Stundenlöhne unter vier Euro
Verdi plant mehr Druck bei Mindestlöhnen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will zu Beginn des kommenden Jahres stärker auf Union und SPD einwirken, um die Einführung gesetzlicher Mindestlöhne zu forcieren.

HB BERLIN. „Ich erwarte von der Koalition belastbare Schritte, die den freien Fall der Löhne nach unten aufhalten“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske in einem Interview. „Wir stehen als Gewerkschaft dafür, dass Arbeit nicht arm machen darf.“

Zusammen mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will Verdi zu Beginn des neuen Jahres auf die von Armutslöhnen betroffenen Branchen aufmerksam machen und für einen gesetzlichen Mindestlohn kämpfen. „Wir werden den Druck auf SPD und Union erhöhen“, sagte Bsirske. Er erinnerte die SPD an ihr Wahlversprechen, sich für eine Mindestlohnregelung einzusetzen.

Bsirske verwies auf Branchen wie die Abfallentsorgung, wo es mittlerweile Unternehmen gibt, die Stundenlöhne unter vier Euro zahlen. „Das zeigt, wie dringend eine Grenze nach unten gebraucht wird und wie notwendig es ist, das Entsendegesetz auf Branchen wie die Abfallentsorgung und das Bewachungsgewerbe auszudehnen“, unterstrich er.

Bsirske sprach sich zudem gegen eine generelle Öffnung von Tarifverträgen für betriebliche Bündnisse aus. „Das halte ich für einen definitiv falschen Weg“, betonte er. Die Gewerkschaften hätten bereits in zahlreichen Fällen ihre Bereitschaft für tragfähige Lösungen gezeigt, wenn sich Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden. „Aber per Tarifvertrag einen Persilschein dafür zu geben, Betriebsräte zu erpressen, ist falsch“, sagte Bsirske.

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