Studie
2015 fehlen Deuschland drei Millionen Arbeitskräfte

Der Mangel an Fachkräften wird das Kernproblem des Aufschwungs. Nach einer Prognos-Studie fehlen schon 2015 fast drei Millionen Mitarbeiter - trotz Jahrhundert-Krise.
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BERLIN. Deutschland steuert auf einen massiven Personalmangel zu - daran ändert auch die Krise so gut wie nichts. Schon im Jahr 2015 werden dem Arbeitsmarkt fast drei Millionen Arbeitskräfte fehlen. Das ist das Ergebnis einer angesichts des Konjunktureinbruchs neu berechneten Studie der Prognos AG zur "Arbeitslandschaft 2030" für die Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft (vbw). Die Studie liegt dem Handelsblatt vor.

Dass auch der größte wirtschaftliche Einbruch in der Geschichte der Bundesrepublik daran wenig ändert, "ist mehr als erstaunlich", meint der Hauptgeschäftsführer des vbw, Bertram Brossardt. "Bisher wollte sich kaum jemand damit beschäftigen, doch wir müssen uns auf einen Mangel an Arbeitskräften in nie gekannter Form einrichten." Bis 2030 werde die Lücke sogar auf gut fünf Millionen anwachsen. Kumuliert würde das einen Wohlstandsverlust von 3,8 Billionen Euro bedeuten.

Mangel an Hochqualifizierten noch verstärkt

"Der Mangel gilt für alle Ebenen, von den Ungelernten bis zu den Akademikern. Wir werden selbst bei Berufsgruppen wie Juristen und Lehrern großen Mangel haben", sagt Brossardt. Gegenüber dem ursprünglichen Szenario, das Prognos 2008 vorlegte, ist aber vor allem der Bedarf an Hochqualifizierten noch gestiegen. "Das liegt daran, dass die Krise den Strukturwandel beschleunigt, dass also weniger einfachere Qualifikationen gebraucht werden", so Brossardt.

Konkret fehlen nach der Prognose 2015 gut eine Million Fachkräfte mit Hochschulabschluss - 180 000 mehr als die Ökonomen vor dem Einbruch für das gleiche Jahr erwarteten. Für Beschäftigte mit Berufsausbildung wird die Lücke nach wie vor auf 1,3 Millionen geschätzt. Und selbst von den Arbeitskräften ohne Berufsausbildung werden den Unternehmen 2015 rund 550 000 fehlen.

Das alles gilt für den Fall, dass die Krise ab 2010 abflaut und das Bruttoinlandsprodukt 2013/14 wieder das Niveau von 2008 erreicht. Lässt der Aufschwung mehrere Jahre auf sich warten, würde die Arbeitskräftelücke zwar abnehmen - allerdings nur auf insgesamt 2,4 Millionen Kräfte im Jahr 2015.

Im Sommer hatte eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft vorhergesagt, dass im Jahr 2012 insgesamt 220 000 Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker fehlen, bis 2020 wächst diese Zahl auf 425 000. Selbst ganz aktuell, mitten in der Krise, meldet der Verein Deutscher Ingenieure eine Lücke von bereits 25 000 Ingenieuren.

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Kommentare zu " Studie: 2015 fehlen Deuschland drei Millionen Arbeitskräfte"

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  • i. Kant hat die große, geistige und abendländische Tradition der Spekulation, Ethik sowie der ideale und Werte unterbrochen. Somit wurde dem Materialismus der boden bereitet. Die "Rational Choice Theorie" ist die Prämisse für Akteure und Strukturen im 21 Jh.. Wir sollten daran Arbeiten das unser Primat des Geistes wieder bedingung erlangt und der Entfremdung entgegenwirkt (K. Marx). Somit untergraben wir das Kalkühl von Politik und industrie. Und dann bekommen wir auch wieder einen Job!

  • Die Zahlen, die hier durch die Presse geistern, sind Folge vollkommen unzulässiger Hochrechungen, wie sie leider gerade vom institut für Wirtschaft schon vielfach fabriziert wurden.


    Wir haben derzeit gut 600.000 ingenieure in Deutschland, wie können da demnächst 200.000 fehlen? Gehen 1/3 davon in den nächsten Jahren in Rente? Und selbst wenn dort Unmengen von 60-jährigen Rentenanwärter sitzen, steckt hier wieder einmal der Denkfehler in der Annahme, dass alle ausscheidenden Mitarbeiter ersetzt werden müssen. Das ist mitnichten der Fall. Tatsächlich schrumpft die Wirtschaft mit der bevölkerung ebenfalls ab und die Zahl der Fachkräfte dank Auslagerung sogar noch stärker. Dies beweist die seit Jahren rückläufige Zahl von ingenieuren.

    Überall wird so getan, als säßen die Firmen auf hundertausenden von alten Mitarbeitern, die in die Rente verschwinden und gewaltige Lücken hinterlassen. Haben sie sich mal umgesehen, wie das Alterspektrum unter ingenieuren tatsächlich aussieht und was die tun? Die Älteren arbeiten nicht an den aktuellen Projekten sondern stehen schon lange auf dem Abstellgleis. Als Projektleiter in der industrieautomation habe ich da einen guten Überlbick über unsere Zulieferer und Abnehmner. Die meisten Großfirmen, die die hier besagten ingenieure und Techniker beschäftigen, tun den ganzen Tag nichts anderes, als genau zu schauen, wen man überhaupt noch irgendwie braucht und wie lange, bis man ihn in die Rente entlassen kann. Diese Überlegungen gehen immer mehr so aus, dass man viele eher früher raus hätte, als später und meistens ist es der betriebsrat, der dagegen hält. Diejenigen, die kurz vor Toresschluss stehen, werden dann eben noch für einfache Dinge eingesetzt, statt sie mit hohen Abfindungen gehen zu lassen. Die Angelegenheit wird so gesteuert, dass gerade kein Mangel entsteht, wer zuviel ist, kann / muss gehen. "Sinkflug" wurde das kürzlich sehr treffend beschrieben.

  • ber beitrag von Hern Kreutz bringt es auf den Punkt. Die Studie ist unfassbar. Wir selbst stellen detailierte berechungen zu diesen Themen an und wir können ein solches Wachstum / Mangel nicht einmal für den winzigen Kreis von Fachkräften bestätigen. Tatsächlich wird der Mehrbedarf von informatikern und ingenieren sowie Facharbeitern im bereich von 2-3% pro Jahr veranschlagt, vorausgesetzt, daß die Wirtschaft bis 2015 um 10% wächst, was realistisch ist. Der Fachkräftebeadarf kann unserer Einschätzung zufolge durch die Absolventen bereits leicht übererfüllt werden, sollte es in Zukunft bei dem selben Ausmass bei der Auslagerung von Entwicklung und Produktion bleiben, wie bisher. Sollte sich dieser aber Verstärken, kann er nicht mehr durch das alleinige Ausscheiden von älteren Mitarbeitern in Rente gelöst werden, sondern es erfolgt weiterer Abbau im Mittelbereich und reduzierte Einstellung. So 30% der Absolventen von Technik, Naturwissenschaften und ingenieursstudiengängen nicht im beruf werden arbeiten können.

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