Teilgeständnis abgelegt
Kofferbomber in Kontakt zu El-Kaida?

Die beiden festgenommenen mutmaßlichen Kofferbomber hatte möglicherweise Verbindungen zur Terrororganisation El Kaida. Auch der BKA vermutet ein breites Netz von Tätern. Der Verdächtige Dschihad Hamad, der im Libanon verhört wird, hat zudem eine Beteiligung an den Kofferbomben-Anschlägen zugegeben, doch von einer Bombe will er nichts gewusst haben.

HB BEIRUT/KONSTANZ. Wie der libanesische Innenminister Ahmed Fatfat am Freitag mitteilte, deuteten die Ermittlungen daraufhin, dass der im Libanon festgenommene Terrorverdächtige Dschihad Hamad über den weiteren verdächtigten Libanesen, Youssef Mohamad E.H., Beziehungen zur El Kaida hatte. „Aber wir sind uns da nicht sicher“, sagte der Innenminister. Die Ermittlungen dauerten noch an.

Dreieinhalb Wochen nach den gescheiterten Anschlägen auf die zwei deutschen Regionalzüge hat Dschihad Hamad beim Verhör in Beirut ein Teilgeständnis abgelegt. Innenminister Fatfat sagte am Freitag: „Wir haben ein Geständnis von Hamad, dass er den Koffer in den Zug getragen hat. Aber er sagte, er habe nicht gewusst, was sich darin befindet.“ Noch sei nichts geklärt, aber in Hamads Computer hätten die Ermittler etwas gefunden, das mit dem Terrornetzwerk Al Kaida in Verbindung gebracht werden könne.

Auch die Festnahme von zwei weiteren Verdächtigen in Konstanz und im Libanon stärkte die Vermutung, dass die beiden zuerst verhafteten Libanesen Komplizen hatten. BKA-Präsident Jörg Ziercke geht von einem breiten Netz von Tätern aus. Es sei wahrscheinlich, „dass es in Deutschland Mitwisser und Helfer gegeben hat“, sagte er am Freitag.

Innenminister Fatfat sagte, die Vernehmung des Verdächtigen Hamad (20), der sich am Vortag der Polizei im Nordlibanon gestellt hatte, werde fortgesetzt. Die Befragung konzentriere sich darauf, ob die Tatverdächtigen einer bekannten Extremisten-Organisation angehörten. Nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen gilt Hamad als Hauptverdächtiger.

Die beiden Sprengstoffkoffer waren am 31. Juli in zwei Regionalzügen in Nordrhein-Westfahlen deponiert worden, jedoch wegen technischer Fehler nicht explodiert. Ziercke sagte in der ARD, nach bisherigem Ermittlungsstand gehe das Bundeskriminalamt (BKA) von einer terroristischen Zelle in Deutschland aus. Ob es einen Zusammenhang mit der libanesischen Organisation Hizb ut-Tahrir gibt, sei noch nicht klar.

Dem am Freitag in Konstanz festgenommenen Mann wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen und das versuchte Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Er stamme aus dem Umfeld des in Kiel verhafteten mutmaßlichen Attentäters Youssef Mohamad El Hajdib (21), teilte die Bundesanwaltschaft mit. Über einen Haftbefehl soll am Wochenende entschieden werden. Das Zimmer des Mannes in einem Studentenwohnheim am Bodensee wurde durchsucht.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft ist noch offen, ob und inwieweit der Verdächtige in die Vorbereitungen der misslungenen Bahn-Anschläge eingebunden war. Die Behörde dementierte am Abend auf Nachfrage einen Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag), wonach in Konstanz sogar zwei Männer - ein Brüderpaar - festgenommen wurden. Nach dpa-Informationen wurde in Konstanz unter anderem ein Laptop sichergestellt. Demnach besteht der Verdacht, dass der Computer El Hajdib gehörte.

Libanons Innenminister Fatfat erklärte: „Wir haben den deutschen Ermittlern erlaubt, (dem Verhör) beizuwohnen und Dschihad Hamad auch zu verhören.“ Die libanesische Polizei vernahm zudem einen Angehörigen des in Kiel verhafteten El Hajdib als Zeugen. Da sich der 24 Jahre alte Mann in Widersprüche verstrickt habe, befinde er sich nun in Polizeigewahrsam, sagte Fatfat.

Hamad war in den Libanon gereist, kurz nachdem die nicht detonierten Sprengsätze entdeckt worden waren. Der Vater Hamads hatte erklärt, sein Sohn habe keine Kontakte zu politischen Aktivisten gehabt und auch keine Verbindungen zu der radikalen Islamisten- Organisation Hizb ut-Tahrir.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief die muslimischen Organisationen in Deutschland auf, den Terrorismus offensiv zu verurteilen. Sie hätten das Bild der Menschen vom Islam auch „ein Stück weit selbst in der Hand, indem sie sich ganz klar von Terroristen distanzieren“, sagte sie am Abend beim offiziellen Auftakt des Landtagswahlkampfs der CDU Mecklenburg-Vorpommerns in Waren an der Müritz.

Mehrere muslimische Verbände in Deutschland distanzierten sich von Terror und Gewalt. „Mit Entsetzen und tiefer Abscheu“ verurteile man die versuchten Bombenattentate, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die in Köln veröffentlicht wurde.

Der Vorsitzende der CDU/CSU im Bundestag, Volker Kauder, forderte die SPD auf, in der Terrorismus-Debatte „weniger aggressiv“ vorzugehen. Er reagierte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ auf den SPD-Innenexperten Dieter Wiefelspütz, der die CDU-Forderung nach verschärften Kontrollen bei einreisenden Ausländern als „grobschlächtig und primitiv“ verurteilt hatte. Die FDP-Fraktion im Bundestag forderte eine Sondersitzung des Innenausschusses.

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