Studentenproteste
Schavan kündigt überraschend Bafög-Erhöhung an

Mehrere Zehntausend Studenten und Schüler haben am Dienstag in über 50 Hochschulstädten für bessere Lernbedingungen in Schulen und Universitäten demonstriert. Die Studentenproteste zeigen Wirkung: Bildungsministerin Annette Schavan gibt „handwerkliche Fehler“ bei der Hochschulreform zu und zieht Konsequenzen.
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HB BERLIN. Schwerpunkte waren München, Berlin, Freiburg und Köln, wo sich nach Polizeiangaben jeweils weit mehr als 5 000 junge Menschen versammelten. Die Gewerkschaften sowie die Oppositionsparteien SPD, Grüne und Linke unterstützten den Protest. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte überraschend entgegen ihrer bisherigen Planung eine Bafög-Erhöhung an. Die SPD forderte einen Verzicht auf die in unionsgeführten Bundesländern erhobenen Studiengebühren.

Der Protest der Studenten richtet sich vor allem gegen die Stofffülle und gegen die Studienbedingungen in den neuen Bachelor-Studiengängen. Viele Hochschulen hätten es versäumt, die Studieninhalte den erheblich verkürzten Studienzeiten anzupassen. Auch lasse die straffe Organisation des Studiums keinen Freiraum, um noch nebenher Geld für Studiengebühren zu verdienen. Schavan (CDU) räumte im Deutschlandfunk „handwerkliche Fehler“ bei der Einführung der neuen Studiengänge ein. Bund und Länder würden gemeinsam für Verbesserungen sorgen, sagte sie. Der Präsident der Kultusminister, Henry Tesch (CDU) aus Mecklenburg-Vorpommern, sagte im WDR, die Länderminister hätten bereits Veränderungen beschlossen, die nun von den Hochschulen umgesetzt werden müssten.

Schavan, die erst vor zwei Wochen eine Bafög-Erhöhung für die nächste Zeit ausgeschlossen hatte, sagte der „Berliner Zeitung“: „Ich halte eine Bafög-Erhöhung für richtig und werde sie den Ländern und dem Bundeskabinett vorschlagen.“ Union und FDP hatten sich bei ihren Koalitionsverhandlungen bisher nur auf die Anhebung der Bafög-Altersgrenze auf über 30 Jahre verständigt, um auch ältere Studierende nach einer Berufsausbildung fördern zu können.

Die Schüler forderten bei den Protesten die Überarbeitung der Lehrpläne nach der Schulzeitverkürzung von neun auf acht Jahre bis zum Abitur. Mit Trommeln und Trillerpfeifen machten die Demonstranten ihrem Unmut in vielen Städten Luft. Vielfach wurden sie auch von Lehrern und Hochschuldozenten unterstützt. „Bei den Banken sind sie fix, für die Bildung tun sie nix“, hieß es auf Transparenten in Essen.

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  • Was den Studenten heute fehlt ist, sich so zu orgeniseiren, dass diese sich in Massen vor das bundesparlament sowie vor das Schavan- Ministerium
    stellen (eine Woche Tag und Nacht), um sich nicht besänftigen zu lassen. Mutti Merkel und Oma Schavan
    würden dann vielleicht nachdenklicher. Studenten fehlt der Einfallsreichtum, den die 68-er hatten.
    Das kommt aber bald wieder.

  • Vor etwa zwei Jahren schrieb ich Frau Schavan an und machte ihr den Vorschlag 500 Mio. Euro in ihrem
    Haushalt einzusparen, o h n e dass Personen entlassen werden müssen und o h n e die deutschen Forschungsziele einzugrenzen. Aufgrund meiner Erfahrung in Forschungsinstituten beobachtete ich,
    dass dies möglich ist. Deshalb habe ich ihr meine
    freiberufliche Mitarbeit angeboten. bis heute hat
    sie nicht einmal auf meinen brief geantwortet. Sie
    mag wohl von Vielem in der Politik etwas verstehen und hat sicherlich Einiges bewegt. Allerdings von
    Forschungspolitik versteht diese CDU Politikerin
    nicht sehr viel, wenn Sie solche Angebote zumindest nicht einmal hinterfragt. Die Studenten geben ihr
    ja einige Hausaufgaben in der bildungspolitik auf.
    Zu Recht wie ich meine. Hoffentlich hört sie da auf
    Fachkompetenz. Unglaublich, einer solchen CDU- OMA
    ein solches Ministerium zu übertragen. Merkel als Physikerin sollte deshalb mehr Gespür haben. Als
    Leiterin der Konrad Adenauerstiftung hätte Frau
    Schavan sicherlich effektiver arbeiten können.

    Horst balonier, Pfungstadt

  • Ja, die roten Fahnen bei den Studentenunruhen machen den Herrschenden schon Angst.Das Labern der Politiker hilft bei solchen gebildeten Menschen auch nicht mehr weiter.
    Und so lässt man die Polizei schon mal in eine friedliche Demonstration schlagen:

    http://www.youtube.com/watch?v=GcPXVHn0SKg
    http://www.youtube.com/watch?v=88HGa_5h-8E&feature=related

    Schade das dies nicht China ist, da könnte man ununterbrochen berichten und über dieses System wettern. Hier ist das natürlich ganz anders...
    Hie sind bestimmt die Studenten Schuld.

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