Studie
Flugbranche verlangt Ausbau der Drehkreuze

Im internationalen Luftverkehrswettbewerb ist Deutschland nach einer aktuellen Studie der Initiative Luftverkehr zwar derzeit noch sehr gut aufgestellt. Doch müssten laut Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber die Rahmenbedingungen verbessert werden, wenn Deutschland seine Position auch in Zukunft behaupten wolle. Hierzu gehört auch der Ausbau der Drehkreuze in Frankfurt und München.

BERLIN. Auch die vorübergehenden Einbrüche durch die aktuelle Wirtschaftskrise ändern nichts an der guten Aufstellung von Lufthansa, sagte am Donnerstag deren Chef Wolfgang Mayrhuber bei der Vorstellung einer unter Federführung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt erstellten Expertise.

Die Initiative Luftverkehr, die 2003 von der Deutschen Flugsicherung GmbH, dem Münchener Flughafen und der Lufthansa gegründet wurde, drängt vor allem auf eine zügige Umsetzung des Flughafenkonzepts von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), der Schirmherr der Initiative ist. „Wir brauchen den weiteren Ausbau der Drehkreuze wie Frankfurt und München.“ Bestehende Wettbewerbsverzerrungen der großen Flughäfen gegenüber von den Ländern geförderten Regionalflughäfen müssten beseitigt werden, sagte der Coautor der Studie Johann-Dietrich Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Sein Flughafenkonzept, das genau dies vorsieht, hatte Tiefensee im Sommer vergangenen Jahres vorgestellt. Die Verabschiedung durch das Bundeskabinett scheiterte bislang aber an Widerständen aus dem Umweltministerium, dem vor allem die in dem Konzept geforderte Lockerung von Nachtflugverboten zu weit ging. Diese Widerstände seien nun ausgeräumt, hieß es am Donnerstag auf Anfrage im Ministerium. Das Konzept werde in wenigen Wochen vom Kabinett gebilligt werden.

Der Studie zufolge wird sich das weltweite Passagieraufkommen von 4,3 Milliarden im Jahr 2006 auf rund 9,7 Milliarden bis 2025 mehr als verdoppeln. Für die Luftfracht wird in diesem Zeitraum mit jährlichen Wachstumsraten von 5,8 Prozent gerechnet. Die höchsten Wachstumsraten werden für Afrika sowie den asiatisch-pazifischen Raum erwartet. So soll China 2020 die USA als weltweit größter Luftverkehrsmarkt ablösen. Für Europa wird bis 2025 ein jährliches Wachstum von 3,6 Prozent im Passagierverkehr auf 2,6 Mrd. Passagiere erwartet.

Deutschland habe gute Chancen, überproportional an diesem Wachstum zu partizipieren, heißt es in der Studie. Dabei sieht Wörner es als entscheidenden Vorteil Deutschlands, dass es anders als Länder wie Frankreich und Großbritannien mit ihren Zentralflughäfen London und Paris über mehrere große Drehkreuze verfügt. Damit sei es besser als andere Luftverkehrsstandorte aufgestellt, um Flugverkehre zu bündeln.

Doch markiere die hohe Leistungsfähigkeit im Umsteigeverkehr auch den wunden Punkt des deutschen Standorts. Denn würden hier die Flugleistungen zu teuer angeboten oder der Kapazitätsausbau durch bürokratische Hemmnisse behindert, könne es zu Verlagerungen auf ausländische Flughäfen kommen. Die Folge wäre ein sinkendes Luftverkehrsangebot mit weniger Verbindungen und gravierenden Auswirkungen auf die Exportfähigkeit Deutschlands und den Arbeitsmarkt. Eine neue internationale Flugverbindung, so der Münchener Flughafenchef Michael Kerkloh, habe die gleichen Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum und Beschäftigung wie die Gründung eines neuen mittelständischen Unternehmens.

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