So etwas braucht kein normaler Mensch
    Aber offenkundig geht es huer auch um Geld und da drücken die Politiker ja immer gerne ein Auge zu.
    Dies darf aber in so einem Fall nicht sein und deshalb ist die Kritik von Stefanie zu Guttenberg an der Regierung völlig richtig

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