Stiftung Warentest
Kampf gegen rechte Hetzer im Netz

Stiftung Warentest legt sich mit Facebook-Hasskommentatoren an. Die Verbraucherschützer veröffentlichen einen Bußgeldkatalog für Web-Beleidigungen. Danach droht bei antisemitischen Tiraden eine Strafe von 5000 Euro.

HamburgDie Stiftung Warentest will nicht mehr nur in der Qualitätsbewertung von Produkten die Stimme der Vernunft sein. Die Berliner setzen sich jetzt auch in der Debatte um Facebook-Hasskommentaren an die Spitze einer Bewegung der neuen Sachlichkeit. So rufen sie im Social-Web zu „rationalen und sachlichen Diskussionen“ auf. Dazu veröffentlichen sie den Bußgeldkatalog für Netzbeleidigungen. So kann eine antisemitische Äußerung bis zu 5.000 Euro kosten.

Auf ihrer Facebook-Seite schreibt Stiftung Warentest: „Lasst euch von Hasskommentaren nicht entmutigen und davon abhalten, euch an Debatten zu beteiligen. Eine aufgeklärte und fortschrittliche Gesellschaft benötigt rationale und sachliche Diskussionen. Diese dürfen nicht von jenen gekapert und verhindert werden, die nur Hass schüren wollen.“

Um den Vernünftigen in den sozialen Netzen Mut zu machen, auch weiterhin ihren Standpunkt klar zu vertreten und sich nicht von Pöblern bei Facebook & Co. einfach niederschreien zu lassen, hat das Social-Media-Team der Stiftung alle Anlaufstellen gesammelt, bei denen man einfach online Anzeige erstatten kann. Zudem verraten sie, welche Beleidigung im Falle einer Verurteilung, wie teuer werden würde.

Nach dem Kenntnisstand von Stiftung Warentest ist beispielsweise bei schweren antisemitischen Beleidigungen durchaus eine Strafe von bis zu 200 Tagessätzen à 25 Euro, also insgesamt 5.000 Euro, möglich. Als Beispiel führten die Verbraucherschützer folgende Aussage an: „Sogesehen haben die Juden am Holocaust des 2. Weltkrieges auch selber schuld. Vor allem die im Warschauer Ghetto...“

Die Stiftung veröffentlichte einen Bußgeldkatalog auf ihrer Facebook-Seite: So könnte für die Worte „Ich bin dafür, dass wir die Gaskammern wieder öffnen und die ganze Brut da reinstecken“ ein Bußgeld von 4800 Euro fällig werden. 1.380 Euro Strafe droht laut der Stiftung bei folgenden Sätzen: „Dieses Pack gehört gesteinigt und an die Wand gestellt. Allen voran diese erbärmliche Drecksau von OB Jung, dieser Voll-Assi.“ Wer schreibt „Merkel muss öffentlich gesteinigt werden“, der muss mit einer Strafe von 2000 Euro rechnen.

Wenig verwunderlich, dass das entsprechende Posting der Warentester eine riesige Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken erreichte. Nicht ohne einen gewissen Stolz schrieben sie: „Die Meldung über Hass-kommentare, über Strafen für Hassreden und die Möglichkeit, online Anzeige zu erstatten, fand außer-ordentlich viele Leser. Über 1,5 Millionen Menschen bekamen die Meldung in ihre Timeline. Rund 35.000 mal wurde reagiert, geteilt oder ‚geliked‘.“

Noch immer wird auf der Facebook-Seite heftig über die grundsätzliche Frage debattiert, ob die Stiftung Warentest überhaupt solche Meldungen veröffentlichen darf. „Die Reaktionen waren vielfältig – und gingen bis zu heftigen, persönlichen Angriffen gegen unsere Facebook-Moderatoren“, schreiben die Berliner.

Von der Kritik wollen sie sich offenbar nicht abhalten lassen. Immerhin geht es ihnen ja gerade darum zu zeigen, dass „Opfer von Internethass“ diesem gerade nicht „hilflos gegenüber stehen müssen“. Also will die Stiftung Warentest mit gutem Beispiel vorangehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%