Streit um überhöhte Abfindungen
Wirtschaft empört über Merkels Managerschelte

Die Reaktion folgte prompt: Mit deutlichen Worten hat DIHK-Präsident Braun die Kritik von Angela Merkel an zu hohen Manager-Gehältern zurückgewiesen. Er richtete eine klare Botschaft an die Kanzlerin.

HB BERLIN. „Die Politik sollte sich da raushalten“, sagte Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun, der Frankfurter Rundschau. Eine pauschale Managerschelte sei ebenso verfehlt wie eine generelle Politikerschelte. Letztlich müssten die Aufsichtsräte entscheiden, welche Gehälter die Unternehmen zahlen wollten, um die besten Manager für sich zu gewinnen, erklärte Braun.

Auch der Verband der Familienunternehmer in Deutschland wies die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück. „Die Kritik der Kanzlerin ist zu pauschal und undifferenziert“, erklärte Verbandspräsident Patrick Adenauer. Damit fördere sie ein negatives gesellschaftliches Bild vom verantwortungslosen Unternehmer. Insbesondere vermisste Adenauer eine Unterscheidung zwischen Manager und Unternehmer. „Manager sind Angestellte, die vom Kapitalmarkt getrieben oft nur in Quartalen denken und kurzfristig Ergebnisse optimieren“, schrieb er. Familien- und Eigentümerunternehmer dagegen hafteten mit dem gesamten Vermögen für ihr Unternehmen und reinvestierten oft ihre Gewinne, um das langfristige Überleben ihrer Unternehmen zu sichern.

Merkel hatte in ihrer Auftaktrede des CDU-Bundesparteitag am Montag hohe Abfindungen für gescheiterte Manager scharf kritisiert. „Wenn das Versagen von Spitzenkräften mit Fantasieabfindungen vergoldet wird, dann untergräbt das das Vertrauen in das soziale Gleichgewicht unseres Landes“, erklärte Merkel. Mit Gesetzen lasse sich dagegen allerdings kaum etwas erreichen, fügte sie hinzu.

Es untergrabe das Vertrauen in das soziale Gleichgewicht des Landes, wenn ein Abschied vergoldet werde. Liebe „Aufsichtsräte, glauben Sie, Ihre Mitarbeiter lesen keine Zeitungen oder beherrschen die Grundrechenarten nicht?“, fragte Merkel rhetorisch.

Bundespräsident Horst Köhler hatte zuletzt mit kritischen Äußerungen eine neue Diskussion über die Bezüge von Managern in einem » Handelsblatt-Interview angestoßen. Er sagte: „Gefragt sind aufmerksame und verantwortungsbewusste Aufsichtsräte und Aktionäre. Sie haben dafür zu sorgen, dass Manager in ihren Einkommensvorstellungen nicht die Bodenhaftung verlieren. Falls die Aufsichtsräte dies nicht sehen, muss man es offen ansprechen.“

Merkel fügte in ihrer gestrigen Rede hinzu, offenbar werde in Deutschland nach dem Grundsatz verfahren, wenn ein amerikanischer Autoboss das Hundertfache seiner Arbeiter verdiene, müssten auch die deutschen Managergehälter entsprechend angehoben werden, sagte Merkel. Dem hielt sie die Einkommen der Manager japanischer Automobilkonzerne entgegen. „Dort verdient der Chef nur ungefähr das Zwanzigfache eines Arbeiters“, sagte die Kanzlerin.

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) sprach sich dafür aus, dass Abfindungen nicht weiterhin als Betriebsausgaben steuermindernd geltend gemacht werden können. Eine solche Änderung der Steuergesetze sollte im Rahmen des verfassungsrechtlich Möglichen erfolgen, wenn Unternehmen „selbst nicht der Lage sind, Riegel gegen überhöhte Abfindungen vorzuschieben“, sagte Müller der „Saarbrücker Zeitung“. Er kritisierte, bei „Großunternehmen haben wir nicht hinnehmbare Tatbestände“.

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