Studie
Euro-Krise ist die größte Angst der Deutschen

Deutschland steht wirtschaftlich vergleichsweise gut da. Das scheint sich aber nicht aufs Gemüt auszuwirken: Laut einer Studie haben die Deutschen vor allem finanzielle Sorgen. Andere Ängste spielen kaum eine Rolle.
  • 78

BerlinVor allem die Euro-Krise jagt den Deutschen derzeit am meisten Angst ein. Immer größer wird zugleich die Sorge, im Alter ein Pflegefall zu werden - im Vergleich zum Vorjahr ist diese Furcht am stärksten gewachsen. Das geht aus der jährlichen repräsentativen Umfrage der „R+V Versicherung“ zu den Ängsten der Deutschen hervor. Die Studie wurde am Donnerstag in Berlin vorgestellt. Die Versicherung befragt jedes Jahr rund 2400 Bundesbürger zu ihren Ängsten.

Demnach fürchten in diesem Jahr rund zwei Drittel der Bundesbürger (68 Prozent), als Steuerzahler heftig für die Schuldenkrise bluten zu müssen. Im Vergleich zum Vorjahr sank diese Angst aber um fünf Prozent. 55 Prozent bangen, einmal ein Pflegefall zu werden - insbesondere Frauen. 2012 waren es noch 50 Prozent. Das Problem dabei: Bis jetzt hat jede dritte Frau noch keinen einzigen Cent in eine eigene Altersvorsorge eingezahlt.

Trotz dieser Ängste halten viele Bundesbürger die Politiker für kompetent genug, um Krisen und Probleme im Land zu meistern. In früheren Wahljahren waren die Umfragewerte in dieser Frage regelmäßig in den Keller gesackt. Mit 45 Prozent hält nun aber weniger als die Hälfte der Befragten Politiker für überfordert. Das ist der niedrigste Wert seit 2001. Vergangenes Jahr waren es noch 55 Prozent. Politologen erklären diesen Trend damit, dass viele Befragte die wirtschaftliche Lage Deutschlands im Moment als positiv einschätzen - und andere Ängste davon trennen.

Neben der Euro-Schuldenkrise machen sich die Deutschen auf der Liste ihrer Top-Ängste die größten Sorgen um steigende Lebenshaltungskosten (61 Prozent) wie Strom, Lebensmittelpreise und Mieten. Danach folgt die Angst vor Naturkatastrophen (56 Prozent) - Tribut an den Hochwassersommer. Die geringste Angst haben die Bürger vor Scheidung, Straftaten und Vereinsamung. Die Syrien-Krise hat die Angst vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung nur leicht ansteigen lassen - von 29 auf 32 Prozent.

Auffällig bleibt aber, dass die Ängste der Deutschen stark um das Thema wirtschaftliche und soziale Sicherheit kreisen - mehr als in anderen Ländern. Aus der Luft gegriffen seien diese Sorgen nicht, sagt Manfred Schmidt, Politologe an der Universität Heidelberg. „Die Deutschen haben ein Gespür für die Großwetterlage und neigen zu einer realistischen Bestandsaufnahme“, ergänzt er. Auch wenn die Euro-Krise im laufenden Wahlkampf keine große Rolle spiele, sähen die Bundesbürger nicht einfach über ihre Risiken hinweg.

Zum ersten Mal geben sich die Ostdeutschen in der Befragung auch nicht mehr ängstlicher als der Westen. Die optimistischsten Bundesbürger leben in Berlin und Thüringen, die pessimistischsten in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Bayern.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Studie: Euro-Krise ist die größte Angst der Deutschen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die politische „Elite“ in Berlin neigt dazu, die Menschen im Land, die sie regieren, wie naive und unmündige Kinder zu behandeln.

    Sie wollen uns glauben machen, dass ökonomische und politische Entscheidungen von Personen vorgenommen werden müssen, die es besser wissen.

    Wenn die nun erkennbaren desaströsen Folgen der politischen Fehlentscheidungen der Regierung bittere Realität werden, wird man vergeblich nach den einstigen „Kapitänen“ der „Supertitanic“ Deutschland suchen.

    Es ist deshalb Aufgabe der Wähler, dieser Art von unerträglicher politischer Arroganz, die die Risiken der Euro-Schuldenkrise herunterspielt, am 22.09. einen gehörigen Denkzettel zu verpassen.

    Deutschland braucht wieder eine „Countervailing Power“ im Parlament, die den schwarzen, roten, grünen und gelben „Prinzlingen“ in ihrem destruktiven Machthunger Einhalt gebietet.

    Deutschland hat unter Merkel seine Opposition verloren. Geben Sie mit ihrer Stimme am 22.09. dem Land die Chance zurück, eine wirksame und glaubwürdige Opposition im Bundestag zu etablieren.

    Die „Alternative für Deutschland“ bietet zurzeit die beste Gewähr, für die Interessen der Bürger dieses Landes in diesem Sinne einzutreten.


  • Bereitet HB Redaktion sich bereits auf die aufbrechende Schuldenkrise mit Währungsschnitt vor?.

    Der desinformativ ruhiggestellte "europäische Währungsdepp" muckt doch gar nicht auf.
    Zeigt nur kleine Bedenken, glattgebügelt von hier agierenden "Reichspressevertretern" ( Versuche ).

    Der "shitstorm" kommt. "Macher" zur Lösung nicht in Sicht, Zentralbanker weltweit reiten weiter sich selbst und uns ins Uferlose.

  • Oh Mann, da war der Löschzug heute aber mal wieder gründlich unterwegs! (:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%