Streitthema Altersteilzeit
Kannegiesser: Konfliktkurs der IG Metall „unseriös“

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat die IG Metall wegen ihrer Konfliktstrategie beim Thema Altersteilzeit scharf kritisiert. Dass die IG Metall dabei nun sogar zu Warnstreiks greife, sei „unseriös und der Sache nicht dienlich“, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser dem Handelsblatt. In der Nacht war die Warnstreikwelle in der Metallbranche angerollt.

BERLIN. "Wir haben dafür gerade bei der Regelung des flexiblen Übergangs in den Ruhestand kein Verständnis." Bei der IG Metall gerate derzeit "fast jedes Thema zur Kampagne" für Mitgliederwerbung, beklagte er. Auch die Arbeitgeber seien weiterhin an tariflichen Regelungen für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsleben interessiert, betonte Kannegiesser: "Wir wollen die Möglichkeit zum flexiblen Übergang erhalten, speziell für solche Arbeitnehmer, die nicht mehr können, ohne formal erwerbsunfähig zu sein", betonte der Gesamtmetall-Chef. "In bestimmten besonders belasteten Tätigkeiten ist Arbeit bis zur Regelaltersgrenze weder sinnvoll noch zumutbar". Allerdings sei dazu ein "neuer Finanzierungsmix" erforderlich, der die Lasten nicht allein den Betrieben aufbürde.

Wegen des Streits um eine neue Regelung für Altersteilzeit in der Metall- und Elektroindustrie hatten in der Nacht zum Mittwoch mehrere hundert Beschäftigte in Baden-Württemberg ihr Arbeit niedergelegt.

Nach Ablauf der Friedenspflicht seien Mitarbeiter von Daimler in Esslingen und Bosch in Stuttgart in den Ausstand getreten, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft IG Metall. Im Laufe des Tages wollten mehrere tausend Beschäftigte in Baden-Württemberg, darunter auch bei Audi in Neckarsulm, folgen. Die Warnstreiks sollen bis Freitag fortgesetzt werden.

Die in Baden-Württemberg stellvertretend für die ganze Branche geführten Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall verlaufen schleppend. Während Südwestmetall nur noch Ausnahmefälle zulassen will, will die Gewerkschaft die Altersteilzeit noch attraktiver machen.

Die derzeitige Altersteilzeitregelung läuft im kommenden Jahr aus. Die nächste Verhandlungsrunde ist am 9. Juni in Böblingen geplant. Am 12. Juni will die Gewerkschaft IG Metall über ihr weiteres Fortgehen beraten. Danach könnten die Warnstreiks auf die ganze Branche ausgeweitet werden.

Die ab 2010 auslaufende Förderung der Altersteilzeit durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) zu verlängern, lehnte Kannegiesser als Ausweg ab. Die bisherige Regelung habe in den 90er-Jahren darauf gezielt, dass Ältere ihre Arbeitsplätze für Jüngere frei machten. Dieser Ansatz sei angesichts der geänderten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr zeitgemäß.

Der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann warf den Arbeitgebern dagegen vor, sie hätten in den Tarifgesprächen bisher gar keine "belastbaren Vorschläge" gemacht und warnte sie vor einer Verschleppungtaktitk. "Wenn die IG Metall ab September ihre Tarifforderung für 2008/2009 vorbereitet, wird der Erwartungsdruck unserer Mitglieder ohnehin schon enorm sein", sagte Hofmann dem Handelsblatt. "Sollte das Thema Altersteilzeit dann nicht geklärt sein, würde dieser Druck mit Sicherheit noch drastisch steigen." Die Verhandlungen zur Altersteilzeit sollen im Südwesten am Montag fortgesetzt werden.

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