Tarifkonflikt
Was Verdi wirklich will

Bei den Warnstreiks an den Flughäfen geht es für Verdi-Chef Bsirske um mehr als nur einen guten Tarifabschluss. Mit einem Erfolg kann er im Kampf mit Kleinstgewerkschaften Punkte machen - auf dem Rücken der Reisenden.
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Verdi lässt die Muskeln spielen. Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes hat die Gewerkschaft mit Warnstreiks den Betrieb an den großen deutschen Flughäfen durcheinander gewirbelt. In Frankfurt legte bereits in aller Frühe ein Teil des Bodenpersonals die Arbeit nieder - ein Drittel der täglich 1300 Starts und Landungen werden deshalb wohl ausfallen.

Und neben Frankfurt werden auch noch viele andere Flughäfen wie München, Düsseldorf oder Köln-Bonn bestreikt. „Dass heute die Flughäfen lahmgelegt sind, ist ein klares Signal, welches Eskalationspotenzial besteht“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske  bei einer Kundgebung vor mehreren hundert Teilnehmern am Frankfurter Flughafen. „Ich hoffe, dass die Arbeitgeber dieses klare Zeichen verstehen. Und nicht nur die - sondern vor allem auch die Beschäftigten selbst.

Dass Verdi nach den Warnstreiks bei den öffentlichen Verkehrsmitteln oder an Kindertagesstätten nun auch das Bodenpersonal der Flughäfen einbezieht, ist alles andere als ein Zufall. Die Streiks unterm weiß-roten Verdi-Banner sollen vor allem ein Signal an die betreffenden Mitarbeiter sein: dass sich nämlich nicht nur neue Berufsgewerkschaften kämpferisch für die Interessen von Beschäftigten im Luftverkehr einsetzen, sondern auch der gewerkschaftliche Vollanbieter Verdi.

Seit der Grundsatz der Tarifeinheit nicht mehr gilt, muss Verdi stets befürchten, dass entweder die GdF oder auch eine weitere neue Gewerkschaft in den Bereich des bisher im kommunalen öffentlichen Dienst angesiedelten Bodenpersonals eindringt. Das demonstrative Bad in der Menge der streikenden Beschäftigten vor laufenden Kameras ist für Verdi-Chef Bsirske heute also wichtiger denn je: Nähe zählt im Konkurrenzkampf mit den Spartengewerkschaften doppelt.

Wobei Verdi offiziell einen Zusammenhang zwischen den Flughafen-Warnstreiks und dem Engagement der Spartengesellschaften bestreitet. „Die Konkurrenzgewerkschaften spielen  keine Rolle”, sagt ein Sprecher. „Die Tarifvielfalt hat mit der aktuellen Tarifauseinandersetzung nichts zu tun.” Allerdings hätten die Warnstreiks durchaus den Nebeneffekt den Beschäftigten zu zeigen, „dass auch eine Großgewerkschaft eine interessante Alternative sein kann”.

Kommentare zu " Tarifkonflikt: Was Verdi wirklich will"

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  • Der Spitzensteuersatz liegt bei 45%, mit Soli und Kirchensteuer bei 49,52%.
    Die Abgeltungsteuer beträgt 25% + Soli = 26,375% + KiST = ca. 28%
    Sie unterschlagen an dieser Stelle aber ganz frech, dass die zur Entnahme verfügbaren Beträge bereits mit ca. 30% besteuert wurden.
    Bsp: 100.000 Gewinn vor Steuer
    Gewinn vor Steuer: 100.000
    Körperschaftsteuer: 15.000
    Soli: 825
    Gewerbesteuer(Hebesatz 400%): 14.000
    Ausschüttbarer Betrag: 70.175
    Abgeltungsteuer: 17.543,75
    Soli: 964,91
    Auf KiSt wird verzichtet
    Nettobetrag: 51.684,34
    Steuerquote gesamt: 48,32%
    Das ist in etwa die Belastung mit dem Spitzensteuersatz im oberen Plafond, aber vollig unabhängig davon ob die Gesellschaft 100 Gewinn erwirtschaftet oder aber 1.000.000 EUR.
    In der von Ihnen beschriebenen Zeit gab es ein Anrechnungsverfahren für die Körperschaftsteuer, sodass die Steuerbemessungsgrundlage gemindert wurde, die gibt es nicht mehr. Wie hoch sollte Ihrer Meinung die Besteuerung für Ausschüttungen sein? Zahlen Sie 48,31% Steuern unabhängig Ihrer Einkommenshöhe? Nein? Viele GmbH Gesellschafter und Aktionäre schon.

  • Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, der weiß, dass es keine leeren Kassen gibt. Wenn Geld gebraucht wird, ist welches da, egal wofür.

    Außerdem steht diese Zeitung ja für die Gruppe derer, die für sich selbst alles wollen, für andere nichts, oder?

  • ...und wieder mal schlagen sich die Medien auf die Seite der Arbeitgeber, wenn es um die Beschäftigten im öffentlichen Dienst geht, denn das kommt ja auch bei einem Großteil der Bevölkerung gut an !!!
    Diese immer wiederkehrende Litanei unserer Politiker von den "leeren Kassen", wenn es um Lohn für Ihre Bediensteten geht, ist mittlerweile kaum noch zu ertragen.
    Sollen denn immer und immer wieder diejenigen auf eine Lohnerhöhung verzichten, die nun wahrlich die geringste Schuld an den "leeren Kassen" haben ?
    Es gäbe da doch wirklich andere Möglichkeiten der Einsparung!

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