Stoiber verbucht einen Teil des Erfolgs für sich
Merkel lobt sich – und die Union

CSU-Chef Edmund Stoiber merkte frühzeitig, dass er Gefahr lief, den Kürzeren zu ziehen. „Moment mal!“ zischte er nervös und ahnungsvoll am Sonntagabend kurz nach seiner Ankunft im Bundesratsgebäude.

BERLIN. Gerade hatte die neben ihm stehende CDU-Chefin Angela Merkel ihr Statement vor der versammelten Hauptstadtpresse abgegeben, schon wollten die ihre Kameras ausknipsen – ganz so, als ob es auf den bayerischen Ministerpräsidenten nun gar nicht mehr ankäme.

Doch: „Moment mal!“ Für Stoiber kam es, besonders nach seinem misslungenen Auftritt auf dem CDU-Parteitag, jetzt umso mehr darauf an, als gewichtiger Mitspieler zu gelten. Also lieferte er vor laufenden Kameras seine beinharten Bedingungen für den Kompromiss ab.

Dennoch: In Wahrheit heißt in der Union die Gewinnerin des Verhandlungspokers Angela Merkel. Ihr wird fortan zugerechnet, dass sie die Phalanx der Ministerpräsidenten der Union fest geschlossen halten konnte und mit ihrem Angebot der halbierten Steuerreform verhinderte – anders als im Jahre 2000 –, dass Kanzler Gerhard Schröder einige von ihnen mit unwiderstehlichen Finanzangeboten lockte.

„Das ist ein gigantischer Erfolg für Angela Merkel“, lobpreiste CDU-Vize Christian Wulff die Chefin neidlos am Morgen danach. Und: „Das stärkt ihre Führungskraft.“ Auch das gesamte Präsidium dankte Merkel in seltener Einmütigkeit. Ohne Übertreibung hätten sie auch sagen können: Angela Merkel ist in der vergangenen Nacht einen weiteren Riesenschritt in Richtung Kanzlerkandidatur gegangen. Denn wieder einmal hat sie die führenden Köpfe und Rivalen der Union diszipliniert und auf Linie gebracht.

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