Streit um Schröder-Job
Gazprom vermutet gezielte Attacke

Gazprom mischt sich in den Streit um Schröders Wechsel in den russischen Energiekonzern ein: Die Unternehmensführung wies die Kritik am Engagement des Altkanzlers scharf zurück und warnte vor dem Versuch, das Projekt zu verhindern. Gleichzeitig lüftete sie das Geheimnis um Schröders künftige Aufgaben.

HB BERLIN. Gazprom vermutet hinter der heftigen Kritik an der Bestellung von Altkanzler Gerhard Schröder zum Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft der neuen Ostseepipeline Gegner des Vorhabens. Gasprom-Vizechef Alexander Medwedew sprach in Berlin von Hysterie in der öffentlichen Diskussion, die nur als Vorwand diene, „dieses Projekt zu torpedieren“.

Schröder solle Chef des „Rats der Aktionäre“ der in der Schweiz angesiedelten Betreibergesellschaft werden. Er habe Aufgaben, die teils denen eines Aufsichtsrates, teils auch denen eines Vorstands entsprächen. Danach ist der Altkanzler nicht nur Chefaufseher, sondern auch mit für das operative Geschäft zuständig. Er selbst wisse derzeit nicht, wie die Position bezahlt werde. Daher sei davon auszugehen, „dass Herr Schröder das auch nicht wissen kann“.

Medwedew begründete die Entscheidung für den Exkanzler mit der Einbeziehung Europas in die geplante Ostseepipeline. „Dazu gehört auch die Kontaktaufnahme zu den Organen der Europäischen Union“, erklärte er. Schröder sei ein Mann, der gerade in diesen Zusammenhängen akzeptiert und in der Lage sei, sich darin zu bewegen. Einen besseren Kandidaten habe man nicht finden können. Zum Zeitpunkt der Bestellung Schröders kurz nach dem Ende seiner Amtszeit als Kanzler erklärte Medwedew, Ziel sei es, mit der neuen Gesellschaft möglichst schnell starten zu können. „Wir haben nicht Zeit, noch ein halbes Jahr zuzuwarten.“ Die Organe der Gesellschaft müssten schnell handlungsfähig sein.

Stichwort: Die Ostsee-Gaspipeline

Die Union verschärfte indes ihre Angriffe auf Schröder. „Die Karten müssen auf den Tisch“, forderte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer. Die Wechsel Schröders sei kein Problem der Regierung oder der Union, „sondern das der SPD“. Schröder müsse sich fragen lassen, ob er noch in seiner Zeit als Kanzler entsprechende Abmachungen mit dem Konsortium getroffen habe.

Nach Ansicht von Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) ist Schröders Verhalten einmalig. Kein ehemaliger Kanzler vor ihm habe einen solchen herausgehobenen Posten bei einem Unternehmen angenommen, das mehrheitlich in der Hand einer ausländischen Macht sei, sagte er im Fernsehsender n-tv. „Es war politisch instinktlos. So etwas tut man nicht“, sagte der Unions-Politiker.

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