Stromengpass im Winter
EnBW-Chef hält nichts von Atom-Kaltreserve

Der Chef des Energieversorgers EnBW, Hans-Peter Villis, rät davon ab, ein Kernkraftwerk als Reserve für Stromengpässe zu halten. Der Grund: zu hohe Kosten, zu lange Anlaufzeiten.
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BerlinDer Chef des Energieversorgers EnBW, Hans-Peter Villis, hält ein Kernkraftwerk als mögliche Reserve für Stromengpässe im Winter für wenig sinnvoll. „Ich rate eigentlich davon ab, das zu machen“, sagte Villis am Montag in Berlin. Die Bundesnetzagentur analysiert derzeit, welche konventionellen Kraftwerke als Reserven zur Verfügung stehen und ob man wirklich bis 2013 eines der acht abgeschalteten AKW in „Stand By“ halten muss.

Der EnBW-Meiler Philippsburg I in Baden-Württemberg gilt als möglicher Kandidat hierfür. Villis betonte, zur Zeit würde es unter atomaufsichtlichen Gesichtspunkten rund 14 Tagen dauern, bis ein solches Kernkraftwerk wieder Strom liefern könnte. Zudem müssten die kompletten Mannschaften im Einsatz bleiben. „Das verursacht jährliche Kosten, die sicher im zweistelligen Millionenbereich liegen.“ Fakt sei aber, dass das Stromnetz nach dem Aus für acht Kernkraftwerke unter erheblichem Stress stehe.

Der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers, an dem das grün-rot regierte Baden-Württemberg beteiligt ist, betonte, dass man die Herausforderungen der Energiewende annehme. „Wir waren in der Vergangenheit sehr atomlastig, was die Erzeugung betrifft und sind daher mit am stärksten von der Energiewende betroffen“, sagte Villis. „Aber wir akzeptieren: Es gibt das Primat der Politik und der Gesellschaft.“ Man baue nach Baltic I einen zweiten Offshore-Windpark und lote zudem neue Möglichkeiten bei Windkraft an Land aus.

Aber insgesamt sei der Windertrag in Süddeutschland etwa 10 bis 15 Prozent geringer als im Norden. Es sei sehr ambitioniert, wenn die Landesregierung der Windstrom-Anteil in Baden-Württemberg von 0,1 Prozent bis 2020 auf zehn Prozent steigern wolle. Hinzu kämen Milliardeninvestitionen in neue Pumpspeicherkraftwerke. Aber ein Ergebniseinbruch von 25 bis 30 Prozent durch die Atomentscheidungen schränke Investitionsmöglichkeiten insgesamt stark ein.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • „Aber wir akzeptieren: Es gibt das Primat der Politik und der Gesellschaft.“

    Ein SED-Parteisektretär hätte es nicht schöner sagen können.

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