Tatort-Autoren in Wut
Streitschrift gegen die Umsonstkultur

Tatort Internet: 51 Drehbuchautoren der Krimiserie beschimpfen die Netzgemeinde. Sie fordern: mit der Gratiskultur muss endlich Schluss sein. Die Diskussion um den Urheberschutz gewinnt an Brisanz.
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DüsseldorfDie Anrede ist weitschweifig, aber eindeutig: „Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde!“ lautet sie und stammt von jenen 51 Autoren, die Deutschland jeden Sonntag Abend mit der neuesten Folge der Krimiserie „Tatort“ beglücken. Die Autoren haben am Donnerstag einen Brief an die Angesprochenen veröffentlicht und damit in eine im Netz tobende Debatte eingegriffen.

Es geht um den Urheberschutz - um den inzwischen verbissen gekämpft wird: Auf der einen Seite steht dabei jener Teil der Generation Web 2.0, die sich für die Gratiskultur im Internet stark macht. Auf der anderen Seite formiert sich aber inzwischen eine Gegenbewegung, deren Größe zunimmt und die jetzt mit den Drehbuchautoren neue öffentliche Unterstützer gefunden haben. Sie wollen dem Gratistrend ein Ende setzen und verlangen, dass geistiges Eigentum im Internet nicht kostenlos für jeden zugänglich sein darf.

Die „Tatort“-Autoren fordern die Netzgemeinde auf, "sich von ein paar Lebenslügen zu verabschieden". zum Beispiel: "Die Menschenrechte garantieren in der Tat einen freien, aber doch keinen kostenfreien Zugang zu Kunst und Kultur. Diese politische Verkürzung von Grünen, Piraten, Linken und Netzgemeinde dient lediglich der Aufwertung der User-Interessen, deren Umsonstkultur so in den Rang eines Grundrechtes gehievt werden soll." Rechtsverstöße wie illegales Kopieren, so klagen die Autoren weiter, werden "zum Freiheitsakt hochgejazzt". Die Grundrechte der Urheber aber würden dagegen marginalisiert: Zum Beispiel das Grundrecht auf geistiges Eigentum.

„Die vermutlich gravierendste Lebenslüge der selbsternannten Problemlöser“, so meinen die Autoren sei diese: „Wenn man Urheber und User besser stellen will, braucht es ja einen, der diesen Alle-haben-alle-wieder-lieb-Kompromiss, der den Kram bezahlt – denn wie in allem, was hergestellt wird, steckt auch im „Content“ verdammt viel Arbeit von Urhebern und kostet deshalb auch Geld, das irgend jemand bezahlen muss. Diesen omnipotenten Zahler kennt die Netzge-meinde auch schon ganz genau: Nein, nicht Google, youtube und die anderen Internetserviceprovider, die sich dumm und dämlich daran verdienen, illegale Kontakte zu vermitteln, den kriminellen Modellen wie kino.to, megaupload, the Pirate Bay etc. überhaupt zum Erfolg zu verhelfen. Nein, für die Grünen, Piraten und Netzpolitiker aller Parteien ist der große Übeltäter die Verwertungsindustrie: Sony, Universal, Bertelsmann und, ganz wichtig, natürlich die GEMA und die anderen Verwertungsgesellschaften. Das sind in ihren Augen die Blutsauger, die sollen die Zeche zahlen.“

Mit einer Floskel verabschieden sich die 51 Briefschreiber am Ende: „Für konstruktive Gespräche über den anstehenden historischen Kompromiss zwischen Urhebern und Usern stehen wir jederzeit bereit.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • Ich zahle für ein Radio und einen TV in meinem Haus alle 3 Monate €56,80. Dann zahle ich €18.60 Kabelanschluss. Telefon und Internet €29,90. Ich werde permanent genervt mit Werbung für Sky die für supergünstige €29,90 mir die inhaltliche Qualität zurückgeben wollen die im KabelTV rapide und kontiunierlich abnimmt.
    Ich bin ein normaler Familienvater mit Frau und 2 Kindern von 6/10 Jahre. Miete, Schule/Ausrüstung, Klamotten, Essen, Ausflüge, KFZ, ?Urlaub?.... Wie sollen wir das alles mit 2x €1200 Bruttoarbeitsverhältnissen finanzieren? Mein regulärer €1800 Bruttofacharbeitsplatz wurde mir via Leiharbeitsstelle nach 3 monatiger Arbeitslosigkeit nach kündigung seiten´s des Arbeitgbers mit dem Grund Kurzarbeit ist ausgelaufen und es muss Betriebsbedingt Stellen abgebaut werden, wieder für €1299 angeboten.
    Schönes Deutschland und toll was unsere Schröderausverkaufregierung und ESMUnionisten die letzten 10 Jahre geschaffen haben.

  • Ich lebe seit ein paar Jahren im Ausland und kann mir ueber die Mediathek der ARD jede woche den neuesten Tatort kostenlos ansehen. Wo ist also das Problem wenn selbst die ARD den Tatort kostenlos jede Woche im Internet zum anschauen bereit stellt?

  • Ich schau den Tatort nicht, bin kein Krimi-Fan, aber mir ist bewusst, dass er besser ist als von meinen Vorrednern beschworen. Es existiert inzwischen sogar eine Art Kult um den samstäglichen Tatort. Jedoch: Diese Filme sind samt und sonders von den GEZ-Zahlern bereits bezahlt! Wenn die Drehbuchautoren mehr Geld wollen, dann sollen sie das mit den Sendern aushandeln und nicht auf den Zuschauern rumhacken, die erst dafür sorgen, dass es überhaupt Einschaltquoten und deshalb im Endeffekt Auftrag und Geld für die Autoren gibt.
    Das Aufnehmen des Tatorts via Videorekorder ist völlig legal und auch online kann man sich das Werk noch 7 Tage lang anschauen oder herunterladen - ebenfalls komplett legal und bezahlt durch GEZ sowie Umlagen auf den Kauf von Videorekorder und -kassetten.
    Statt also auf ihren Fans rumzuhacken sollten die Autoren lieber dankbar sein, dass es eine Gemeinde jenseits der etablierten Autoren gibt, die sich für eine Stärkung des Urhebers gegenüber den Verwertern einsetzt. Die "Netzgemeinde" kämpft für euch und nicht gegen euch, liebe Autoren!

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