Streit über Parlamentsrede
Der Papst treibt Keil in die Berliner Politik

„Kleingeistig und respektlos“: Mit harten Worten hat Bundesinnenminister Friedrich Boykotteure der Papstrede attackiert. Die Opposition reagiert empört. Doch auch aus der CDU kommen scharfe Worte.
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BerlinSeine Deutschland-Reise ist kein leiser, stiller Besuch, obwohl Benedikt das persönlich wohl lieber wäre. Seine Auftritte sind längst zum Event geworden. Und sie polarisieren auch. Der Papst spaltet die Berliner Politiker – in Befürworter und Gegner. Besonders umstritten ist, dass Benedikt am morgigen Donnerstag im Bundestag eine Rede hält. Etliche Parlamentarier boykottieren seinen Auftritt. Das veranlasste Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zu harscher Kritik.

Dass einzelne Parlamentarier der Papst-Rede fernbleiben wollen, zeige „eine Mischung aus Hochmut und Kleingeist, aus Provinzialität und Überheblichkeit“. Er warf den Abgeordneten zugleich „Respektlosigkeit“ gegenüber dem Bundestagspräsidenten vor, der den Papst im Namen des Parlaments eingeladen habe. Friedrich sagte, die Rede Benedikts im Bundestag biete „eine große Chance für uns, innezuhalten und uns auf das Grundsätzliche zu besinnen“. Der Papst gebe den Menschen mit der christlichen Botschaft Hoffnung.

Politiker von SPD und Grünen wiesen die Kritik scharf zurück. „Es ist nicht Aufgabe von Mitgliedern der Bundesregierung, Mitgliedern des Bundestages Verhaltenshinweise zu geben“, sagte SPD-Fraktionsvorstandsmitglied Sebastian Edathy Handelsblatt Online. „Der Papst ist zwar offizieller Gast des Bundestages, daraus ergibt sich aber keine Pflicht frei gewählter Abgeordneter, seiner Rede beizuwohnen.“

Er selber werde aus „persönlichem Höflichkeitsempfinden“ im Plenarsaal sein, sagte Edathy. Er habe aber Respekt davor, dass manche Abgeordnete sich aus anderen Motiven anders verhalten wollten. Mit Blick auf Friedrich fügte der SPD-Innenpolitiker hinzu: „Pharisäerhafte Kritik wäre übrigens zutiefst unchristlich.“

Ähnlich äußerte sich der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck. „Ich verstehe den Zinnober um die Kritik an der Papstrede nicht. Herr Friedrich sollte mal einen Gang herunterschalten“, sagte Beck Handelsblatt Online. Die Grünen würden dem Bischof von Rom morgen mit dem notwendigen Respekt begegnen. „Abgeordnete, die ihren Respekt mit ihrer Abstinenz ausdrücken wollen, dürfen das. Das gehört zur Freiheit des Mandates und ist zu respektieren“, betonte Beck.

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  • leider lese ich das spät, aber der dalai lama wurde auch empfangen...sind nicht alle menschen gleich?

  • Es handelt sich hier nicht um einen Staatsbesuch, sondern um den Besuch des Oberhauptes einer Religionsgemeinschaft; die zwischenstaatlichen Beziehungen (zwischen Deutschland und dem Vatikan) sind meines Wissens nicht Anlaß dieser Reise und/ oder Inhalt der Rede und wären von religiösen Themen strikt zu trennen. Dies ist keine Frage von Respekt, sondern der grundgesetzlich festgelegten, weltanschaulichen Neutralität des Staates.

  • Die Wachsfigur von Papst Benedikt XVI. aus Madame Tussauds in Berlin in einem Sightseeingbus.
    Quelle: dpa"

    Alle Achtung für Madame Tussaud - Das Bild wirkt lebensecht!
    Der zielgerichtete großinquisitorische Blick mit jenem "sinnlistig gezwungenen " Lächeln zwischen den Zähnen. Ja - genau so , stellte ich mir in der Jugendzeit die Inquisition vor.

    Aber Schwamm drüber - wenn es hier weiter heißt :

    Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zu harscher Kritik veranlasste:

    Dass einzelne Parlamentarier der Papst-Rede fernbleiben wollen, zeige „eine Mischung aus Hochmut und Kleingeist, aus Provinzialität und Überheblichkeit“.

    Ja , der Hans-Peter hat recht - die Stimme gehört unbedingt dazu, um sich ein vollständiges Bild machen zu können.

    Denn wie sollte man sonst urteilen, wenn es heißt:

    Protestant Gröhe betonte, es habe „schreckliche Vorfälle“ gegeben. „Aber die katholische Kirche arbeitet diese Vorfälle und auch eigene Fehler entschieden auf.“

    Warum die "Kinderschändungsfälle" seinerzeit nur sehr schleppend in Gang gekommen sind.
    Aber wahrscheinlich hat der Papst nicht grade vor , ausgerechnet vor dem Parlament sich einer Beichte zu unterziehen. Auch wenn das Parlament die "Instrumente" der Inquisition durchaus mit Worten ersetzen könnte?

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