Tarifverhandlungen gehen in entscheidende Phase
Spitzentreffen in Metallbranche geplant

IG Metall und Gesamtmetall sehen in der Tarifrunde am kommenden Mittwoch in Baden-Württemberg die entscheidenden Gespräche. Darum gehen die Chefs beider Seiten offenbar selbst hin.

HB BERLIN. Arbeitgeber und IG Metall sind sich offenbar sicher, dass in der kommenden Woche «die Weichen gestellt» für eine Einigung oder einen Streik werden. Wie die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» (FAS) am Samstag vorab berichtete, wollen deshalb der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, und IG-Metall-Chef Jürgen Peters an der sechsten Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg teilnehmen. Sprecher von IG Metall und Gesamtmetall nannten dies am Samstag «reine Spekulation».

Der Südwesten gilt traditionell als Pilotbezirk in den Metall-Tarifverhandlungen. Vor den Gesprächen am kommenden Mittwoch in Böblingen warnte Kannegiesser vor einem Scheitern. «Ein Arbeitskampf in dieser labilen wirtschaftlichen Situation würde den Aufschwung in Deutschland ersticken», sagte er der «FAS».

Zugleich verschärften die Arbeitgeber den Ton. Südwestmetall-Chef Otmar Zwiebelhofer drohte, die Politik könnte mit Einschnitten in die Tarifautonomie reagieren, sollte die Gewerkschaft sich nicht auf betriebliche Optionen für längere Wochenarbeitszeiten einlassen. «Wenn die IG Metall sich jetzt nicht bewegt, dann wird sie durch politische Eingriffe bewegt werden», sagte Zwiebelhofer der «Welt am Sonntag». CDU-Wirtschaftsexperte Karl-Josef Laumann signalisierte dafür Unterstützung.

Laumann forderte in der «Neuen Osnabrücker Zeitung», die Gewerkschaften sollten mehr betriebliche Elemente in die Tarifverträge übernehmen. Die Arbeitgeber forderte Laumann im Gegenzug auf, «den Bogen nicht zu überspannen». Wenn die Arbeitgeber alle wichtigen Entscheidungen über Arbeitsbedingungen und Entgelte in betriebliche Hände legen wollten, könnten sie gleich aus der Tarifautonomie aussteigen.

Zwiebelhofer warnte davor, dass der Gesetzgeber es nicht hinnehmen werde, «wenn die Tarifparteien in den Verhandlungen nur eine Maus gebären». Für eine Einigung müssten sich «beide Seiten noch einmal gewaltig bewegen», ergänzte der Südwestmetall-Chef. Bislang liegen die Tarifparteien bei ihren Vorstellungen noch weit auseinander.

Das derzeitige Angebot der Arbeitgeber sieht für alle Bezirke eine Lohnerhöhung in zwei Stufen um 1,2 Prozent vor, bei einer Laufzeit von 27 Monaten. Verknüpft ist dies mit der Forderung nach einem Arbeitszeitkorridor von 35 bis 40 Stunden, ohne garantierten Lohnausgleich. Das lehnt die Gewerkschaft strikt ab. Zudem verlangt sie eine Erhöhung der Einkommen um vier Prozent.

In den vergangenen Tagen hatten sich bundesweit zehntausende Metaller an Warnstreiks beteiligt. Am Dienstag berät der Gewerkschaftsvorstand in Frankfurt am Main das weitere Vorgehen, am Abend zuvor kommen die Bezirksleiter zu Beratungen zusammen.

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