Suche nach Lösungen
Sarrazin-Streit löst Integrationsdebatte aus

Die Weichen sind gestellt, doch die Affäre Sarrazin ist noch nicht beendet. Bundesbanker hoffen auf eine rasches Urteil des Bundespräsidenten oder der Bundesregierung. Zugleich gewinnt die Debatte über Integration an Fahrt. Kanzlerin Merkel will verstärkte Integrationsbemühungen, die FDP warnt vor zu großen Erwartungen.
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DÜSSELDORF. Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagfraktion, Gisela Piltz, hat in der Diskussion über die Integration von Zuwanderern in Deutschland vor überzogenen Erwartungen gewarnt. „Integration erfordert einen steten Prozess zahlreicher, ineinander verzahnter Maßnahmen“, sagte Piltz Handelsblatt Online. „Ein Ei des Kolumbus wird man hier nicht finden, sondern es bedarf einer kontinuierlichen Arbeit.“

Gleichwohl schadeten die „unerträglich polemisierenden und diffamierenden Aussagen“ des Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin (SPD) einer vernünftigen und sachorientierten gesellschaftlichen Auseinandersetzung, fügte die FDP-Politikerin hinzu. Ziel müsse vor allem sein, die Chancen der Migranten auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe zu verbessern. „Daher ist es richtig, einen Fokus auf Spracherwerb und Bildung zu legen“, sagte Piltz. Integration in Deutschland dürfe nicht Assimilation heißen, sondern tolerantes und respektvolles Miteinander, auch in religiöser und weltanschaulicher Hinsicht. „Mit der Islamkonferenz, die von der Bundesregierung fortgeführt wird, wird hier der richtige Weg beschritten“, so Piltz weiter. „Soziale Probleme löst man am besten, indem man den Menschen wirtschaftliche Chancen auf Arbeit und selbstbestimmtes Leben eröffnet, das gilt für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen.“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte sich in der Debatte um Sarrazin vor die in Deutschland lebenden Türken gestellt, machte aber auch Fehlentwicklungen bei der Integration deutlich. „Man muss Probleme klar benennen, aber man darf Fortschritte auch nicht verschweigen“, sagte Merkel der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“ (Freitag). Für Deutschland sei es eine Schlüsselaufgabe, die Zuwanderer aktiv in die Gesellschaft hineinzuholen. „Aber in gleicher Weise erwarten wir natürlich, dass sie das auch wollen und sich aktiv darum bemühen.“ Ähnlich äußerte sich Bundespräsident Christian Wulff.

Die Bundesbanker hoffen nach dem Beschluss zum Rauswurf ihres Vorstandes Sarrazin auf eine rasche endgültige Entscheidung zur Zukunft des Polit-Provokateurs. Die Debatte über dessen eigenwillige Thesen zu Migranten und Zuwanderung hielt auch am Freitag an. Sarrazin droht neben seiner Entlassung als Notenbankvorstand weiterhin auch der Ausschluss aus der SPD.

Bundespräsident Wulff sagte der „Mainzer Allgemeinen Zeitung“: „Die Mehrzahl neu angekommener Bürger nimmt erfolgreich an Integrationskursen teil.“ Wulff mahnte: „Versäumte Anstrengungen bei der Integration müssen nachgeholt werden.“ Es müssten aber auch „klare Forderungen an Zuwanderer formuliert werden“. Die IG Metall forderte mehr Einsatz zur Eingliederung von Zuwanderern.

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  • @ Chris 3
    Sie liegen völlig daneben was die Arbeitskräfteanwerbung betrifft.

    "So hat sich - dank der Versäumnisse der Politik - erst eine Parallelgesellschaft entwickeln können!"

    Die haben sich erst nach dem Anwerbestop 1973 durch den "Familienzuzug" und Asyl für Kurden entwickelt. bis dahin waren ca. 500 - 750000 Türken im LAnd.

  • Den Kommentar von Herrn Fischer empfinde ich in mindestens einem Punkt als Diffamierung, wenn er nämlich von Menschen als "Altlasten" spricht. Die betroffene Gruppe wurde schießlich aus wirtschaft-lichen Gründen und ohne jede langfristige Perspek-tive bzw. integrationskonzepte zur Erledigung von "Drecksarbeit" in dieses tolerante Land geholt.
    So hat sich - dank der Versäumnisse der Politik - erst eine Parallelgesellschaft entwickeln können!

  • Ser Titel sagt es: "Sarrazin-Streit löst integrationsdebatte aus"

    Also gibt es scheinbar doch ein Problem. Nur muss vorher der Überbringer der Nachricht geköpft werden, damit die etablierten Politiker nicht so blöd da stehen. Jetzt stürzen sie sich drauf, als wären sie alleine darauf gekommen. Unsere Politiker überlegen sich jetzt schon, wie sie die fehlgeschlagene integrationspolitik zukünftig besser vertuschen können. Die Medien werden dafür helfend zu Seite stehen. Wichtig ist, dass das Volk wieder still hält. Die Medien bekommen jetzt wieder das Einschlaflied von der Regierung vorgelegt, dass sie gefälligst unter das Volk zu bringen haben.

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