Deutschland
Sturm der Entrüstung gegen Rentenpläne

Mit ihrer Ankündigung, die Deutschen in absehbarer Zeit bis zur vollen Rente länger arbeiten zu lassen, haben Union und SPD bei Gewerkschaften, Sozialverbänden und linker Opposition wütende Proteste ausgelöst. Die designierte Bundeskanzlerin Merkel ist derweil bemüht, die Gemüter zu beruhigen. Sie bekräftigte, von einer Anhebung der Altersgrenze wären erst die Jahrgänge ab 1970 betroffen.

HB BERLIN. Auch wenn der Schritt, das gesetzliche Renteneintrittsalter über die aktuelle Grenze von 65 auf 67 Jahre anzuheben, aktuell gar nicht ansteht, und das Ziel voraussichtlich erst im Jahr 2035 erreicht wird: Die Botschaft sorgte prompt für Verunsicherung und Besorgnis.

„Es wäre unverantwortlich, die Opfer einer rücksichtslosen Personalpolitik in den Unternehmen mit hohen Abschlägen bei der Rente zu bestrafen“, erklärte am Freitag die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ursula Engelen-Kefer. IG-Metall-Chef Jürgen Peters warf den künftigen Koalitionspartnern vor, die Beschäftigten sollten zwei Jahre länger arbeiten, aber weniger Rente bekommen. Nach Einschätzung des Rentenexperten Bernd Raffelhüschen geht es um eine „versteckte Rentenkürzung“, die aber notwendig sei.

Union und SPD hatten am Donnerstag nach der dritten Runde ihrer Koalitionsverhandlungen angekündigt, dass sie in den Jahren 2007/2008 über eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre entscheiden wollen. Müntefering hatte eine Anhebung als „wahrscheinliche Linie“ bezeichnet. Im Gespräch ist eine schrittweise Anhebung vom Jahr 2011 bis zum Jahr 2035. Wer dann mit 65 in Rente ginge, müsste Abschläge in Kauf nehmen. Derzeit vermindert sich die Rente um 3,6 % für jedes Jahr des Rentenbeginns vor 65.

Das Kernproblem sei nicht eine Frühverrentungsmentalität der Beschäftigten, „sondern ein knallharter Ausrangierungsprozess der Arbeitgeber zu Lasten der Älteren“, erklärte Engelen-Kefer. Die Beschäftigungsquote der über 55-Jährigen liege seit Jahren bei etwa 40 %. IG-Metall-Chef Peters sagte zur Rente ab 67, er halte das für kontraproduktiv: „Sinn ist nur, der arbeitet zwei Jahre länger und kriegt weniger.“

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